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29.11.2012

20:46 Uhr

Murdoch-Skandal

Richter fordert Medienaufsicht für britische Presse

Vor gut einem Jahr erschütterte der Abhörskandal der Boulevardzeitungen "News of the World" Großbritannien. Nun hat eine Untersuchungskommission ihren Bericht vorgelegt. Das Fazit ist drastisch.

Ein Demonstrant mit einer Maske des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch. AFP

Ein Demonstrant mit einer Maske des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch.

LondonDie Kommission zur Aufklärung der Abhöraffäre um die britische Boulevardzeitung "News of the World" hat in ihrem lange erwarteten Bericht gefordert, skrupelloses Verhalten der Presse durch eine neue Gesetzgebung zu unterbinden. "Es ist zu oft vorgekommen, dass Teile der Presse bei der Jagd nach einer Story sich so verhalten haben, als ob ihr eigener Verhaltenskodex einfach nicht existiere", erklärte Richter Brian Leveson, der der sechsköpfigen Kommission vorsteht, am Donnerstag in London. Daher sei ein Gesetz zur Einrichtung eines unabhängigen Selbstregulierungsorgans notwendig.

Leveson warf einigen britischen Pressevertretern vor, dass sie mit ihrem Vorgehen nicht nur für Prominente, sondern auch für normale Bürger tragische Ereignisse "viel, viel schlimmer gemacht" hätten. Dieses Verhalten könne nur "abscheulich" genannt werden. Der Kommissionsvorsitzende warf zudem Politikern vor, den Medien "zu nahe" gestanden zu haben.

Die Kommission unter der Leitung von Leveson war im Juli 2011 vom konservativen Premierminister David Cameron eingesetzt worden, nachdem bekannt geworden war, dass Journalisten des Boulevardblatts "News of the World" jahrelang Handymailboxen von Prominenten, Angehörigen getöteter Soldaten und Kriminalitätsopfern abgehört hatten. Acht Monate lang befragte die Untersuchungskommission Opfer des Abhörskandals, darunter Schauspieler und andere Prominente, aber auch Politiker, Ermittler und Medienvertreter.

Der Medienmogul Rupert Murdoch hatte sich gezwungen gesehen, wegen des Abhörskandals die seit 168 Jahren bestehende Zeitung "News of the World" dichtzumachen. Bislang reguliert die britische Presse sich selbst über die Presse-Beschwerdekommission, die sich aus Medienvertretern zusammensetzt und von Kritikern als zahnloser Tiger bezeichnet wird.

Cameron und sein Stellvertreter, der Liberaldemokrat Nick Clegg, wollen sich noch am Donnerstag zu dem Bericht äußern. Dass die beiden Politiker getrennt voneinander Statements abgeben, macht deutlich, dass die Regierungskoalition hinsichtlich des künftigen Umgangs mit der Presse gespalten ist. Das britische Parlament will am Montag über Schlussfolgerungen aus dem Leveson-Bericht debattieren.


Von

afp

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