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25.12.2014

14:56 Uhr

Nach angeblichem Flugzeug-Abschuss

Vater des abgestürzten Piloten bittet IS um Gnade

Die IS-Terrormiliz hat einen jordanischen Kampfjet-Piloten gefangen genommen, angeblich nach dem Abschuss einer F-16-Maschine. Die US-Streitkräfte bestreiten das. Nun hat sich der Vater des Gefangenen zu Wort gemeldet.

Foto des jordanischen Kampfjet-Piloten, der vom IS als Geisel genommen wurde. dpa

Foto des jordanischen Kampfjet-Piloten, der vom IS als Geisel genommen wurde.

AmmanDer Vater des von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefangen genommenen jordanischen Kampfjet-Piloten hat die Extremisten gebeten, seinen Sohn gut zu behandeln. Safi Jussef al-Kaseasbeh erinnerte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Amman die IS-Verantwortlichen daran, dass sein Sohn Muslim wie sie seien. Er appellierte an sie, seinen Sohn frei zu lassen. Seit der Gefangennahme des Piloten am Mittwoch ist nichts mehr über dessen Schicksal bekanntgeworden.

Der IS hat angegeben, die jordanische F-16 bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition abgeschossen und den Piloten gefangen genommen zu haben, der sich nach Angaben der Koalition mit dem Schleudersitz aus dem abstürzenden Kampfjet rettete. Fotos schienen die Gefangennahme zu belegen.

Die US-Streitkräfte widersprachen den IS-Angaben, die jordanische F-16 sei abgeschossen worden. „Die Beweise deuten eindeutig darauf hin, dass ISIL das Flugzeug nicht abgeschossen hat, wie die Terrororganisation behauptet“, hieß es in einer Erklärung des US-Zentralkommandos vom Mittwoch.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Unter anderem hatten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und eine vom IS geduldete Gruppe namens Rakka Media Center von dem Abschuss durch die Extremisten berichtet. Das jordanische Militär hatte zunächst nur erklärt, die Maschine sei abgestürzt, ohne einen Grund zu nennen.

Der operative Leiter des Einsatzes gegen den IS, Lloyd J. Austin, verurteilte die Gefangennahme des Jordaniers. „Wir werden Bemühungen für seine sichere Rettung unterstützen und werden die Versuche von ISIL nicht zulassen, diesen unglücklichen Flugzeugabsturz für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen.“ ISIL ist eines der üblichen Akronyme für den Islamischen Staat.

Von

ap

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