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18.07.2011

22:13 Uhr

Murdoch-Abhörskandal

Britischer Enthüllungsjournalist tot aufgefunden

Der britischer Journalist, der den Abhörskandal ins Rollen brachte, ist tot aufgefunden worden. Londons Ex-Polizeichef und drei andere Scotland-Yard-Beamte stehen im Spitzelskandal offiziell unter Verdacht.

Ex-Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson (links) und sein Stellvertreter John Yates (rechts) sind beide zurückgetreten. Quelle: AFP

Ex-Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson (links) und sein Stellvertreter John Yates (rechts) sind beide zurückgetreten.

LondonDer britische Journalist, der als erster zum Abhörskandal um die Boulevardzeitung „News of the World“ ausgepackt hat, ist tot. Laut britischen Medienberichten wurde Sean Hoare am Montag tot in seiner Wohnung in Watford aufgefunden.

Laut „Guardian“ war Hoare der erste Reporter, der öffentlich behauptete, dass der damalige „News of the World-“Chefredakteur und Ex-Regierungssprecher Andrew Coulson von den illegalen Abhörmethoden bei der Zeitung gewusst habe. Damals hat Coulson die Vorwürfe abgestritten. Hoare behauptete, Coulson habe ihn persönlich gebeten, Telefone abzuhören.

Hoare, der bei der britischen „Sun“ und bei „News of the World“ mit Coulson zusammenarbeitete, sei wegen Alkohol- und Drogenproblemen gefeuert worden. Die Ermittlungen dauern laut Guardian an. Die Polizei behandele Hoares Tod als ungeklärten aber nicht verdächtigen Todesfall.

Die „New York Times“ berichtet, dass etliche Manager bei News International jahrelang darum bemüht waren, die Methoden von „News of the World“ zu vertuschen.

Die britische Polizei hat nach eigenen Angaben zwei ehemalige Journalisten der in einen Abhörskandal verwickelten Zeitung „News of the World“ beschäftigt. Der Reporter Alex Marunchak sei zwischen 1980 und 2000 als Dolmetscher für Ukrainisch tätig gewesen, teilte Scotland Yard am Montag mit. Er habe dabei auch Zugang zu höchst heiklen Informationen gehabt. Zuvor war bekannt geworden, dass der ehemalige „News of the World“-Mitarbeiter Neil Wallis, der in das Abhören von Mobiltelefonen verstrickt war, als PR-Berater der Londoner Polizei eingestellt war. Polizeichef Paul Stephenson trat deswegen am Sonntag zurück.

Im Abhörskandal um die „News of the World“ sind unterdessen nach Angaben der britischen Polizei-Aufsichtsbehörde Vorwürfe gegen vier ehemalige ranghohe Londoner Beamte erhoben worden. Unter ihnen sind Polizeichef Paul Stephenson und sein Stellvertreter John Yates, die mittlerweile beide zurückgetreten sind, wie die Independent Police Complaints Commission am Montag mitteilte.

Das Murdoch-Drama 2011

Dienstag, 5. Juli

Die britische Tageszeitung Guardian berichtet, dass das Murdoch-Boulevardblatt "News of the World" die Handy-Mailbox des entführten und später ermordeten Mädchens abgehört haben soll und sogar Nachrichten gelöscht haben soll. So wollten die Journalisten Platz für weitere Nachrichten schaffen und an neue Informationen rankommen. Damit sind möglicherweise Beweise gelöscht worden. Zudem entstand bei den Angehörigen der Opfer der Eindruck, das Mädchen sei noch am Leben.

Mittwoch, 6. Juli

Der Guardian veröffentlicht den nächsten Vorwurf gegen "News of the World": Journalisten des Boulevardblatts, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört, sollen auch Handy-Mailboxen von Angehörigen gefallener Soldaten angezapft haben. Zumindest fanden sich persönliche Informationen über die Hinterbliebenen der Soldaten in den Unterlagen eines Privatdetektivs, der für "News of the World" arbeitete.

Donnerstag, 7. Juli

James Murdoch, Sohn des News-Corporation-Chefs Rupert Murdoch und im Konzern für das Europa-Geschäft zuständig, verkündet die Einstellung von "News of the World". Am Wochenende werde die letzte Ausgabe erscheinen, die Anzeigenerlöse würden wohltätigen Organisationen zukommen. "News of the World" war mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung in Großbritannien.

Freitag, 8. Juli

Andy Coulson, ehemaliger Chefredakteur von "News of the World", wird verhaftet und nach neunstündigem Verhör auf Kaution freigelassen. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Revolverblatt. Danach arbeitete er als Kommunikationschef für den britischen Premier David Cameron. Er trat von diesem Posten Anfang 2010 wegen der Abhöraffäre zurück, behauptete aber stets nichts von illegalen Recherchepraktiken gewusst zu haben.

Sonntag, 10. Juli

Die letzte Ausgabe der "News of the World" erscheint. Mit der Zeile "Thank you & Goodbye" verabschiedet sich die 200 Mann starke Redaktionsmannschaft von ihren Lesern. Die Zeitung war vor 168 Jahren gegründet worden.

Montag, 11. Juli

Die Oppositionspartei im britischen Parlament fordert Rupert Murdoch auf, seinen Antrag auf die vollständige Übernahme des britischen Satellitensenders BSkyB zurückzuziehen. Die Regierung schaltet das Kartellamt in der Sache ein. Es soll Murdochs Übernahmepläne prüfen. Genau das hat der Unternehmer zuvor verhindern wollen, indem er der Regierung einen Kompromissvoranschlag machte. Er wollte die BSkyB-Nachrichtensparte Sky News ausgliedern und so eine schnelle Genehmigung der Übernahme durch die Regierung erreichen. Diesen Kompromissvorschlag zog er am Montag (11. Juli) zurück und machte den Weg für ein langwieriges Kartellamtsverfahren frei.

Dienstag, 12. Juli

Murdoch kündigt einen großzügigen Rückkauf von News-Corporation-Aktien an, um den Kursverfall zu stoppen. Ursprünglich wollte er nur 1,8 Milliarden Dollar für die Kurspflege ausgegeben, jetzt erhöht er die Summe auf fünf Milliarden Dollar. Unterdessen erhöht auch die britische Regierung den Druck auf den Unternehmer und kündigt an: Man werde sich in einer Parlamentsabstimmung am Mittwoch dem Antrag der Opposition anschließen und so Murdoch nahebringen, seine BSkyB-Pläne aufzugeben.

Mittwoch, 13. Juli

Murdoch zieht seinen Antrag auf die Komplettübernahme von BSkyB zurück und kommt der Abstimmung im Parlament zuvor.

Für Mittwoch, 13. Juli

Das britische Parlament hat Murdoch und seinen Sohn James vorgeladen, um am Dienstag über den Abhörskandal bei News of the World vor einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Die beiden Murdochs haben ihr Kommen zugesagt. Zuvor hatten sie sich geweigert, auf freiwilliger Basis vor dem Ausschuss zu reden.

Donnerstag, 14. Juli

Das FBI nimmt Ermittlungen gegen News Corporation auf. Der Verdacht: Journalisten der News-Corporation-Zeitung "News of the World" sollen auch die Handy-Mailboxen von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben.

Freitag, 15. Juli

Die Murdoch-Spitzenmanagerin Rebekah Brooks tritt zurück. Brooks war zuletzt Chefin der britischen News-Corporation-Zeitungssparte News International. Sie war Chefredakteurin von "News of the World", als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm.

Freitag, 15. Juli

Nicht nur Rebekah Brooks, sondern auch der Murdoch-Spitzenmanager Les Hinton hat seinen Rücktritt erklärt. Hinton war News-Corp-Europachef, als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm. Zuletzt war er Chef des Dow-Jones-Verlages, der auch zu News Corp. gehört.

Samstag, 16. Juli

Aus offiziellen Unterlagen geht hervor, dass Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr häufig mit führenden Vertretern der Medien zusammentraf, davon mehr als 20 Mal mit Beschäftigten Murdochs. Es sei in einem demokratischen Land nicht überraschend, dass es Kontakte zwischen der Führung und ranghohen Medienvertretern gebe, sagte Außenminister William Hague. Rupert Murdoch selbst hat sich in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für den Abhörskandal bei seinem Boulevardblatt „News of the World“ entschuldigt. „We are Sorry“ („Es tut uns leid“) lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war.

Sonntag, 17. Juli

Die Polizei nimmt Rebekah Brooks wegen Korruptionsverdachts fest. Sie gilt als enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch und war bis 2003 Chefredakteurin der eingestellten Skandalzeitung „News of the World“. Brooks hatte sich vor der Affäre vor allem durch ihre exzellenten Kontakte in die Politik ausgezeichnet. Sie konnte zwölf Stunden später wieder gehen.

Sonntag, 17. Juli

Nach Brooks Festnahme hatte Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson am Abend überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war in die Kritik geraten, weil er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen.

Montag, 18. Juli

Die Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Yates äußerte sein Bedauern, erklärte aber zugleich, er habe sich in dem Skandal vollkommen integer verhalten. Der Polizei-Vize hatte 2009 entschieden, die Ermittlungen zu den Abhör-Vorwürfen gegen die „News of the World“ nicht wieder aufzunehmen.

Die britische Abhöraffäre wird unterdessen immer mehr zur politischen Schlacht: Während immer mehr Schlüsselfiguren im Abhör- und Korruptionsskandal um das Medienimperium von Rupert Murdoch ihren Hut nehmen müssen, wächst der Druck auf Großbritanniens Premierminister David Cameron. Die Opposition warf dem Regierungschef vor, ein zu enges Verhältnis zu Murdoch und den Führungsfiguren seines Medienimperiums gepflegt zu haben.  

Kommentare (8)

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aloha

18.07.2011, 21:20 Uhr

das kann niemanden beruhigen.

im gegenteil: es sollte beunruhigen.

high-society

18.07.2011, 21:31 Uhr

Keine Info über die Todesumstände.

Vermutlich sollen die Menschen daran gewöhnt werden, dass es vollkommen normal ist tot aufgefunden zu werden.

Es ist vollkommen normal, darüber hinwegzuschwafeln.

aruba

18.07.2011, 21:40 Uhr

Guten Tag,... Ok Monsieur aloha;...Sie haben Recht. Besten Dank

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