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09.04.2013

14:00 Uhr

Nach 45 Jahren

Die Deflation kehrt nach Griechenland zurück

Sinkende Preise in Griechenland: Zuletzt herrschte in dem Euro-Krisenstaat 1968 die Deflation. Nun ist sie zurück. Experten sehen diese Entwicklung für den Rest des Jahres anhalten. Doch das gilt als gefährlich.

Zwiebelsäcke auf einem Markt in Thessaloniki: In Griechenland sinken die Preise dapd

Zwiebelsäcke auf einem Markt in Thessaloniki: In Griechenland sinken die Preise

AthenIm Strudel der tiefen Rezession kehrt erstmals seit 1968 die Deflation nach Griechenland zurück. Die Preise für Waren und Dienstleistungen lagen im März durchschnittlich um 0,2 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das nationale Statistikamt Elstat am Dienstag mitteilte. "Die Deflationsentwicklung dürfte für den Rest des Jahres anhalten und die äußerst schwachen verfügbaren Einkommen etwas stützen", sagte Ökonom Platon Monokroussos von der Eurobank.

Eine Abwärtsspirale mit sinkenden Preisen auf breiter Front gilt allerdings als gefährlich. Denn die Verbraucher setzen darauf, dass die Waren immer günstiger werden und halten sich mit ihren Ausgaben zurück. Die Firmen bleiben auf ihren Produkten sitzen und müssen letztlich Mitarbeiter entlassen, was den Konsum weiter drückt. Japan etwa kommt seit fast zwei Jahrzehnten nicht aus der Deflation heraus. Deshalb will die japanische Notenbank nun mit einer Geldflut gegensteuern.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Griechenland hängt seit 2010 am Finanztropf seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Mittelmeerstaat steckt tief in der Schuldenkrise und durchlebt das sechste Rezessionsjahr in Folge. Die griechische Wirtschaft tut sich schwer wieder auf die Beine zu kommen - nicht zuletzt der heftige Sparkurs bremst die Konjunktur kurzfristig. Dies zeigen die Daten zur Industrieproduktion, die im Februar binnen Jahresfrist um 3,9 Prozent einbrach. Bereits im Januar hatte es ein Minus von 4,2 Prozent gegeben.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.04.2013, 14:47 Uhr

Sagen wir es einmal so: Deflation in Griechenland ist nur ein Vorgeschmack. Nun, die Deflation wird sich durch alle Länder fressen, die intern abwerten müssen. Ergebnis: Die höchsten Realzinsen aller Zeiten! Und das bedeutet Investitionen werden so teuer wie noch nie. Die ganze Wirkungskette auf www.fortunanetz.de von heute.



Account gelöscht!

10.04.2013, 18:21 Uhr

„Denn die Verbraucher setzen darauf, dass die Waren immer günstiger werden und halten sich mit ihren Ausgaben zurück.“

Das wäre so, wenn das verfügbare Einkommen hoch genug wäre. Aber das ist es nicht. Es reicht bei vielen nur noch für das Nötigste. Viele Menschen haben seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen. Andere haben noch Erspartes auf ihren Konten – von den ganz Reichen, die über den Löwenanteil der Sparvermögen verfügen, reden wir hier gar nicht.
Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie einkaufen müssen, um leben zu können. Und da ist es mehr als wünschenswert, dass man Zwiebeln (Ihr Foto) zumindest am Strassenrand nun für 30 Cent bekommt – sofern man gleich den ganzen Sack mit 10 kg nimmt.
In den Supermärkten ist von dem angeblichen Preisverfall übrigens kaum etwas zu spüren. Da bekommen Sie für 30 Cent kein kg Zwiebeln – ein halbes vielleicht.

Und gemessen an den (zurecht) erwünschten niedrigeren Löhnen MÜSSEN die Preise auch sinken, sonst bewegt sich ja nichts.
Die preiswerten Zwiebeln KÖNNTEN z.B. ein Hinweis auf eine gestiegene Wettbewerbsfähigkeit sein. Leider kann das Land nicht allein am Zwiebelexport gesunden…
Ende Teil 1

Account gelöscht!

10.04.2013, 18:22 Uhr

Teil 2
Außerdem fehlt mir im Artikel bzw. in der Recherche auch der Hinweis darauf, dass die Preise besonders für Lebensmittel in GR ohnehin sehr viel höher sind als z.B. in Deutschland. Ein ganz normales Toastbrot kostet etwa 1,50 €, eine Packung Butter bei Lidl Griechenland 2,50 €, im griechischen Supermarkt um die 3,- €.
Wenn man also möchte, dass niedrigere Löhne gezahlt werden, dass das Investitionsklima verbessert wird usw. usw., dann muss man im Gegenzug natürlich auch akzeptieren, dass die Preise wenigstens für inländische Produkte fallen.
WAS soll bitte daran gefährlich sein?

Von den größeren Ausgaben, deren Aufschieben auf noch preiswertere Zeiten man offenbar ausgeht, können die Leute doch nur träumen. Hier gehen Tag für Tag kleine Betriebe kaputt, weil die Leute ihre Rechnungen nicht bezahlen können – der Handwerker erhält sein Geld für den Kücheneinbau nicht, der Automechaniker nicht das Geld für die Reparatur. Reifenwechsel und Inspektionen sind purer Luxus geworden. GR befindet sich nur noch 1 Schritt vor der Tauschwirtschaft, Geld als Äquivalent ist rar und teuer geworden.
Ihre befürchtete Deflation ist einfach Quatsch.

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