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04.09.2013

14:32 Uhr

Nach 111 Tagen

73-Jähriger befreit sich aus syrischer Gefangenschaft

Auch der letzte der drei verschleppten „Grünhelme“ ist frei. Die Helfer waren vor drei Monaten aus einem Haus im syrischen Ort Harem verschleppt worden. Der 73-Jährige konnte sich offenbar selbst befreien.

Mitglieder der Freien Syrischen Armee in Harem. Hier wollten die Helfer eine Klinik aufbauen. Reuters

Mitglieder der Freien Syrischen Armee in Harem. Hier wollten die Helfer eine Klinik aufbauen.

BerlinNach 111 Tagen in syrischer Gefangenschaft ist nun auch der letzte von drei verschleppten Mitarbeitern der privaten deutschen Hilfsorganisation Grünhelme wieder frei. Der 72 Jahre alte Ingenieur konnte nach Angaben von Grünhelme-Gründer Rupert Neudeck ohne Hilfe von Außen flüchten. Das Auswärtige Amt bestätigte die Freilassung, ohne jedoch Details zu nennen. Die drei Männer, die in Syrien Opfern des Bürgerkriegs helfen wollten, waren vor drei Monaten von Islamisten verschleppt worden.

Nach Angaben der Grünhelme-Organisation gelang es dem Ingenieur, am Ort seiner Gefangenschaft in den Bergen eine Aluminiumtür aufzustemmen, während seine Bewacher schliefen. Nach einem längeren Fußmarsch sei er dann mit Hilfe von Rebellen in die Türkei gelangt. „Wir sind überglücklich“, sagte Neudeck dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Der Alptraum habe nun ein Ende. Lösegeld sei nicht gezahlt worden. Dem Mann gehe es, gemessen an den Strapazen, gut.

Was in Syrien bisher geschah

20. August 2012

US-Präsident Barack Obama droht mit Konsequenzen, sollte das Assad-Regime die „rote Linie“ überschreiten und Chemiewaffen einsetzen.

8. April 2013

Syrien will ein UN-Team nicht einreisen lassen, das überall überprüfen soll, ob Chemiewaffen zum Einsatz kamen. Damaskus will nur eine Prüfung an einem konkreten Ort zulassen.


25. April

US-Geheimdienste haben angeblich Hinweise auf einen Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime. Es gebe aber noch keine eindeutigen Beweise, sagt US-Außenminister John Kerry.

6. Mai

Das Mitglied der UN-Kommission zu Kriegsverbrechen in Syrien Carla del Ponte erklärt: „Soweit wir das feststellen konnten, haben bisher nur die Widersacher des Regimes das Gas Sarin eingesetzt.“ Die UN-Syrienkommission schwächt das später ab: Es gebe keine Beweise.

4. Juni

Nach Angaben der Kommission wurden in Syrien bisher wahrscheinlich viermal Chemiewaffen eingesetzt. Die meisten Hinweise darauf beträfen die Regierungsseite. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass auch Rebellen Chemiewaffen hätten. Die US-Regierung erklärt, man brauche weitere Beweise, wer für den wahrscheinlichen Gebrauch von Chemiewaffen verantwortlich sei.

5. Juni

Der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon berufene schwedische Chemiewaffenexperte Åke Sellström erklärt, die Aussagekraft der ihm vorgelegten Informationen zu Chemiewaffen in Syrien reiche für eine eindeutige Beurteilung nicht aus. Diese sei nur nach Prüfung vor Ort möglich. Syriens Regierung lässt UN-Inspektoren aber nicht zu.

14. Juni

Die US-Regierung erklärt, keinen Zweifel mehr am Einsatz chemischer Waffen in Syrien zu haben. Der Geheimdienst gehe davon aus, dass das Assad-Regime die Kampfstoffe eingesetzt habe, erklärt der Vize-Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Ben Rhodes.

15. Juli

Während einer Militäroffensive wollen Regierungstruppen bei Damaskus eine Chemiewaffenanlage der Rebellen entdeckt haben. Die Opposition weist die Anschuldigungen scharf zurück.

24. Juli

Die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane und der Giftgasexperte Åke Sellström treffen in Damaskus ein. Sie führen Vorgespräche mit Regierungsmitgliedern über die künftige Arbeit einer UN-Expertengruppe für Chemiewaffen. Damaskus hatte nach langem Widerstand den Inspektionen zugestimmt


19. August

Die UN-Experten nehmen ihre Arbeit in Syrien auf. Das Team soll drei Orte untersuchen, an denen angeblich Chemiewaffen eingesetzt worden sind. Die Opposition behauptet, das Assad-Regime habe in über zehn Fällen Giftgas verwendet. Die Regierung bezichtigt dagegen weiterhin die Rebellen, sie hätten Chemiewaffen eingesetzt.

Der syrischstämmige Ingenieur und zwei deutsche Kollegen waren nach Aussagen Neudecks nachts aus einem Haus im Ort Harem verschleppt worden, wo sie eine Klinik aufbauen wollten. Den beiden Deutschen war bereits Anfang Juli die Flucht gelungen. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zufolge wurden für den Mann 25 Millionen Euro Lösegeld gefordert.

Von

dpa

Kommentare (1)

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04.09.2013, 14:51 Uhr

Gratuliere herzlich!

Den Islamisten scheint langsam die Lust an ihrem schändlichen Tun zu vergehen.

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