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02.03.2017

11:36 Uhr

Mord an deutschem Paar

Philippinen wollen härter gegen Abu Sayyaf vorgehen

Die philippinische Regierung will nach dem Mord an einem deutschen Paar härter gegen die islamistische Terrororganisation Abu Sayyaf vorgehen. Zugleich soll es Gespräche zwischen Muslimen und Katholiken geben.

Mord auf den Philippinen

Grausiger Fund – Leiche des Deutschen Seglers gefunden

Mord auf den Philippinen: Grausiger Fund – Leiche des Deutschen Seglers gefunden

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ManilaNach der Ermordung eines deutschen Seglers durch die Terrorgruppe Abu Sayyaf auf den Philippinen will die dortige Regierung ihre Gangart gegen die Islamisten nochmals verschärfen. Verteidigungsminister Delfin Lorenzana kündigte am Donnerstag an, gegen die Terrorgruppe „mit der vollen Härte des Gesetzes“ vorzugehen. Dazu gehöre auch der Einsatz der Streitkräfte. Zuvor hatte sich Präsident Rodrigo Duterte bereits dafür entschuldigt, dass die deutsche Geisel nicht gerettet werden konnte.

Der 70-jährige Mann war am Sonntag von seinen Entführern auf der Insel Jolo enthauptet worden, der Hochburg der Islamisten. Seine Leiche wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums aber noch nicht gefunden. Der Segler war Anfang November zusammen mit seiner Lebensgefährtin überfallen worden, als das Paar in den Gewässern zwischen den Philippinen und Malaysia unterwegs war. Die 59 Jahre alte Frau wurde damals schon erschossen.

Abu Sayyaf: Terrorgruppe auf den Philippinen

Die Schwertträger

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten seit den 1960er Jahren für Autonomie. Unter dem Einfluss von Al-Kaida entstand 1991 die Organisation Abu Sayyaf („Schwertträger“), die die Bevölkerung mit Anschlägen terrorisiert und ihren Kampf mit der Entführung von Ausländern und Lösegelderpressungen finanziert. Hochburg von Abu Sayyaf ist die Insel Jolo im Südwesten des Inselstaats.

Lehre bei Osama bin Laden

Ihr Gründer Abdurajak Janjalani ließ sich in Saudi-Arabien zum Islamgelehrten ausbilden, ehe er bei Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Afghanistan in der Lehre ging. Er wurde 1998 bei einem Gefecht getötet. Neuer Chef wurde sein Bruder Khaddafy Janjalani, der aber 2006 bei einem Militäreinsatz ebenfalls starb. Die Organisation formierte sich unter anderen Anführern neu. 2014 schwor sie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue.

Spektakulärste Aktionen

Im Jahr 2000 entführte Abu Sayyaf 21 Touristen von einer Taucherinsel in Malaysia auf die Philippinen. Darunter war eine deutsche Familie, die erst nach Monaten im Dschungel gegen Lösegeld freikam. 2004 starben bei einem Anschlag auf eine Fähre auf den Philippinen 116 Menschen. 2014 entführte sie ein deutsches Paar von seiner Segeljacht und ließ es erst nach Monaten frei. In diesem Jahr wurden zwei Kanadier entführt und enthauptet - angeblich, weil kein Lösegeld gezahlt wurde.

Verteidigungsminister Lorenzana nannte die Enthauptung des Mannes „eines der abscheulichsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Seiner Familie versprach er, Gerechtigkeit walten zu lassen. „Wir können ihr und der gesamten Welt versprechen, dass wir diese Tiere mit der vollen Härte des Gesetzes verfolgen werden.“

Darüber hinaus soll es diese Woche auf den Philippinen aber auch eine Konferenz mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft geben. Ziel ist, zu verhindern, dass sich junge Muslime Abu Sayyaf anschließen. Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten bereits seit den 1960er Jahren für Autonomie.

Von

dpa

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