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24.11.2011

16:08 Uhr

Nach Abwertung durch Fitch

Portugal wehrt sich gegen „internationale Finanzanarchie“

Die Gewerkschaften lehnen sich mit einem Generalstreik gegen den harten Sparkurs der Regierung auf. Der Ratingagentur Fitch geht die Sanierung des Landes dagegen nicht weit genug - und stuft Portugal als „Ramsch“ ein.

Gewerkschaftler beim Generalstreik in Porto. dapd

Gewerkschaftler beim Generalstreik in Porto.

MadridDie Signale konnten kaum gegensätzlicher sein. Während die beiden großen portugiesischen Gewerkschaften zum Generalstreik und für den Nachmittag zu Massendemonstrationen gegen die Sparpolitik der Regierung aufrufen, schickt die Ratingagentur Fitch eine unmissverständliche Warnung an das iberische Krisenland: Fitch stufte Portugals Bonität von BBB- auf BB+ und damit auf Ramsch-Status herab.

Angesichts der schlechten Wirtschaftsaussichten und hohen Verschuldung aller Sektoren sei ein Investment-Grade Rating nicht mehr gerechtfertigt, hieß es zur Begründung von Fitch. Ebenso wie die EU-Kommission erwartet die Ratingagentur für das nächste Jahr eine Schrumpfung der portugiesischen Wirtschaft um nicht weniger als drei Prozent – das ist schlimmer als noch bei der Verabschiedung des 78 Milliarden Euro schweren Rettungspakets im Frühjahr angenommen.

Daher bestünde ein großes Risiko, dass Portugals Regierung ihr Defizit nicht wie vereinbart bis 2013 auf drei Prozent des BIP senken könne. Immerhin sei der Haushalt 2012 gut und realistisch, lobte Fitch.

Genau dieser Haushalt erzürnt jedoch die Gemüter der portugiesischen Linken derzeit besonders. Denn das Budgetgesetz, welches gerade im Parlament debattiert wird und die Neuverschuldung nächstes Jahr auf 4,5 Prozent senken soll, sieht neue Zumutungen wie die Abschaffung der Weihnachts- und Sommerzuschläge für Beamten und Rentner, die Erhöhung des Arbeitstages um eine halbe Stunde sowie die mögliche Eliminierung von vier Feiertagen vor.

Die Maßnahmen seien nötig im Krieg gegen „die Tyrannei“, der Schulden, erklärte Finanzminister Vítor Gaspar. „Nie mehr dürfen wir uns von den Verlockungen der Verschuldung verleiten lassen“, warnte in der gleichen Parlamentsdebatte Premier Pedro Passos Coelho.

Kommentare (18)

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SabineM

24.11.2011, 16:22 Uhr

"Tyrannei", "Finanzanarchie"
Lächerlich, das kindische Benehmen der Politiker. Und das gilt nicht nur für portugiesische Politiker. Wie trotzige Kinder, denen man die Kreditkarte von Daddy weggenommen hat.

Account gelöscht!

24.11.2011, 16:58 Uhr

Die Menschen wollen den Euro halt nicht. Da liegt das Problem und nicht nur in Portugal. Es sollte endlich Schluss sein mit dieser Zwangsbeglueckung, welche nur fuer gewisse Gruppen einen hervorragenden Profit brachte. Leider war der nur auf Pump aufgebaut und jetzt steht die Zeche an.

Griechenland, Italien, Portugal, Spanien - wie viele Beispiele brauchen wir noch, dass der Euro nicht funktioniert???

Mischael

24.11.2011, 17:30 Uhr

@ Stubi, red doch bitte nicht von den Menschen sondern von dir, im Singular. Ich vertrete meine eigene Meinung und ich will den Euro bzw. halte ihn für sinnvoll!

Kein Mensch kann sagen wo wir heute mit der D-Mark stehen würden. Früher gabs die Reichsmark, dann die D-Mark, heute den Euro, morgen vielleicht den "Worldo", so ist halt die Entwicklung, manch einer könnte es auch Evolution nennen! Und wer setzt sich in der Evolution durch? Nicht der stärkere, sondern der sich am besten auf Veränderung anpassende! ;-)

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