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23.11.2015

17:42 Uhr

Mutmaßlicher Mordversuch

Oppositionschef Demirtas überlebt Anschlag

Das Auto des türkischen Oppositionschefs Selahattin Demirtas ist auf Kopfhöhe getroffen worden, wohl von einem Einschuss. Der Chef der Oppositionspartei HDP geht von einem Mordversuch aus und hat Strafanzeige gestellt.

Der Co-Vorsitzende der pro-kurdischen Partei Halklarin Demokratik Partisi (HDP), Selahattin Demirtas, hat einen mutmaßlichen Mordanschlag überlebt. dpa

Selahattin Demirtas

Der Co-Vorsitzende der pro-kurdischen Partei Halklarin Demokratik Partisi (HDP), Selahattin Demirtas, hat einen mutmaßlichen Mordanschlag überlebt.

IstanbulDer Co-Chef der pro-kurdischen türkischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, hat einen mutmaßlichen Mordanschlag im südosttürkischen Diyarbakir unverletzt überstanden. Die Heckscheibe seines gepanzerten Fahrzeugs sei am Sonntagabend auf Kopfhöhe getroffen worden, sagte ein HDP-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Die Leibwächter von Demirtas hätten den mutmaßlichen Einschuss später entdeckt. Die HDP geht von einem Anschlag aus.

Der Gouverneur von Diyarbakir erklärte am Montag, Untersuchungen hätten ergeben, dass die Heckscheibe nicht von einer Kugel, sondern von einem „harten Objekt“ getroffen worden sei. Es handele sich nicht um ein Attentat. Demirtas bezeichnete die Erklärung des Gouverneurs als „unseriös“. Er stellte Strafanzeige gegen unbekannt wegen versuchten Mordes und forderte in dem Rahmen umfangreiche Ermittlungen.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

Oktober 2016

Am 6. Oktober begeht die TAK einen Bombenanschlag in Istanbul. Auch die PKK attackiert türkische Polizisten in Hakkari. Am 14. Oktober kommt es zu einem Raketenangriff auf die Touristenprovinz Antalya. Der letzte Anschlag ist bisher ungeklärt.

September 2016

Auch im folgenden Monat schlägt die PKK mehrmals zu: mit einer Autobombe in der türkischen Stadt Van sowie mehreren weiteren Bombenanschlägen in der Südosttürkei sowie in Mardin.

August 2016

Am 17. August begeht die kurdische Terrororganisation PKK einen Anschlag auf ein Polizeihauptquartier in Elazig. Wenige Tage später kommt es zu einer Attacke ebenfalls auf eine Polizeistation in Cizre, für die auch die PKK verantwortlich gemacht wird.

Februar 2016

Die kurdisch-sozialistische Terrororganisation TAK (deutsch: Freiheitsfalken Kurdistans) begeht einen Bombenanschlag auf ein Militärfahrzeug in Ankara. In den folgenden Monaten tritt die Gruppe mehrfach in Erscheinung: Sowohl im März als auch im Juni und Oktober 2016 legen die Terroristen erneut Bomben in Istanbul, Ankara und Midyat.

Oktober 2015

Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Quelle: dpa

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Die HDP hatte bei der Parlamentswahl im November die Zehn-Prozent-Hürde überwunden und war ins türkische Parlament eingezogen. Während des Wahlkampfs waren HDP-Gebäude immer wieder Ziel von Anschlägen. Es gab damals nach Angaben der HDP auch Morddrohungen gegen Demirtas. Wegen einer vor kurzem überstandenen Operation nimmt Demirtas zurzeit nicht an den Sitzungen des Parlaments in Ankara teil.

Von

dpa

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