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09.11.2015

08:14 Uhr

Morning Briefing

Gott vs. Merkel

VonGabor Steingart

Die Diskussion um den Familiennachzug syrischer Flüchtlinge offenbart, in welchem innenpolitischen Dilemma die Kanzlerin steckt. Unterdessen schickt die EU die Russland-Sanktionen in die Verlängerung. Was heute wichtig wird.

Gabor Steingart ist Herausgeber des Handelsblatts.

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart

Gabor Steingart ist Herausgeber des Handelsblatts.

DüsseldorfLiebe Leserinnen und Leser,
die wichtigsten Neuigkeiten am frühen Morgen mit Ausblick auf den Tag – börsentäglich zusammengefasst im aktuellen Morning Briefing.

Die Kanzlerin stößt mit ihrer Flüchtlingspolitik auf Widerstand aus den eigenen Reihen. AFP

Angela Merkel

Die Kanzlerin stößt mit ihrer Flüchtlingspolitik auf Widerstand aus den eigenen Reihen.

Druck auf Merkel: Der CDU-Basis gefiel es, die großen Kirchen in Deutschland aber lehnen einen begrenzten Familiennachzug von syrischen Flüchtlingen ab. Eine „Politik der Abschottung“ sei „nicht akzeptabel“, sagte Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche – auch im Namen der Bischofskonferenz. Nach dem wochenlangen Drängen von CDU-Bürgermeistern und CSU-Spitze auf eine härtere Haltung, kann sich die Kanzlerin nun aussuchen, mit wem sie Ärger haben will. Ihre Kerze brennt mittlerweile von beiden Seiten.

Innenminister Thomas de Maizière habe sich die Idee mit dem begrenzten Zuzug der Syrer allein ausgedacht, war hier und da zu lesen. Wer das politische Berlin und die Machtinstinkte der Kanzlerin kennt, weiß es besser. Hier wurde ein Loyalist vorgeschickt, um Witterung aufzunehmen. Das Verhältnis des CDU-Ministers zur CDU-Kanzlerin unterliegt dem gleichen Freiheitsgrad wie das von Hund und Herrchen.

Russlands Präsident hält Sanktionen für einen Verstoß gegen das Völkerrecht. ddp images/dapd/

Wladimir Putin

Russlands Präsident hält Sanktionen für einen Verstoß gegen das Völkerrecht.

Kein Pardon für Putin: Nach Informationen unserer Zeitung aus Brüssel und Berlin sollen die Russland-Sanktionen des Westens um ein halbes Jahr verlängert werden. Offenbar will man Putin so lange quälen, bis sich auch das letzte sibirische Mütterchen ihm in die Arme wirft. Seine Zustimmungswerte sind heute schon höher als die von Merkel und Obama zusammen. Der Westen weiß, wie man seine eigenen Ziele torpediert. Oder um es mit Henry Kissinger zu sagen: „Der Test für die Politik ist nicht, wie etwas beginnt, sondern wie es endet.“
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Andere schmieren Menschen, bei VW schmiert man Motoren. Das Ziel aber ist dasselbe: Manipulation. VW-Techniker in Deutschland haben jahrelang die CO2-Werte geschönt, durch einen Reifendruck von mehr als 3,5 bar und dadurch, dass man Diesel in den Motor mischte. Die Testwagen sind so leichter gelaufen und haben weniger Sprit verbraucht. Das Schweigen von Winterkorn und Piëch zu den Vorwürfen ist mittlerweile ohrenbetäubend.

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Für die Kapitalseite wird die heutige Aufsichtssitzung kein Kuscheltreffen. AFP

Matthias Müller

Für die Kapitalseite wird die heutige Aufsichtssitzung kein Kuscheltreffen.

Nochmal VW: Heute trifft sich der VW-Aufsichtsrat. Für die Kapitalseite wird das kein Kuscheltreffen. Die Gewerkschaften fühlen sich a) über die internen Ermittlungen nicht ausreichend informiert, sie lehnen b) die Sparpläne von VW-Vorstand Diess ab und c) war die IG-Metall ohnehin gegen die Berufung von Ex-Finanzvorstand Pötsch zum neuen Aufsichtsratschef. Im bisher intimen Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bei VW ist arktische Kühle eingekehrt. Unklar ist, ob es sich noch um eine Zweck- oder schon um eine Scheinehe handelt.

Frankfurt, Düsseldorf, München: „Alle Passagiere, die an einem dieser Flughäfen starten oder landen sollen, können davon ausgehen, dass ihr Flug nicht geht", teilte der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies gestern mit. Bis Freitag ruht damit in weiten Teilen des Landes der Luftverkehr. Man hat sich an die kühlen, um nicht zu sagen kaltschnäuzigen Durchsagen dieser Art mittlerweile gewöhnt. Aus irgendeinem Grund können die Lufthansa-Beschäftigten ihre Kunden nicht leiden.

Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in die neue Woche.

Herzlichst grüßt Sie Ihr

Gabor Steingart
Herausgeber


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