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12.09.2011

18:54 Uhr

Nach AKW-Zwischenfall

Keine Freisetzung von Radioaktivität gemessen

Im Atomkraftwerk Marcoule bei Avignon hat eine Explosion einen Mensch getötet und vier weitere verletzt. Radioaktivität soll keine ausgetreten sein, doch das Atomland Frankreich reagiert ungewohnt panisch.

Explosion in Atomanlage

Video: Explosion in Atomanlage

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ParisBei der Explosion eines Verbrennungsofens für Atommüll in Südfrankreich ist am Montag ein Mensch ums Leben gekommen. Vier weitere seien verletzt worden, berichtete die Atomaufsicht ASN. Es handelt sich bei den Verletzungen überwiegend um schwere Verbrennungen. Bei dem Unfall in der Nähe der Atomanlage Marcoule etwa 30 Kilometer nördlich von Avignon sei keine Radioaktivität ausgetreten, betonte eine Sprecherin der Atomenergiekommission CEA. „Der interne Notfallplan ist in Kraft getreten, alles ist unter Kontrolle“, sagte sie. Ursache und Sicherheitsstufe des Unfalls war zunächst nicht bekannt. Auch die ASN und die örtliche Polizei bestätigten, dass keine Radioaktivität ausgetreten sei.

Die Explosion habe sich in einem Verbrennungsofen für schwach radioaktive Abfälle ereignet. Er befindet sich nahe der Atomanlage Marcoule und wird von dort aus verwaltet. Zu den schwach radioaktiven Abfällen zählen unter anderem Kleidung von Arbeitern sowie Metalle und Beton. Die Anlage wird von einer Tochter des französischen Energiekonzerns EdF betrieben. Sie wurde nach Angaben des Innenministeriums nicht evakuiert.

Die Nuklearanlage Marcoule umfasst mehrere kleinere Reaktoren, die allesamt stillgelegt sind. Das letzte Kraftwerk, ein sogenannter Schneller Brüter, stellte 2010 den Betrieb ein. Im vergangenen März hatte es einen Zwischenfall in Marcoule gegeben, den die Atomaufsicht nachträglich auf Stufe zwei eingestuft hatte.

Die französische Atomanlage Marcoule

Nuklearanlage steht nahe Avignon

Die Nuklearanlage Marcoule nahe Avignon in der südfranzösischen Region Languedoc-Roussillon besteht aus mehreren stillgelegten kleineren Reaktoren.

Meiler bis 1984 in Betrieb

Die vom Commissariat à l'Énergie Atomique (CEA) betriebenen Meiler G-2 und G-3 mit einer Bruttoleistung von jeweils 43 Megawatt folgten 1959 und 1960. Sie wurden 1980 beziehungsweise 1984 wieder vom Netz genommen.

Zwischenfälle im Forschungsreaktor

Auf dem Gelände Marcoule nahm 1973 auch der Forschungsreaktor Phénix den Betrieb auf. Der lediglich zu Testzwecken genutzte Prototyp des pannenanfälligen Schnellen Brüters Superphénix, der 1998 endgültig abgeschaltet wurde, wurde nach mehreren kleineren Zwischenfällen 2010 selbst auf Dauer vom Netz genommen.

Zunächst war nicht sicher, ob die Anlage dicht gehalten hatte. Es bestehe die Gefahr, dass aus der Anlage in der Nähe von Avignon im Rhônetal Radioaktivität austrete, teilten die örtlichen Behörden und die Feuerwehr unmittelbar nach der Explosion mit. Am Nachmittag dann die Entwarnung: Es sei außerhalb der Anlage bisher keine Freisetzung von Radioaktivität gemessen worden, sagte der Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), Sven Dokter, der dpa unter Verweis auf Angaben der französischen Kollegen. Dokter betonte unter Verweis auf Informationen des Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN), dass auch nicht mehr damit gerechnet werde, dass noch Radioaktivität austreten könnte. „Das Gebäude, in dem sich dieser Ofen befindet, ist intakt.“

Der französische Leitindex Cac40 weitete seine Verluste nach Bekanntwerden der Explosion aus. Die Aktien des französischen Energiekonzerns EDF, dem die Atomanlage Marcoule gehört, rutschten um sieben Prozent ab. Der Dax markierte mit Minus vier Prozent ein neues Zwei-Jahres-Tief.

Vor einem halben Jahr war in Japan nach einem Erdbeben und Tsunami das Atomkraftwerk in Fukushima havariert. Dabei waren große Mengen an Radioaktivität ausgetreten. Frankreich ist mit 58 Reaktoren der größte Atomstromproduzent Europas. Zwar hält die Regierung auch nach dem Unglück von Fukushima an der Atomkraft fest, doch die Reaktionen auf den Zwischenfall in Marcoule machen deutlich, dass sich auch im Atomland Frankreich die Zeiten verändert haben.

Kommentare (23)

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Paradox

12.09.2011, 13:57 Uhr

Gut, dass französische AKW soooooo sicher sind!

mawi

12.09.2011, 14:20 Uhr

Aber bei uns ist Atomkraft SICHER! ^^

Pendler

12.09.2011, 14:24 Uhr

hmmm, mit anderen Worten:

"bald explodieren die französischen Banken"?

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