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28.02.2015

15:54 Uhr

Mord an Boris Nemzow

Warum musste der Kreml-Kritiker sterben?

Der Mord am russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow wirft Fragen auf: Wer waren die Mörder und warum konnte der Mord so nah am Kreml geschehen? Russlands Präsident verspricht, „alles für die Aufklärung“ zu tun.

In Sichtweite des Kremls: Moskauer trauern am Tatort. dpa

Tatort in Moskau

In Sichtweite des Kremls: Moskauer trauern am Tatort.

MoskauNach dem blutigen Attentat auf den Kremlkritiker Boris Nemzow in Moskau gehen die Ermittler verschiedenen Spuren nach. Die Tat sei sorgfältig geplant gewesen, sagte der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde Wladimir Markin am Samstag in Moskau. Der Täter habe aus einem Fahrzeug mit einer Pistole vom Typ Makarow geschossen und dabei Patronen unterschiedlicher Hersteller verwendet, sagte Markin. Es würden nun die Aufnahmen der Videoüberwachung gesichtet sowie die Telefonverbindungen im Umfeld des Tatorts rekonstruiert.

Nach dem Mord an dem russischen Oppositionsführer Boris Nemzow haben Ermittler Fernsehberichten zufolge möglicherweise das Fluchtauto der Täter gefunden. Der TV-Sender Rossija 24 zeigte das weiße Fahrzeug mit einem Nummernschild der russischen Teilrepublik Inguschetien, die im islamisch geprägten Konfliktgebiet Nordkaukasus liegt. Von den Tätern fehlte demnach allerdings jede Spur.

Zuletzt hatten Ermittler als einen von mehreren Ermittlungsansätzen auch einen islamistischen Hintergrund für den Mord nicht ausgeschlossen. Nach Darstellung der obersten Ermittlungsbehörde in Moskau hatte es gegen Nemzow Drohungen gegeben, nachdem der Politiker sich im Zuge des Anschlags auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ solidarisch mit den Franzosen gezeigt hatte.

Nach einer großen Trauerkundgebung im Zentrum von Moskau an diesem Sonntag soll der Sarg mit dem Leichnam Politikers im Sacharow-Menschenrechtszentrum aufgebahrt werden. Dort sollen die Menschen nach russisch-orthodoxem Brauch am Dienstag Abschied nehmen können von dem früheren Vize-Regierungschef. Anschließend ist die Beisetzung auf dem Prominentenfriedhof Trojekurowo geplant.

In erster Linie gehen die Ermittler nach Angaben von Markin von einem politischen Auftragsmord an dem Gegner von Kremlchef Wladimir Putin aus. Die Täter könnten demnach das Ziel gehabt haben, die Lage in Russland zu destabilisieren. Der 55 Jahre alte Nemzow gilt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der russischen Opposition.

Russlands Wirtschaft

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

Markin sagte, dass mehrere Zeugen befragt worden seien, darunter auch Nemzows Begleiterin. Das Paar soll auf dem Weg in Nemzows Wohnung gewesen sein, als der Täter aus einem Auto die Schüsse in der Nacht zum Samstag abfeuerte. Der Politiker starb am Tatort auf der Moskwa-Brücke.

Kremlchef Wladimir Putin hat indes den in Moskau erschossenen Oppositionspolitiker Boris Nemzow für seine Verdienste gewürdigt und zugesichert, sich vehement für die Aufklärung des Verbrechens einzusetzen. „Es wird alles getan, damit die Organisatoren und Täter dieses hässlichen und zynischen Mordes ihrer verdienten Strafe zugeführt werden“, versprach Putin in einem Beileidstelegramm am Samstag an die Mutter von Nemzow. In dem vom Kreml veröffentlichten Schreiben lobte Putin Nemzow als aufrichtigen Politiker, der seine Position verteidigt habe.

„Boris Nemzow hat seine Spur in der Geschichte Russlands hinterlassen, in der Politik und im gesellschaftlichen Leben. Ihm fiel es zu, auf bedeutenden Posten in einer schwierigen Übergangszeit für unser Land zu arbeiten. Er hat immer direkt und ehrlich seine Position vertreten und seinen Standpunkt verteidigt“, hieß es in dem Schreiben.

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