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01.05.2014

01:41 Uhr

Mordfall von 1972

Sinn-Fein-Chef Adams festgenommen

Der Chef der nationalistischen Sinn-Fein-Partei in Nordirland, Gerry Adams, ist festgenommen worden. Adams wird zum Mordfall um die zehnfache Mutter Jean McConville aus dem Jahr 1972 verhört.

Der irische Parlamentarier und frühere IRA-Aktivist Gerry Adams ist im Zusammenhang mit einem Mord vor mehr als 40 Jahren festgenommen worden. Reuters

Der irische Parlamentarier und frühere IRA-Aktivist Gerry Adams ist im Zusammenhang mit einem Mord vor mehr als 40 Jahren festgenommen worden.

LondonDer frühere IRA-Aktivist und heutige irische Parlamentarier Gerry Adams ist im Zuge von Mordermittlungen festgenommen worden. Das teilte die Polizei in Nordirland am Mittwoch mit. Adams betonte kurz vor Betreten der Polizeiwache, er sei freiwillig gekommen und wolle sich vernehmen lassen. Die Vorwürfe gegen ihn seien haltlos.

Die Polizei beschuldigt den 65-Jährigen, am Mord an einer zehnfachen Mutter im Jahr 1972 in Belfast beteiligt gewesen zu sein. Die Tat geht auf das Konto der früheren Untergrundorganisation Irish Republican Army (Irisch-Republikanische Armee), in dessen Führungszirkel Adams damals war. Heute ist er Vorsitzender der republikanischen Partei Sinn Fein und sitzt im irischen Parlament in Dublin.

Adams bestritt seine Beteiligung an dem Mord. Er habe sich zwar nie von der IRA losgesagt und werde das nie tun, aber mit der Entführung und Tötung der Frau habe er nichts zu tun. Die Witwe war 1972 vor den Augen ihrer Kinder von zwölf Männern und Frauen entführt worden. Die IRA beschuldigte sie, Informationen an die englische Armee weitergegeben zu haben. IRA-Mitglieder erschossen sie und vergruben ihre Leiche. Erst im Jahr 2003 wurden die sterblichen Überreste entdeckt und beerdigt.

Adams hatte sich in der 60er Jahren der IRA angeschlossen. Später wandte er sich der Politik zu und zog 1983 für den katholischen Wahlkreis West-Belfast ins britische Unterhaus ein. Zehn Jahre später bereitete er gemeinsam mit dem nordirischen Sozialdemokraten John Hume den 1994 deklarierten IRA-Waffenstillstand vor.

Iren - Die Nein-Sager in Europa

Bisherige Abstimmungen

Die Iren haben seit der Staatsgründung im Jahr 1937 mehr als ein Dutzend Mal über Verfassungsänderungen und wichtige EU-Verträge abstimmen müssen. Die Verfassung der kleinen Republik will es, dass Regierung und Parlament Irlands wichtige Themen nicht alleine bestimmen. Die Regierung braucht das Volk.

Nizza

Im Jahr 2001 haben die Iren erstmals aufhorchen lassen. Als die Nizza-Verträge zur EU-Erweiterung in Irland zur Abstimmung standen, stimmte eine Mehrheit von 54 Prozent dagegen. Die Wahlbeteiligung war mit 35 Prozent sehr niedrig. Die Regierung um den damaligen Premierminister Bertie Ahern ließ 16 Monate später kurzerhand noch einmal abstimmen - diesmal bekamen die Nizza-Verträge bei erheblich höherer Wahlbeteiligung auch aus Irland das Go.

Lissabon

2008 folgte mit dem Lissabon-Vertrag das zweite Desaster. 53 Prozent sprachen sich bei einem Referendum gegen die Vereinbarungen aus. Premier Brian Cowen lässt sich daraufhin aus Brüssel zusichern, dass das Abtreibungsverbot im katholischen Irland bleiben darf und die Kommission nicht verkleinert wird - was den irischen Einfluss in Brüssel hätte mindern können. Im Oktober 2009 stimmen die Iren schließlich - erneut im zweiten Anlauf - zu.

Fiskalpakt

Beim Fiskalpakt würde ein Nein aus Irland nun keine Veto-Wirkung mehr entfalten. Nur zwölf der 17 Euro-Länder müssen den Pakt ratifizieren, um ihn in Kraft treten lassen zu können. Die Iren würden sich möglicherweise jedoch ins eigene Fleisch schneiden. Sie könnten im Bedarfsfall keine Hilfen mehr aus dem neuen Stabilitätsmechanismus ESM erwarten.

Die Ermittlungen in dem Mordfall hatten zuletzt Fortschritte gemacht, nachdem eine Universität in Boston den britischen Behörden Interviews mit früheren Rebellen zur Verfügung gestellt hatte. Die Dokumente sollten erst nach dem Tod der Befragten veröffentlicht werden, aber ein US-Gericht zwang die Hochschule im vergangenen Jahr, Aussagen zu dem Fall herauszugeben.

Ebenfalls am Mittwoch wurde ein 69-Jähriger im Zusammenhang mit einem Attentat in Belfast im Jahr 1971 festgenommen, bei dem 15 Menschen starben. Der Anschlag ging auf das Konto der protestantisch-unionistischen Organisation Ulster Volunteer Force (UVF), wurde aber zunächst irrtümlich der IRA zugeschrieben.

Von

dpa

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