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12.10.2011

14:22 Uhr

Mordkomplott

Terror-Vorwürfe gegen Iran lösen Besorgnis aus

Plante der Iran ein Attentat auf den saudischen Botschafter in Washington? Noch liegen die Details im Dunkeln, doch international wächst die Angst, dass die Situation eskalieren könnte.

Iran-Flagge. Reuters

Iran-Flagge.

Brüssel/WashingtonNach den US-Vorwürfen gegen den Iran, einen Anschlag auf den saudi-arabischen Botschafter in Washington geplant zu haben, hat die Europäische Union Teheran vor „sehr ernsten Konsequenzen“ gewarnt. „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Mittwoch in Brüssel. Wenn sich die Vorwürfe bestätigten, handele es sich dabei um „eine klare Verletzung“ zwischenstaatlichen Rechts, die „nach internationalem Strafrecht“ verfolgt werden müsse. Den Iran rief die Sprecherin zur Zusammenarbeit mit den USA auf, um die Vorwürfe aufzuklären.

Die US-Regierung hatte dem Iran am Dienstag die Planung eines Attentats auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA vorgeworfen. Nach Angaben des Justizministeriums wurde gegen zwei iranische Staatsbürger Anklage erhoben; einer von ihnen wurde festgenommen, der andere ist flüchtig. Teheran bezeichnete die Vorwürfe als „böse Verschwörung“ und wies die „schändliche Behauptung kategorisch und auf das Schärfste zurück“.

Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen sieht den Iran am Zug, die Vorwürfe auszuräumen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. „Sollten die Anschuldigungen der USA zutreffen, wäre dies eine besorgniserregende Eskalation“, sagte Annen Handelsblatt Online. „Der sorgfältig formulierte Vorwurf gegen ‚Elemente der iranischen Regierung’ deutet nicht nur darauf hin, dass die USA offenbar von einem Machtkampf innerhalb des Regimes in Teheran ausgehen, er hält Präsident Obama auch die Option für eine flexible Antwort offen.“

Das angespannte Verhältnis zwischen USA und Iran

1979

Nach der Vertreibung des US-Verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlavi ruft Ajatollah Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs. Als Reaktion verhängt Washington Sanktionen gegen den Iran.

1980

Die Geiselnahme endet nach 444 Tagen. Ein Militäreinsatz zur Befreiung der Amerikaner war gescheitert. Im September greift Irak den Iran an. Im achtjährigen Golfkrieg beliefern die USA beide Länder mit Waffen und schlagen sich schließlich auf die Seite des Iraks.

1984

Nach Terroranschlägen auf US-Soldaten und die Botschaft im Libanon erklärt US-Präsident Ronald Reagan Irans Regime zum „Sponsor des internationalen Terrorismus“ und verschärft die Sanktionen.

1985-1986

In Geheimgesprächen verspricht Washington Teheran Waffenlieferungen, im Gegenzug sollen amerikanische Geiseln im Libanon befreit werden. Mit den Gewinnen finanzieren die USA Rebellen in Nicaragua. Der Iran-Contra-Skandal bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

1988

Ein US-Kriegsschiff schießt einen iranischen Airbus über dem Golf ab, alle 290 Passagiere sterben.

1995

Wegen angeblicher Terrorunterstützung und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen verhängt US-Präsident Bill Clinton ein umfassendes Handelsembargo gegen den Iran.

2001

Washington beschuldigt Teheran, direkt in einen Anschlag auf US-Soldaten in Saudi-Arabien verwickelt zu sein. Der US-Geheimdienst CIA bezichtigt den Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verfolgen.

2002

Präsident George W. Bush bezeichnet den Iran, den Irak und Nordkorea als „Achse des Bösen“. Washington würde nicht tatenlos zusehen, wenn diese Länder versuchten, die USA mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

2004

Auf Drängen der EU verzichtet der Iran auf sein Programm zur Urananreicherung. Die USA bleiben misstrauisch.

2005

Die USA beschuldigen Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Kopf der Geiselnahme von 1979 in Teheran gewesen zu sein.

2007

US-Behörden erklären, im Irak festgenommene Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden hätten sich aktiv am Krieg gegen US-Truppen beteiligt. Man habe zudem Beweise dafür, dass mit von Teheran gelieferten Waffen US-Soldaten im Irak getötet wurden.

2008

Der Iran droht für den Fall eines Angriffs auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen und testet bei einem Großmanöver Raketen. Im Persischen Golf gibt es mehrere Zwischenfälle von US-Schiffen mit iranischen Schnellbooten. Es fallen Warnschüsse.

2009

Iranische Militärs nehmen im Grenzgebiet zum Irak drei US- Touristen fest. Nach einer Verurteilung wegen Spionage zu acht Jahren Haft kommt der erste 2010 frei, die beiden anderen im September 2011.

2010

US-Präsident Barack Obama setzt im Streit um das iranische Atomprogramm neue umfangreiche Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

2011

Im Oktober werfen die USA dem Iran ein Mordkomplott vor: Für das geplante Attentat an einem saudischen Diplomaten macht US-Justizminister Eric Holder den militärischen Arm der iranischen Revolutionsgarden, Al-Kuds, verantwortlich. Ende des Jahres verschärfen die USA ihre Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Im Dezember kündigt der Iran eine Reaktion auf die angebliche Verletzung seines Luftraums durch ein US-Aufklärungsflugzeug an. Am 4. Dezember vermeldet der Iran, die Armee habe in einer östlichen Provinz eine unbemannte Drohne des Typs RQ170 abgeschossen.

Nach Überzeugung Annens zeigen die „ungeheuerlichen“ Vorgänge in Washington zudem, wie sehr sich der Iran durch die nordafrikanischen Revolutionen marginalisiert sieht. Doch, fügte das SPD-Vorstandsmitglied hinzu: „Der offene Rückgriff auf terroristische Mittel kann von der Staatengemeinschaft nicht akzeptiert werden.“ Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, sei daher die iranische Regierung jetzt gefordert, „die Vorwürfe umfassend aufzuklären und gegebenenfalls die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“.

Kommentare (10)

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lowabras

12.10.2011, 14:34 Uhr

Na ja, ein schwarzer Schwan, wie jeder interessierte weiß!
Da wird wieder ein CIA insider job vorbereitet und der Welt wieder einmal eine falsche Fährte gelegt.
Schwachsinnig, wer so-was glaubt und bedauernswert!
Leute informiert Euch, es gibt nicht nur Tagesschau und BILD! www.steuerembargo.co.de

Europa

12.10.2011, 14:41 Uhr

Die USA werden nicht darauf warten, bis der Iran die Vorwürfe aufklärt oder nicht. Bereits jetzt will Obama "die Welt gegen den Iran vereinen" und neue Sanktionen beschließen. Vize-Präsident Biden sagte, Aktionen, die über Sanktionen hinausgehen, seien "noch" nicht geplant. Hoffentlich besteht die Welt diesmal auf Beweisen, man erinnere sich an den damaligen Außenminister Fischer zu Massenvernichtungswaffen im Irak: "I am not convinced."

Dagobert

12.10.2011, 14:45 Uhr

Vorarbeit für einen geplanten Krieg ist das.....
Wenn jetzt die nächsten Wochen der Euro kollabiert, folgt bald darauf der Dollar.
Davon soll ersmal abgelenkt werden.

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