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18.08.2014

11:58 Uhr

Mord an drei Jugendlichen

Israel zerstört Häuser von Tatverdächtigen

Nach der Entführung und Ermordung von drei jüdischen Schülern im Westjordanland hat die israelische Armee die Häuser von zwei Tatverdächtigen zerstört. Die Wohnung eines dritten Verdächtigen wurde abgeriegelt.

Nach dem Mord an drei Jugendlichen zerstört die israelische Armee die Häuser von Tatverdächtigen. dpa

Nach dem Mord an drei Jugendlichen zerstört die israelische Armee die Häuser von Tatverdächtigen.

Tel AvivDie israelische Armee hat am Montag die Wohnhäuser von zwei Palästinensern zerstört, die als Hauptverdächtige für die Entführung und Ermordung von drei jungen Israelis im Juni gelten. Nach Armeeangaben wurden zudem die Zugänge zur Wohnung eines dritten Verdächtigen blockiert. Die drei Talmud-Schüler waren Mitte Juni im Süden des Westjordanlands beim Autostopp zwischen Bethlehem und Hebron entführt worden. Tage später wurden ihre Leichen auf einem abgelegenen Feld entdeckt.

Tatverdächtig sind laut israelischen Ermittlungen die beiden flüchtigen Palästinenser Marwan Kawasmeh und Amer Abu Eischeh. Hussan Kawasmeh soll seinen Bruder Marwan und dessen Freund zu der Tat angestiftet und die Waffen beschafft haben. Er wurde Mitte Juli in der Nähe von Ramallah festgenommen. Nach tagelangen Verhören durch den Inlandsgeheimdienst soll er die Taten und den Hergang gestanden haben. Den Ermittlern liegen nach eigenen Angaben zudem Beweise gegen die drei Männer vor.

Chronik des Gaza-Konflikts (11.8.)

Erste Woche

8./9. Juli 2014: Nach massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen fliegen israelische Kampfflugzeuge Dutzende Angriffe.

10./11. Juli: Militante Palästinensergruppen nehmen erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ins Visier.

15. Juli: Israel akzeptiert eine von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause. Die Hamas lehnt ab.

Zweite Woche

17. Juli: Nach einer mehrstündigen Waffenruhe beginnt Israel eine Bodenoffensive, um die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen und deren Tunnel im Grenzgebiet zu zerstören.

21. Juli: Um zu vermitteln, treffen US-Außenminister John Kerry und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo ein.

23. Juli: Viele Fluggesellschaften stellen Flüge zum Ben-Gurion-Flughafen wegen des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen vorübergehend ein.

Dritte Woche

26./27. Juli: Eine zwölfstündige Waffenruhe tritt in Kraft. Eine Verlängerung lehnt die Hamas ab, die Angriffe gehen weiter.

30. Juli: Nach dem Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen mit 20 Toten hagelt es Kritik an Israel.

31. Juli: Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel und der Hamas die Verletzung des humanitären Völkerrechts vor.

1. August: Eine Waffenruhe hält nur wenige Stunden. Israel beschuldigt die Hamas, einen Soldaten verschleppt zu haben. Für die Suche nach ihm weitet Israel seine Offensive aus.

3. August: Die Armee erklärt den gesuchten Soldaten für tot. Er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Beim Beschuss einer Uno-Schule sterben nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen. Israel beginnt mit dem Abzug seiner Bodentruppen aus dem Gazastreifen.

Vierte Woche

4. August: Ein Anschlag in Jerusalem überschattet eine von Israel erklärte Feuerpause: Ein palästinensischer Baggerfahrer rammt einen Bus. Ein Passant stirbt, der Attentäter wird erschossen.

5. August: Mit Beginn einer dreitägigen Waffenruhe zieht Israel alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab. Israelis und Palästinenser beginnen in Kairo Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe.

8. August: Nach Ablauf der Waffenruhe feuern militante Palästinenser wieder Raketen Richtung Israel, das mit Luftangriffen reagiert.

10. August: Eine weitere dreitägige Feuerpause tritt in Kraft.

Zerstört wurden am Montag die Häuser von Hussan Kawasmeh und Abu Eischeh; versiegelt wurde die Wohnung von Marwan Kawasmeh, weil sie in einem Mehrfamilienhaus liegt. Der Oberste Gerichtshof Israels hatte einen Einspruch der Familien der drei verdächtigen Palästinenser gegen die Zerstörung abgelehnt, weil die Strafmaßnahme als Abschreckungsmittel gerechtfertigt sei. Der Abriss von Häusern palästinensischer Attentäter war während der Zweiten Intifada häufig verfügt worden. Ungewöhnlich ist, dass im aktuellen Fall zu dieser Maßnahme gegriffen wird, bevor ein Gericht einen eindeutigen Schuldspruch gefällt hat.

In Hebron protestierten am Montag mehrere Dutzend Palästinenser gegen die Zerstörungen. Nach Steinwürfen auf israelische Soldaten gingen laut Augenzeugenberichten diese mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor.

Die israelische Rechtshilfeorganisation Hamoked, die die betroffenen Familien vor dem Obersten Gericht vertreten hatte, kritisierte die Demolierungen: "Es handelt sich um eine Kollektivstrafe, die internationalem Recht widerspricht", sagte Hamoked-Sprecherin Dalia Kerstein der Nachrichtenagentur AFP. Zudem sei der Hausabriss 2005 eingestellt worden, weil er statt zu Abschreckung nur zu einer Verschärfung der Spannungen geführt habe.

Von

afp

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