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27.06.2013

21:30 Uhr

Nach Anschlag

Boston-Attentäter formell angeklagt

Der mutmaßliche Attentäter von Boston soll noch im Juli vor einem Bundesgericht zur Anhörung erscheinen und sich zu 30 Anklagepunkten äußern. Auf mehr als die Hälfte steht die Todesstrafe oder lebenslange Haft.

Sanitäter und Helfer verarzten Verletzte nach dem Attentat in Boston am 15. April 2013. ap

Sanitäter und Helfer verarzten Verletzte nach dem Attentat in Boston am 15. April 2013.

Washington/BostonDer überlebende mutmaßliche Bombenattentäter vom Bostoner Marathonlauf, Dschochar Zarnajew, ist wegen vierfachen Mords und des Gebrauchs einer Massenvernichtungswaffe angeklagt worden. Eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern habe Zarnajew insgesamt 30 Anklagepunkte zur Last gelegt, teilte die Bundesstaatsanwaltschaft in der US-Ostküstenstadt am Donnerstag mit. Allein auf 17 der Anklagepunkte stünden die Todesstrafe oder lebenslange Haft.

Der 19-jährige Zarnajew soll gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan zwei Bomben im Zieleinlauf des Bostoner Marathons gelegt haben. Bei dem Anschlag Mitte April wurden drei Menschen getötet und mehr als 260 weitere verletzt. Auf ihrer Flucht sollen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder außerdem einen Polizisten erschossen haben.

Die Ermittler kamen Tamerlan und Dschochar Zarnajew durch Videoaufnahmen auf die Spur, die Überwachungskameras am Anschlagsort gemacht hatten. Der ältere Bruder wurde wenige Tage nach der Attacke bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet. Dschochar Zarnajew wurde kurz darauf schwer verletzt gefasst.

Terror bei Sportereignissen

1972 München

Während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 wurden elf israelische Sportler von palästinensischen Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ als Geiseln genommen – Ziel war die Freipressung von Gefangenen. Beim gescheiterten Befreiungsversuch auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck starben alle noch lebenden Geiseln, ein Polizist und fünf der Terroristen.

1996 Atlanta

Im Olympia-Park von Atlanta explodierte während der Olympischen Spiele 1996 eine Bombe. Die Explosion tötete zwei Personen, mehr als 100 wurden verletzt. Täter war ein Anti-Abtreibungs-Aktivist.

2002 Madrid

Die baskische Terrorgruppe ETA brachte Anfang Mai 2002 eine Bombe im Vorfeld eines Champions-League-Halbfinalspiels zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona zur Explosion. In weniger als 100 Metern Entfernung zum Stadion Santiago Bernabéu ging ein Sprengsatz hoch. Es gab keine Todesopfer.

2008 Rallye Dakar

Die berühmte Rallye wurde im Jahr 2008 abgesagt. Terrorwarnungen für Mauretanien hatten die Veranstalter dazu bewogen.

2009 Lahore

Der Mannschaftsbus des Cricket-Nationalteams von Sri Lanka wird in der pakistanischen Stadt Lahore von einer Gruppe bewaffneter Täter beschossen, die vermutlich dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe standen. Sechs Nationalspieler werden verletzt, sechs Polizisten und zwei Zivilisten sterben.

2013 Boston

Zwei Explosionen erschüttern den Bereich des Zieleinlaufs des Boston Marathons am 15. April 2013. Drei Menschen sterben noch am selben Tag, weit über 100 sind verletzt, einige von ihnen sehr schwer. Über die Hintergründe des Vorfalls herrscht zunächst Unklarheit.

Die Ermittler vermuten einen radikalislamischen Hintergrund. Ende April hatte die US-Justiz ein Strafverfahren gegen den jüngeren Zarnajew eingeleitet. Eine Grand Jury entschied nun, dass die Beweise gegen den mutmaßlichen Attentäter für eine Anklage ausreichen. Am 10. Juli soll er zur Verlesung der Anklage erstmals vor Gericht erscheinen, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag erklärte.

In der Anklageschrift wird Zarnajew vorgeworfen, spätestens ab Februar dieses Jahres gemeinsam mit seinem Bruder einen Bombenanschlag geplant zu haben. Am 15. April hätten die Brüder dann zwei Sprengsätze inmitten der jubelnden Menge beim Bostoner Marathon gelegt und diese im Abstand von wenigen Sekunden gezündet. Die Bomben bauten die beiden den Angaben zufolge selbst aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammen.

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