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21.04.2013

22:47 Uhr

Nach Anschlag

Boston-Bombenleger soll angeklagt werden

Das FBI hatte den Älteren der mutmaßlichen Terrorbrüder schon im Visier – doch er verschwand wieder vom Radar der Bundespolizei. Sein Bruder liegt schwer verletzt im Krankenhaus und soll nun zügig angeklagt werden.

Der19-jährige Dschochar Zarnajew liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. ap

Der19-jährige Dschochar Zarnajew liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Boston/Berlin/WashingtonUngeduldiges Warten auf das Verhör: Der zweite mutmaßliche Bombenleger von Boston war einen Tag nach seiner Festnahme auch am Sonntag an seinem Krankenbett zunächst nicht ansprechbar. Damit blieben die Motive für den Bombenanschlag auf den Bostoner Stadtmarathon, bei dem am Montag drei Menschen getötet und mehr als 180 verletzt wurden, weiter unklar. Den Zustand des 19-jährigen Dschochar Zarnajew bezeichneten die Ärzte als „ernst“.

Dennoch soll er möglicherweise noch im Laufe des Sonntags (Ortszeit) von einem Bundesrichter angeklagt werden. Das meldete der TV-Sender CNN unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Justizministeriums. Da sich Dschochar Zarnajew in einem kritischen Zustand befinde, werde der Richter oder ein Vertreter ihn an seinem Krankenbett über die Anklagepunkte informieren. Die Anklageverlesung werde dann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Zarnajew hat unter anderem eine schwere Schusswunde am Hals. Der 19-Jährige werde beatmet und stehe unter Beruhigungsmitteln, erklärten seine behandelnden Ärzte. Fahnder der Bundespolizei FBI mutmaßten, dass er sich die Wunde selber zugefügt haben könnte, um sich vor seiner Ergreifung durch die Polizei am Freitag das Leben zu nehmen. Zarnajew wird unter schwerer Bewachung im Beth Israel Deaconess Medical Center behandelt, wo auch elf der Opfer des Attentats vom vergangenen Montag liegen. Rund 40 weitere Verletzte werden noch immer in anderen Kliniken behandelt.

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Sein 26-jähriger Bruder Tamerlan Zarnajew war nach einer Verfolgungsjagd und einem Schusswechsel am Freitagmorgen in dasselbe Krankenhaus in Boston gebracht worden und starb dort später. Nach Angaben des Arztes David Schoenfeld war der Mann „von Kopf bis Fuß“ verletzt. Der Mediziner kommentierte einen Polizeibericht nicht, wonach der Jüngere seinen älteren Bruder auf der Flucht überfahren habe.

Nach Ansicht der Ermittler planten die beiden mutmaßlichen Täter wahrscheinlich weitere Attentate. Nach dem Feuergefecht mit den beiden Verdächtigen sei ein ganzes Arsenal an selbst gebauten Bomben gefunden worden, was weitere Anschlagspläne wahrscheinlich mache, sagte der Bostoner Polizeichef Ed Davis dem Sender CBS. „Basierend auf den vor Ort gefundenen Beweisen - den Explosionen, den nicht explodierten Sprengsätzen und der Feuerkraft, die sie hatten - haben wir Grund zu der Annahme, dass sie andere Personen angreifen wollten“, sagte Davis in der Sendung „Face the Nation“.

Am Ort des Feuergefechts wurde nach Angaben von Davis abgesperrt, nachdem dort eine große Menge unexplodierter Bomben gefunden wurde. Eine weitere Bombe lag in einem von den beiden Verdächtigen, Tamerlan und Dschochar Zarnajew, mutmaßlich gestohlenen Mercedes.

Sollte der mutmaßliche Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew eines Tages schuldig gesprochen werden, droht ihm die Todesstrafe. Auch, wenn diese im betroffenen Bundesstaat Massachusetts abgeschafft ist, könnte ein Bundesgericht einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft nachkommen. Nach dem Bundesgesetz kann Generalstaatsanwalt Eric Holder die Entscheidung fällen, nachdem das Justizministerium sämtliche Aspekte der Tat und des Hintergrunds des Verdächtigen sorgfältig analysiert hat.

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama signalisierte bereits, schnell ein Strafverfahren gegen Dschochar Zarnajew einleiten zu wollen. Ermittler planten ein erstes Verhör, ohne ihn zuvor über seine Rechte aufzuklären, hieß es. Üblicherweise kann ein Verdächtiger die Aussage verweigern und sich einen Anwalt nehmen. Eine Strafverteidigerin des Staats Massachusetts, Miriam Conrad, forderte unterdessen, Zarnajew schnell einen Anwalt zur Seite zu stellen. Der schwerwiegendste Vorwurf gegen den 19-Jährigen könnte der Einsatz von Massenvernichtungswaffen sein, was die Todesstrafe nach sich ziehen könnte. Im Staat Massachusetts gibt es sie allerdings nicht. Als US-Bürger kann Zarnajew nicht vor ein Militärgericht gestellt werden, sondern nur vor ein Zivilgericht.

Kommentare (22)

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AllesLuege

21.04.2013, 17:11 Uhr

Die ganze Geschichte ist sowas von gelogen !
Leider werden wieder viele naive Menschen die offizielle Version glauben....

Account gelöscht!

21.04.2013, 17:54 Uhr

und? Wo ist das Problem.

yoski

21.04.2013, 18:07 Uhr

Und was ist Ihre "Tin foil hat" Version, oder warten Sie noch auf eingaben vom Mutterschiff?

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