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29.07.2015

10:39 Uhr

Moskauer Menschenrechtler

Auch Russen unter Opfern in der Ostukraine

Russland bestreitet, dass russische Soldaten im Ukraine-Konflikt an der Seite der Separatisten kämpfen. Moskauer Menschenrechtler schätzen die Zahl der getöteten Russen in der Ostukraine nun jedoch auf etwa 1000.

Der Bürgerrechtler ist Mitglied der Menschenrechtsorganisation Memorial. dpa

Sergej Kriwenko

Der Bürgerrechtler ist Mitglied der Menschenrechtsorganisation Memorial.

MoskauIm Kriegsgebiet Ostukraine sind Schätzungen von Menschenrechtlern in Moskau zufolge bei Kämpfen auch Hunderte Russen getötet worden. „Es sind wohl sogar um die etwa 1000 Tote. Es könnten auch mehr sein“, sagte der Bürgerrechtler Sergej Kriwenko von der Menschenrechtsorganisation Memorial der Deutschen Presse-Agentur in der russischen Hauptstadt. Unter den Toten seien auch viele Soldaten.

Russland weist Vorwürfe der prowestlichen ukrainischen Führung zurück, dass an der Seite der moskautreuen Separatisten im Konfliktgebiet reguläre Truppen im Einsatz seien. Einer aktuellen Umfrage zufolge gehen 26 Prozent der Russen davon aus, dass in der Ukraine auch russische Soldaten kämpfen. Hingegen sagten 52 Prozent, im Kriegsgebiet Donbass befänden sich keine russischen Truppen. Das teilte das Lewada-Zentrum in Moskau mit.

Die Köpfe der russischen Opposition

Alexej Nawalny

Die Galionsfigur der russischen Opposition ist durch den Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft bekanntgeworden. Nawalny nutzte seine Internetseiten im Stile der Enthüllungsplattform Wikileaks zur Aufdeckung von Skandalen. Bei der Bürgermeisterwahl 2013 erhielt der 38-Jährige überraschend mehr als 27 Prozent der Stimmen. Auch auf das Präsidentenamt hat er Ambitionen geäußert. Erst vor kurzem verurteilte ihn ein Moskauer Gericht zu 15 Tagen Arrest, weil er Werbung für eine nicht genehmigte Demonstration verteilt hatte.

Michail Kasjanow

Der frühere russische Ministerpräsident (2000-2004) ist ebenfalls ein entschiedener Gegner von Präsident Wladimir Putin. Ende 2010 gehörte der 57-Jährige zusammen mit Nemzow zu den Gründern der oppositionellen Partei der Volksfreiheit (Parnas), die im Sommer 2012 mit der Republikanischen Partei Russlands zur RPR-Parnas fusionierte.

Sergej Udalzow

Der prominente Regierungskritiker wurde im Juli 2014 wegen Anstiftung zu gewaltsamen Massenprotesten gegen Putin zu viereinhalb Jahren Straflager verurteilt. Der Chef der Linken Front steht unter Hausarrest. Er hat mehrere Großdemonstrationen gegen Putin mitorganisiert.

Sergej Mitrochin

Er ist der Chef der liberalen Oppositionspartei Jabloko. Die prowestliche Kraft hatte bei den Regionalwahlen im September 2014 in Moskau erhebliche Zugewinne, scheiterte aber dennoch.

Garri Kasparow

Der 51 Jahre alte Ex-Schachweltmeister lebt im Ausland. Er befürchtet, wie andere Gegner von Kremlchef Wladimir Putin wegen seiner Teilnahme an Protesten eingesperrt zu werden. Er gilt als treibende Kraft der liberalen Opposition. Sein Internetportal kasparov.ru verbreitet rund um die Uhr kremlkritische Berichte.

Kremlchef Wladimir Putin hatte unlängst die Anzahl der in Friedenszeiten getöteten Soldaten zum Staatsgeheimnis erklärt. Menschenrechtler kritisieren, damit sollten Verluste in der Ukraine verheimlicht werden. Memorial und Organisationen wie die Vereinigung der Soldatenmütter beklagen zudem, dass Familien der Militärangehörigen oft über die Todesumstände im Unklaren gelassen würden. Schätzungen zufolge starben bei dem Konflikt bisher mehr als 6000 Menschen.

Von

dpa

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