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30.12.2015

13:31 Uhr

Mysteriöser Todesfall in Nordkorea

Enger Berater von Kim Jong Un stirbt bei Unfall

Kim Yang Gon galt als enger Vertrauter von Nordkoreas Machthaber. Der 73-Jährige war für die Beziehungen mit Südkorea verantwortlich. Ob er wirklich wegen eines Verkehrsunfalls ums Leben kam, wird bezweifelt.

Der Top-Funktionär Kim Yang Gon (m.) ist staatlichen Medien zufolge bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. ap

Fragwürdige Todesmeldung aus Nordkorea

Der Top-Funktionär Kim Yang Gon (m.) ist staatlichen Medien zufolge bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Pjöngjang, SeoulEin für die Beziehungen zu Südkorea verantwortlicher Top-Funktionär in Nordkorea ist staatlichen Medien zufolge bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Kim Yang Gon sei am Dienstagmorgen gestorben, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Er wurde demnach 73 Jahre alt. Für Donnerstag sei ein Staatsbegräbnis geplant.

Kim Yang Gon galt als enger Vertrauter von Machthaber Kim Jong Un. In der KCNA-Meldung vom Mittwoch wurde Kim Yang Gon als „standhafter Revolutionsgenosse“ bezeichnet, der sich um eine Vereinigung mit Südkorea bemüht habe. Nach Einschätzung von Experten in Seoul bleiben die Beziehungen zum Norden nach dem unerwarteten Tod des Beamten weiter gespannt.

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Seit Jahren leiden Nordkoreaner unter Nahrungsknappheit und Wirtschaftsmisere. Doch es gibt Anzeichen für einen Wandel. In einigen Projekten können die Menschen als Nebenerwerbsbauern dazuverdienen.

Gespräche über weitere Schritte zur Entspannung des Verhältnisses zwischen Nord- und Südkorea waren Mitte Dezember ohne Einigung beendet worden. Die Unterredungen waren Teil eines bilateralen Abkommens vom August zur Verbesserung der Beziehungen.

Zwar gelten die Straßenverhältnisse in Nordkorea als schlecht. Doch befeuerte der Mangel an Details zum Fall Kim Yang Gon Spekulationen in südkoreanischen Medien, sein Tod könnte auf andere Weise verursacht worden sein. In den vergangenen Jahren hatten Berichte über tödliche Verkehrsunfälle von hochrangigen nordkoreanischen Beamten zu ähnlichen Mutmaßungen geführt.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

So hatte die Nachrichtenagentur KCNA im Jahr 2010 berichtet, ein Vizedirektor des Zentralkomitees der Arbeiterpartei sei im Alter von 80 Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben. Ri Je Gang soll sich mit einem mächtigen Onkel von Kim Jong Un gestritten haben, der 2013 von seinem Neffen wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet wird.
Vor dem Tod des gestern verstorbenen Top-Funktionärs gab es freilich keine Anzeichen dafür, dass Kim Yang Gon in größere Streitigkeiten mit anderen Funktionären involviert war. Freilich wird über Nordkorea auch spekuliert, dass sich die Beamten nach Partys alkoholisiert hinters Steuer setzen.

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