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08.01.2016

19:38 Uhr

Moskau versus Kiew

Propagandaschlacht um „Gasgeschenk“

VonAndré Ballin

From Russia with love: Eigentlich hat Russland im November der Ukraine den Gashahn zugedreht. Doch jetzt erhitzen angebliche Gaslieferungen von Putins Gnaden an einen ukrainischen Grenzort die PR-Strategen beider Seiten.

Angeblich liefert Russland einem kleinen ukrainischen Ort wieder Gas. ap

Gashahn zu oder auf?

Angeblich liefert Russland einem kleinen ukrainischen Ort wieder Gas.

MoskauHat er oder hat er nicht? Kiew und Moskau streiten erbittert darüber, ob Kremlchef Wladimir Putin in einem Akt der Menschlichkeit einer frierenden Kleinstadt im ostukrainischen Gebiet Cherson (befindet sich unter der Kontrolle Kiews) den Gashahn aufgedreht hat oder nicht. Der Streit zeigt, wie angespannt das Verhältnis der slawischen „Bruderstaaten“ zueinander ist – und wie beide Seiten jede Nachricht zu ihren Gunsten auslegen.

Das Bild passt perfekt in die Moskauer Abendnachrichten: Die ganze Ukraine muss wegen ihrer korrupten Führung frieren, weil das Land kein russisches Gas hat. Die ganze Ukraine? Nein, ein kleiner Ort an der Grenze zur Krim bekommt von dort sein Gas, nachdem der Bürgermeister Alexander Tulupow ausgerechnet Putin um Hilfe gebeten hat.

Wladimir Putin über...

... mögliche Militäraktionen in der Ukraine:

„Russland erwägt keinen Anschluss der Krim.“

„Was den Einsatz von Streitkräften angeht: Bisher gibt es eine solche Notwendigkeit nicht.“

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“

„Meine Entscheidung über einen Militäreinsatz in der Ukraine wird völkerrechtlich legitim sein.“

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“

... Sanktionsforderungen

„Drohungen an die Adresse Russlands sind kontraproduktiv und schädlich.“

... den G8-Gipfel in Sotschi:

„Wenn die anderen nicht anreisen wollen, müssen sie das nicht tun.“

... über den Sturz Janukowitschs:

„Janukowitsch bleibt gesetzmäßiger Präsident der Ukraine. Er wurde in einem ungesetzlichen Verfahren seines Amtes enthoben.“

„In der Ukraine hat es einen verfassungswidrigen Umsturz und eine bewaffnete Machtergreifung gegeben.“

„Ich denke, er hat keine politische Zukunft mehr.“

„Janukowitsch ist wohlauf und wird sich noch bei der Beerdigung derjenigen erkälten, die ihm jetzt Böses wünschen.“

(Putin über Medienberichte, der entmachtete ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch sei tot)

... die US-amerikanische Ukraine-Politik:

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass hinter dem großen Teich eine Art Laborant in Amerika sitzt und Experimente macht, wie mit Ratten, ohne die Folgen seines Handelns zu begreifen.“

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Tulupow habe sich wegen des starken Frostes in der Region – die Temperaturen am Asowschen Meer sind zum Jahreswechsel auf Werte um 15 bis minus 20 Grad gefallen – an die russische Führung gewandt. Putin habe daraufhin Anweisung gegeben, die Frage der Gaslieferungen in die ukrainische Ortschaft Henitschesk zu lösen.

Zur Erinnerung: Die russischen Gaslieferungen an die Ukraine wurden Ende November ausgesetzt, weil Kiew keine Vorauszahlungen mehr leistete. Eine Einigung über den Preis für das erste Quartal 2016 steht noch aus. Die ukrainische Führung erklärte unlängst gar, dass das Land ganz ohne russisches Gas auskomme. Doch nun friert es in der Region Cherson gewaltig.

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In der russischen Regierung wurde auf Putins Anweisung operativ reagiert: Vize-Premier Dmitri Kosak erklärte später, das erste Gas sei schon geflossen. Krim-Oberhaupt Sergej Aksjonow bezifferte den Umfang der Lieferungen nach Henitschesk auf 14.000 Kubikmeter. „Bei ihnen ist der Gasdruck im System auf das Doppelte gestiegen, darüber hat mich eben die Führung von Tschernomorneftegas unterrichtet“, sagte er.

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