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09.05.2017

21:00 Uhr

Moon Jae-in

Südkorea vertraut auf einen linken Saubermacher

VonMartin Kölling

Nach dem Korruptionsskandal um Präsidentin Park Geun-hye wählt Südkorea einen Saubermacher. Der ehemalige linke Aktivist Moon Jae-in soll den Klüngel der Korea AG auskehren. Allerdings droht nun Streit mit den USA.

Südkorea

Neuer Präsident setzt auf Gespräche mit Nordkoreas Diktator

Südkorea: Neuer Präsident setzt auf Gespräche mit Nordkoreas Diktator

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TokioMitten in der jüngsten Korea-Krise hat sich Südkorea für einen Kurswechsel entschieden: Der Spitzenkandidat der linksliberalen Demokraten Moon Jae-in hat nach Hochrechnungen 41 Prozent der Stimmen erhalten. Der konservative Rivale Hong Jun-pyo von der bisherigen Regierungspartei bekam in dem großen Kandidatenfeld demnach nur auf 23 Prozent.

Damit führt erstmals seit zehn Jahren konservativer Herrschaft wieder ein progressiver Präsident Asiens viertgrößte Volkswirtschaft an. Die Herausforderung ist groß für den 64-jährigen Menschenrechtsanwalt. Denn nach der Amtsenthebung und Verhaftung seiner Vorgängerin Park Geun-hye erwartet seine Basis, dass er mit dem traditionellen Klüngel aus Macht und Familienkonglomeraten aufräumt, der das Land im Griff hat.

Die wichtigsten Kandidaten für die Präsidentenwahl in Südkorea

Moon Jae In

Für den linksliberalen Oppositionspolitiker stehen die Chancen nicht schlecht, im zweiten Anlauf Präsident des Landes zu werden. Der 64-Jährige konnte seine Führung in den letzten Umfragen vor der Wahl behaupten. Der frühere Menschenrechtsanwalt hatte die Wahl Ende 2012 gegen seine konservative Rivalin Park verloren. Moon ist ein Befürworter eines aktiven Annäherungskurses zur kommunistischen Führung in Nordkorea. Er betonte immer wieder, wie wichtig die Allianz Südkoreas mit den USA ist, kündigte aber auch für den Fall seines Siegs an, eine ausgeglichenere Beziehung zu Washington schaffen zu wollen. Moon will sich für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands einsetzen. 

Ahn Cheol Soo

Der Millionär, Arzt und frühere Software-Entwickler von der kleineren Volkspartei galt lange Zeit als politischer Shooting-Star. Der als gemäßigt geltende Ahn sagt, er wolle das Land einen, das von einer korrupten Elite von Politikern und Unternehmern geführt werde. Unter anderem will der 55-Jährige die großen Familienkonzerne reformieren. Er spricht sich grundsätzlich für die Aufnahme eines Dialogs mit Nordkorea aus, will aber an den harten Sanktionen gegen die Führung in Pjöngjang festhalten, um diese im Streit über ihr Atomprogramm zum Einlenken zu bewegen. 

Hong Jun Pyo

Die Ansichten des rechtskonservativen früheren Staatsanwalts zu Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik kommen denen von Park am nächsten. Hong geht für die Freiheitspartei Koreas ins Rennen. Der 62-Jährige steht hinter der umstrittenen Stationierung des neuen US-Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea, die unter Park beschlossen wurde. Auch steht er für eine harte Sanktionspolitik gegenüber Nordkorea. 

Sim Sang Jung

Die Links-Abgeordnete der Partei der Gerechtigkeit und frühere Aktivistin für die Stärkung der Arbeitsrechte lag zuletzt in den Umfragen abgeschlagen hinter Moon, Ahn und Hong. Sim spricht sich für einen Dialog mit Nordkorea aus. Auch will die 58-Jährige die eingestellten wirtschaftlichen Kooperationsprojekte mit dem Nachbarland wieder in Gang bringen. 

Yoo Seong Min

Der Ökonom und Mitte-Rechts-Abgeordnete der kleineren Bareun Partei setzt in seinen außen- und sicherheitspolitischen Ansichten auf eine starke Allianz mit den USA. Der 59-Jährige unterstützt wie Hong die Idee, wieder taktische Atomwaffen der USA nach Südkorea zu verlegen. Im Zentrum seiner Wirtschaftspolitik steht die Stärkung kleiner und mittelgroßer Unternehmen.

So stürzte Park, die Tochter des früheren Diktators Park Chung-hee, nicht nur über den Vorwurf, Staatsgeheimnisse mit ihrer Freundin und Beraterin Choi Soon-sil geteilt zu haben. Sie soll überdies von den Unternehmerdynastien rund 60 Millionen Euro an Spenden an Stiftungen ihrer Freundin und persönlichen Beraterin Choi Soon-sil eingefordert zu haben. Die Patriarchen von Samsung und der Kaufhauskonzern Lotte stehen in diesem Fall ebenfalls wegen Bestechung vor Gericht.

Moons Problem dabei ist, dass er keine absolute Mehrheit der Stimmen und damit kein überragendes Reformmandat hat. Allerdings verfügt er über einen großen Vorteil: Der ehemalige Studentenführer, der unter Parks Vater im Knast saß, kennt sich aus auf den Fluren der Macht.

Von 2003 bis 2008 war Moon zuletzt als Stabschef einer der wichtigsten Macher des damaligen Präsidenten Roh Moo-hyun. Außerdem hat durch eine bittere Niederlage gegen Park 2012 gelernt, dass er rhetorisch über die Mitte hinausreichen muss, um die Angst der Konservativen vor seiner linken Vergangenheit zu überwinden.

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So hatte der rechte Hardliner Hong Moon als pro-koreanischen Politiker gebrandmarkt, der einen Kuschelkurs mit Nordkorea und dessen Schutzmacht China suche. Immerhin hatte Moon angekündigt, sich unter nicht näher genannten Umständen mit Nordkoreas Führer Kim Jong-un zu treffen und den gemeinsamen Wirtschaftspark Kaesong wiederzueröffnen.

Doch der amerikanische Korea-Experte Victor Cha, Korea Chair des Centers for Strategic and International Studies, meint, dass Moons Sieg „nicht notwendigerweise eine plötzliche Verschiebung zu einer Politik des Engagements mit Nordkorea bringt“. Zum einen kombiniert Moon seine Version der „Sonnenscheinpolitik“ stärker als sein Mentor Roh mit Abschreckung. Zum anderen würden die Umstände Moon keine radikalen Alleingänge erlauben, meint Cha.

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