Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2016

11:36 Uhr

Mossack Fonseca

Diese Anwälte jonglieren in Panama mit Milliarden

Die Finanzkanzlei Mossack Fonseca hat sich einem Namen als kreativer Anbieter von Steuersparmodellen erworben. Einer der zwei Gründer der Kanzlei in Panama-Stadt ist ein in Deutschland geborener Jurist.

Die Kanzlei Mossack Fonseca  residiert in einem unauffälligen Bürogebäude im Geschäftsdistrikt von Panama-Stadt. AP

Sitz der Finanzkanzlei

Die Kanzlei Mossack Fonseca residiert in einem unauffälligen Bürogebäude im Geschäftsdistrikt von Panama-Stadt.

Panama-StadtDiskretion gehörte für Mossack Fonseca zum Geschäftsmodell. Die Finanzkanzlei residiert in einem unauffälligen Bürogebäude im Geschäftsdistrikt von Panama-Stadt, nichts weist hier auf die illustre Klientel hin, die mithilfe von Mossack Fonseca offenbar Milliardensummen am Fiskus vorbeischleuste.

Gründer und Namensgeber der Kanzlei sind zwei Anwälte: Jürgen Mossack und Ramón Fonseca. Mossack wurde 1948 in Deutschland geboren. Schon in jungen Jahren wanderte er mit seiner Familie nach Panama aus, wo er ein Jura-Diplom erwarb.

Mossacks Vater war nach Informationen des Recherchenetzwerks ICIJ, das die Affäre um die „Panama Papers“ aufdeckte, Nationalsozialist und Angehöriger der Waffen-SS. Lateinamerika war nach 1945 ein beliebter Zufluchtsort für Alt-Nazis. Mossack Senior soll sich später dem US-Auslandsgeheimdienst CIA als Spion angeboten haben, berichtete das ICIJ unter Berufung auf alte Unterlagen der US-Nachrichtendienste.

Mossacks Kanzleipartner Fonseca ist in Panama durchaus eine öffentliche Figur. Er trat in den vergangenen Jahren unter anderem als Berater des panamaischen Präsidenten Juan Carlos Varela in Erscheinung. Fonseca wurde 1952 geboren und studierte in Panama und an der renommierten London School of Economics.

Panama Papers – Datenleck im Steuerparadies: Ermittler durchleuchten Scheinfirmen von Promis

Panama Papers – Datenleck im Steuerparadies

Ermittler durchleuchten Scheinfirmen von Promis

Politiker, Sportler und Prominente sollen ihr Geld in Briefkastenfirmen der Kanzlei Mossack Fonseca versteckt haben. Die Anwälte weisen die Vorwürfe zurück und sehen sich als Opfer. Panamas Regierung will kooperieren.

Die Kanzlei Mossack Fonseca bietet Rechtsberatung unter anderem in den Bereichen Finanzen, geistiges Eigentum und öffentliche Ausschreibungen an. Außerdem setzt die Kanzlei Treuhandfonds und private Stiftungen auf und verwaltet sie. In den Fokus der Ermittler rückt die Kanzlei jedoch wegen einer weiteren Kerntätigkeit: die Gründung und Verwaltung von Offshorefirmen.

Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen über 500 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Die Kanzlei ist demnach in Belize, den Niederlanden, Costa Rica, Großbritannien, Malta, Hong Kong, Zypern, den Britischen Jungfern-Inseln, Bahamas, Panama, Anguilla, Seychellen, Samoa und den US-Bundesstaaten Nevada und Wyoming tätig.

Gegründet wurde die Kanzlei 1977 von Jürgen Mossack. Ramón Fonseca Mora kam 1986 hinzu. In einem Interview erzählte Fonseca einmal, dass er ursprünglich Priester werden wollte. Es kam aber anders.

Aus dem Archiv: Oh, wie schön war Panama

Aus dem Archiv

Premium Oh, wie schön war Panama

Der Deutsche Jürgen Mossack betreibt von Mittelamerika aus ein globales Imperium für Briefkastenfirmen. Doch jetzt schieben Datendiebe seinen umstrittenen Geschäften einen Riegel vor.

Zunächst nutzte die Kanzlei die britischen Jungferninseln als Operationsbasis – eine britische Kolonie in der Karibik, die lange Zeit ein Steuerparadies war. Die Auswertung der Panama Papers ergab nach Angaben des ICIJ, dass mehr als die Hälfte der Briefkastenfirmen von Mossack Fonseca – über 113.000 – auf diesen Inseln gemeldet war. Als die Jungferninseln ihre Steuergesetzgebung verschärften, verlagerte sich der Schwerpunkt nach Panama.

Bei der Suche nach Steuerparadiesen ging die Kanzlei äußerst einfallsreich vor. Eine Zeitlang siedelte sie laut ICIJ zahlreiche Briefkastenfirmen in Niue an, einer mit Neuseeland assoziierten Pazifikinsel. Das Geschäft sei so lukrativ gewesen, dass die Kanzlei im Jahr 2001 rund 80 Prozent zum Jahreshaushalt des halbautonomen Inselstaats beigetragen habe.

Mit der Diskretion, welche die Geschäfte von Mossack Fonseca über Jahrzehnte hinweg umgab, ist es nun vorbei. „Das ist ein Verbrechen“: So kommentierte Ramón Fonseca gegenüber AFP in Panama-Stadt die Veröffentlichung der Unterlagen. „Das ist ein Angriff auf Panama, weil es gewissen Ländern nicht gefällt, dass wir so erfolgreich beim Anwerben von Unternehmen sind.“

Fragen und Antworten zu den Panama Papers

Welchen Umfang hat das Datenleck?

214.488 Offshore-Firmen, 11,5 Millionen Akten und Daten mit einer Masse von 2,6 Terabyte: Die sogenannten Panama Papers haben dubiose Finanzgeschäfte unfassbaren Ausmaßes offengelegt. Aktive und frühere Staatschefs, Prominente, Spitzensportler und Kriminelle sollen Banken, Anwaltskanzleien und Briefkastenfirmen genutzt haben, um ihr Vermögen in der Ferne zu verstecken.

Was sind Offshore-Konten?

Offshore-Bankkonten und Finanzgeschäfte in anderen Ländern können dazu genutzt werden, Regulierungsaufsichten und Steuerverpflichtungen zu umgehen. Unternehmen und Privatpersonen gebrauchen Strohfirmen, die zunächst mit keinen bedeutenden Vermögenswerten oder Tätigkeiten verbunden sind, häufig zum Verschleiern des Besitzes der beteiligten Mittel.

Wo befinden sich die meisten Offshore-Konten?

Panama, die karibischen Kaimaninseln und die Bermudas zählen zu mehr als einem Dutzend kleinen Steueroasen, die darauf spezialisiert sind, die Geschäfte und Investitionen von nicht ansässigen Unternehmen zu regeln.

Wie sieht die Rechtslage aus?

Firmen oder Konzerne können sich nach Angaben der Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche (FATF) in Offshore-Standorten niederlassen, um dort ganz legitim Geschäftsfinanzen sowie Fusionen und Übernahmen abzuwickeln oder Steuerplanungen vorzunehmen.

Wozu dürfen Offshore-Konten nicht verwendet werden?

Strohfirmen und vergleichbare Körperschaften können von Terroristen und anderen Kriminellen missbraucht werden, um die Herkunft von Geld und Besitz zu verschleiern. Nach Angaben des ICIJ enthalten die Akten von Mossack Fonseca Informationen von 214.488 Offshore-Einheiten, die in Verbindung mit 14.153 Kunden in 200 Ländern und Regionen stehen.

Was wird gegen Steueroasen unternommen?

Die Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche und andere Regulierungsbehörden veröffentlichen Gutachten, in denen sie Schwachstellen des Kampfes gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung durch bestimmte Länder und Regionen aufdecken. Weil Anwälten und Bankern in manchen Fällen nicht bewusst ist, dass sie es mit verbotenen Transaktionen zu tun haben, werden Finanz- und Rechtsprofis darin geschult, mögliche Verstöße zu erkennen. Die EU hat ihre Bemühungen hochgefahren, Steuerhinterziehung von multinationalen Konzerne zu verhindern.

Wer war an früheren Offshore-Skandalen beteiligt?

Das vielerorts gesetzlich geschützte Bankgeheimnis sorgt häufig dafür, dass Offshore-Geschäfte im Unklaren bleiben. Die Enthüllung anderer durchgesickerter Dokumente durch das ICIJ und anderer Organisationen brachten Ende 2014 allerdings Steuer-Deals an die Öffentlichkeit, die Luxemburg multinationalen Unternehmen und ultrareichen Einzelpersonen angeboten hat. In den 1980er Jahren war es die von einem pakistanischen Geldgeber gegründete und international tätige Bank of Credit and Commerce International, die in weitreichende Geldwäsche und eine Reihe anderer illegaler Finanzgeschäfte verwickelt war.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Helmut Weinberg

04.04.2016, 11:42 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Mike Schuck

04.04.2016, 12:06 Uhr

Betr. der internen Schachverhalte: So'n Bart! Interessanrt wird es sein, die in naher Zukunft damit zusammenhängenden ökonomischen Politik zu beobachten.

Herr J.-Fr. Pella

04.04.2016, 12:12 Uhr

Es liest sich wie früher "who is who"
Welch illustere Länder und Banken. Scheiz, Monacco. Luxembuurg, England, Frankreich usw.
Genau diese Länder nehmen k e i n e oder nur wenige Flüchtlinge auf.
Was sagt eine alte Volksweise:
Wasser trinken predigen und selbst Sekt saufen.
Pfui Teufel

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×