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01.01.2014

10:49 Uhr

Nach Anschlägen

Putin überrascht mit Besuch in Wolgograd

Unangekündigt besucht Russlands Präsident Wladimir Putin die Stadt Wolgograd und spricht mit den Opfern der Anschläge. Erneut droht der Kremlchef den Terroristen. Immer noch ist unklar, wer verantwortlich ist.

Präsident am Krankenbett: Wladimir Putin besucht öffentlichkeitswirksam Opfer der Anschläge von Wolgograd. dpa

Präsident am Krankenbett: Wladimir Putin besucht öffentlichkeitswirksam Opfer der Anschläge von Wolgograd.

Wolgograd/MoskauNach den blutigen Terroranschlägen in Wolgograd hat Kremlchef Wladimir Putin bei einem unangekündigten Besuch in der Stadt den Drahtziehern Vergeltung angedroht. Es gebe keine Rechtfertigung für solch abscheuliche Verbrechen, sagte der Präsident am Mittwoch bei einem Treffen mit Verletzten in einer Klinik der südrussischen Stadt.

In seiner Neujahrsansprache drohte Putin Terroristen mit der „völligen Vernichtung“. Wegen der Anschläge hatten die meisten Städte in Russland zu Silvester die Sicherheitsvorkehrungen extrem verstärkt oder Feiern ganz abgesagt.

Putin legte an der Stelle, an der ein Selbstmordattentäter am Montag einen Linienbus gesprengt hatte, einen Strauß roter Rosen nieder. Minutenlang hielt der Präsident inne, um die brennenden Kerzen zu betrachten und mit Anwohnern zu sprechen. „Wir werden alles tun, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten“, sagte Putin.

Bei den beiden Bombenanschlägen in einem Bus und im Bahnhof waren am Sonntag und am Montag insgesamt mindestens 34 Menschen getötet und 72 verletzt worden. Die Attentate innerhalb von nur 24 Stunden schüren Sorgen um die Sicherheit der Olympischen Winterspiele, die in fünf Wochen im Schwarzmeerkurort Sotschi beginnen. Islamisten aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus hatten gedroht, die Wettkämpfe zu stören. Die Spiele gelten auch als Prestigeprojekt Putins. Wolgograd, das bis 1961 Stalingrad hieß, liegt etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt.

Terror in Russland – Bomben und Geiselnahmen

Oktober 2002

Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musical-Theater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle 41 Terroristen sterben.

August 2004

Nahezu gleichzeitig stürzen zwei russische Passagiermaschinen ab. Alle 90 Menschen an Bord kommen ums Leben. In beiden Maschinen hatten Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien Bomben gezündet.

September 2004

Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen 1.100 Kinder, Eltern und Lehrer als Geiseln. Das Terrordrama endet mit 360 Toten. Als einer der Drahtzieher gilt der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew.

November 2009

Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg kommen mindestens 26 Menschen ums Leben. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich zu dem Anschlag und kündigt einen „Sabotagekrieg“ gegen die „blutige Besatzungspolitik“ Moskaus im Kaukasus an.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Drahtzieher der Sprengstoffattacke ist wieder Doku Umarow, der der russischen Regierung per Video mit weiteren Anschlägen droht.

Oktober 2013

Mit einer Bombe in einem Linienbus in Wolgograd tötet eine Selbstmordattentäterin sechs Insassen und sich selbst. Mehr als 30 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Fahnder vermuten, dass Islamisten aus dem Nordkaukasus der Frau die Bombe übergeben haben.

Dezember 2013

Im Bahnhof der Millionenstadt Wolgograd zünden Terroristen am 29.12. eine mit Nägeln und Schrauben gefüllte Bombe. Bei dem Selbstmordanschlag sterben mindestens 17 Menschen. Nur einen Tag später sterben bei einer Explosion in einem Bus in Wolgograd weitere 14 Menschen. Auch hier gehen die Ermittler von einem Selbstmordanschlag aus.

Putin appellierte zu Beginn des neuen Jahres an seine Landsleute, sich auf die Olympischen Spiele zu freuen. Russland sei immer dann stark gewesen, wenn seine Menschen zusammengehalten hätten. Bei einem Treffen in Wolgograd befahl er den Chefs des Inlandsgeheimdiensts FSB und des Innenministeriums, die Sicherheit in der Stadt rund 1000 Kilometer südlich von Moskau zu verstärken. „Sagen Sie mir, welche Maßnahmen sie ergreifen“, forderte er den FSB-Chef Alexander Bortnikow auf. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder des Treffens.

Im Krankenhaus besuchte Putin auch den schwer verletzten Fahrer des von einer Bombe völlig zerfetzten Linienbusses. Auch einer älteren Frau sprach er Mut zu. „Wir Wolgograder lassen uns nicht so einfach unterkriegen“, antwortete die Frau und erinnerte an die blutige Schlacht in der Stadt im Zweiten Weltkrieg.

Vizeregierungschefin Olga Golodez sagte, zwei verletzte Mädchen müssten in ein Spezialkrankenhaus nach Moskau geflogen werden. „Die neunjährige Olga erlitt durch Metallsplitter schwere Verwundungen, und die dreimonatige Wika liegt im Koma - wir kämpfen um ihr Leben“, sagte Golodez. Zu den Anschlägen bekannte sich bislang niemand.

Wegen der Attentate hatte Putin kurzfristig seine traditionelle TV-Neujahrsansprache geändert. Da er im vorproduzierten Fernsehclip die Terrorakte nicht erwähnt hatte, musste er schnell eine aktualisierte Version aufnehmen. „Das war eine Premiere“, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow.

Kommentare (1)

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Hagbard_Celine

02.01.2014, 09:48 Uhr

"Präsident am Krankenbett: Wladimir Putin besucht öffentlichkeitswirksam Opfer der Anschläge von Wolgograd. Quelle: dpa"
Das Politiker öffentlichkeitswirksam Opfer von Katastrophen und Anschlägen besuchen ist nicht ungewöhnlich, ungewöhnlich ist jedoch in der Presse darauf explizit hinzuweisen.

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