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25.08.2015

18:54 Uhr

Nach Angriff im Thalys

Hollande warnt vor neuen Anschlägen

Nach dem vereitelten Anschlag auf die Passagiere eines Schnellzuges warnt Frankreichs Präsident François Hollande vor neuen Anschlägen. Derweil ermittelt die Polizei wegen Terrorismus. Die Suche nach Komplizen läuft.

Ein Polizeibeamter am Bahnhof Brüssel Midi. dpa

Sicherheit am Bahnhof

Ein Polizeibeamter am Bahnhof Brüssel Midi.

Paris/BrüsselGegen den Attentäter im Schnellzug von Amsterdam nach Paris wird nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft wegen Mordversuchs mit terroristischem Hintergrund ermittelt. Der Mann habe noch im Zug auf seinem Handy YouTube-Videos angeklickt, in denen zum bewaffneten Kampf im Namen Allahs aufgerufen werde, erklärte die Staatsanwaltschaft am Dienstag in Paris. Die Darstellung des Marokkaners selbst, er habe einen Raubüberfall begehen wollen, erscheine „weit hergeholt“. Der Mann, der sich laut Ermittlern zuvor auch in Deutschland aufgehalten hat, war am Freitag in Brüssel mit einer Kalaschnikow bewaffnet in einen Thalys-Zug gestiegen. Dort verletzte er zwei Menschen, bevor er von Zuginsassen überwältigt wurde.

Der Verdächtige habe gezielt und vorsätzlich gehandelt, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. Sie sprach von einem 25-Jährigen, der vergangenes Jahr fünf bis sieben Monate in Frankreich gelebt habe und dann nach Deutschland und Österreich gereist sei. Bisher galt der Mann dem französischen Innenministerium zufolge als 26 Jahre alt. Nach der Attacke wurde er im nordfranzösischen Arras festgenommen, wo der Zug gestoppt wurde. Seit den islamistischen Anschlägen auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt im Januar hat Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Die Attentäter töteten damals 17 Menschen.

Staatschef François Hollande hat vor weiteren Attentaten gewarnt. Der Vorfall im Thalys sei „ein neuer Beweis, dass wir uns auf weitere Angriffe vorbereiten und uns schützen müssen“, sagte Hollande am Dienstag bei einer Rede vor den in Paris versammelten französischen Botschaftern. Frankreich sei ständig einer Gefahr ausgesetzt.

Chronik: Terroranschläge in Frankreich

Juli 1995

Im Pariser S-Bahnhof Saint-Michel an der Kirche Notre-Dame explodiert in einem Wagen eine Bombe. Dabei werden neun Menschen getötet und 116 verletzt. Es ist der Auftakt zu einer Anschlagsserie in Paris und anderen Städten, die einer algerischen Islamistengruppe zugeschrieben wird.

Novemeber 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die „Charlie-Hebdo“-Redaktion. Das Magazin hatte 2006 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark nachgedruckt.

März 2012

Ein Attentäter erschießt sieben Menschen, darunter drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Er wird nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung bei einer Schießerei getötet. Zuvor hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet.

Oktober 2012

Bei einem Anti-Terroreinsatz erschießt die Polizei einen 33-jährigen Dschihadisten in Straßburg und nimmt elf weitere mutmaßliche Islamisten fest. Sie werden für einen Anschlag auf ein jüdisches Geschäft verantwortlich gemacht.

Dezember 2014

Polizisten erschießen im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours einen Mann, der mit „Allahu-Akbar“-Rufen („Gott ist groß“) in ein Kommissariat stürmt und mit einem Messer drei Beamte verletzt.

07. Januar 2015

Beim Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ werden in Paris zwölf Menschen getötet. Die beiden Täter kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zum Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel. Ein mit ihnen bekannter dritter Täter erschießt in Paris parallel dazu eine Polizistin und nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln, von denen er vier erschießt, bevor er selbst von der Polizei getötet wird. Er bekennt sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

11. Januar 2015

Aus Protest gegen die Terrorwelle gehen im ganzen Land nach Schätzungen zwei Millionen Menschen auf die Straße. Viele Staats- und Regierungschefs reisen zum Pariser Gedenkmarsch an.

19. April 2015

Nach der Ermordung einer Frau in wird in Villejuif bei Paris ein Student festgenommen. Der 24-Jährige mit Kontakt nach Syrien soll mit einem Waffenarsenal aus Kalaschnikow-Sturmgewehren, Pistole und Revolver Anschläge auf Kirchen geplant haben.

26. Juni 2015

Ein 35 Jahre alter mutmaßlicher Islamist wird beim Versuch überwältigt, in einem Industriegas-Werk in Saint-Quentin-Fallavier bei Lyon eine Explosion herbeizuführen. Der Mann hatte zuvor seinen Arbeitgeber enthauptet und den Kopf mit zwei Islamistenflaggen auf den Fabrikzaun gesteckt. Im Dezember erhängte er sich im Gefängnis.

21. August 2015

Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug Brüssel-Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

13. November 2015

Bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle „Bataclan“ richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

14. November 2015

Erste Spuren weisen nach Belgien. Bei einer Razzia in Brüssel-Molenbeek werden mehrere Menschen festgenommen.

16. November 2015

Mit einer Schweigeminute wird europaweit der Opfer gedacht. Präsident François Hollande will eine weltweite Koalition gegen den IS ins Leben rufen. Als ein Drahtzieher gerät der belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud ins Visier. Gefahndet wird überdies nach Salah Abdeslam, Bruder eines der Attentäter.

17. November 2015

In Hannover wird das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande abgesagt. Später stellt sich heraus, dass es konkrete Informationen eines ausländischen Geheimdienstes zu Bombenanschlägen im Stadion und am Hauptbahnhof gab.

18. November 2015

Bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bei Paris nimmt die Polizei sieben mutmaßliche Komplizen der Attentäter fest. Drei weitere Verdächtige kommen ums Leben, wie sich später herausstellt - einer ist der gesuchte Abaaoud.

21. November 2015

Belgiens Behörden rufen nach konkreten Hinweisen auf einen geplanten Anschlag für die Hauptstadtregion Brüssel die höchste Terrorwarnstufe aus. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Erst nach fünf Tagen wird die maximale Warnstufe wieder aufgehoben.

23. November 2015

Bei einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz werden in Brüssel 16 Personen vorläufig festgenommen. In den folgenden Wochen gibt es in Belgien weitere Razzien mit Festnahmen von Verdächtigen.

7. Januar 2016

Am Jahrestag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Messer bewaffnet und trug die Attrappe einer Sprengstoffweste.

24. März 2016

Ermittler nehmen einen 34-jährigen Franzosen fest und finden in einer von ihm angemieteten Wohnung im Pariser Vorort Argenteuil ein großes Waffenarsenal, unter anderem mit fünf Kalaschnikow-Sturmgewehren, einer Maschinenpistole und Sprengstoff. Nach Ansicht der Ermittler gehörte der Festgenommene zu einem Terrornetzwerk, das kurz vor einem schweren Anschlag stand.

14. Juni 2016

Ein Mann ersticht in Magnanville im westlichen Umland von Paris einen Polizisten und verschanzt sich in dessen Haus, wo später auch die Lebensgefährtin des Opfers tot aufgefunden wird. Die Polizei stürmt das Gebäude und erschießt den Täter, der sich zuvor zum IS bekannt hatte. Vor dem Hintergrund der laufenden Fußball-EM hatten zahlreiche Behörden immer wieder vor der hohen Terrorgefahr in Frankreich gewarnt.

14. Juli 2016

Bei einem Anschlag am französischen Nationalfeiertag sind in der Hafenstadt Nizza mindestens 80 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden verletzt, als ein Lastwagen durch eine feiernde Menschenmenge raste.

Bereits am Wochenende hatten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat in dem Hochgeschwindigkeitszug verdichtet. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, der Angreifer sei den europäischen Sicherheitsbehörden als mutmaßlicher Extremist bekannt. Früheren Informationen aus Sicherheitskreisen zufolge reiste der Mann offenbar im Mai von Berlin nach Istanbul. Die Türkei ist für viele europäische Dschihadisten das Einfallstor zum Bürgerkriegsland Syrien, wo sich Tausende Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben.

Unterdessen sucht die belgische Polizei nach möglichen Komplizen des Attentäters: Bei zwei Razzien in Brüssel hätten die Beamte einige Gegenstände beschlagnahmt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Durchsuchungen konzentrierten sich demnach auf Sint-Jans-Molenbeek, ein ärmeres Viertel der belgischen Hauptstadt. Die Polizei versucht herauszufinden, wo der Verdächtige gelebt hat. Weil der Mann in Brüssel in den Zug gestiegen sei, werde auch in Belgien gegen ihn ermittelt.

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