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15.06.2016

19:07 Uhr

Nach Anschlag in Florida

Frau des Orlando-Attentäters gerät ins Visier

Nach dem Anschlag in Orlando vernimmt der FBI die Frau des Attentäters. Die 30-jährige Noor Mateen soll von seinen Planungen gewusst und ihn beim Munitions-Kauf begleitet haben. Weitere seltsame Details werden bekannt.

Überall auf der Welt trauern die Menschen um die Opfer des Attentats in Orlando. Kurz vor seinen tödlichen Schüssen im Schwulenclub Pulse schickte der Täter dem Besitzer einer weiteren Diskothek in der US-Stadt eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. dpa

Trauer um die Opfer

Überall auf der Welt trauern die Menschen um die Opfer des Attentats in Orlando. Kurz vor seinen tödlichen Schüssen im Schwulenclub Pulse schickte der Täter dem Besitzer einer weiteren Diskothek in der US-Stadt eine Freundschaftsanfrage auf Facebook.

OrlandoNach dem Massaker von Orlando rückt Insidern zufolge die Witwe des Attentäters in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Noor Salman könnte angeklagt werden, weil sie von den Anschlagsplänen ihres Mannes gewusst habe, sagte ein Vertreter der US-Strafverfolgungsbehörden am Mittwoch. Noch im Laufe des Tages könne Klage gegen sie erhoben werden. Berichten der Fernsehsender CNN und NBC zufolge soll sie den Attentäter Omar Mateen begleitet haben, als er mögliche Anschlagsziele ausgekundschaftet habe - darunter die Schwulenbar, wo der 29-Jährige am frühen Sonntagmorgen 49 Menschen tötete und später von Sicherheitskräften erschossen wurde.

Der Sender Fox News berichtete unter Berufung auf eine FBI-Quelle, Salman drohe Anklage wegen Mittäterschaft an 49 Morden und 53 versuchten Morden. Außerdem könne sie wegen Nichtanzeige einer geplanten Straftat belangt werden.

Was über das schlimmste US-Massaker bekannt ist

Opfer

Mindestens 50 Menschen sind tot. 53 wurden verletzt, die meisten von ihnen befanden sich am Sonntag noch in kritischem Zustand. Die Opferzahl dürfte laut den behandelnden Ärzten noch steigen.

Der Schütze

Der 29-jährige Omar M. ist US-Bürger, wurde in New York geboren und hat afghanische Wurzeln. Er lebte in Fort Pierce fast 200 Kilometer südlich von Orlando und arbeitete seit 2007 für den privaten Sicherheitsdienst G4S. Deshalb hatte er auch eine Schusswaffenlizenz. Zweimal, 2013 und 2014, nahm das FBI Ermittlungen gegen ihn auf, stellte sie aber wieder ein. Im ersten Fall ging es um aufhetzerische Aussagen gegenüber Arbeitskollegen, im zweiten um seine möglichen Verbindungen zu einem amerikanischen Selbstmordattentäter.

Motiv

Ermittlern zufolge rief er vor der Tat beim Polizei-Notruf an und bekannte sich zur Terrormiliz Islamischer Staat. Der Vater des Angreifers schloss einen religiösen Hintergrund aus, deutete aber an, dass sein Sohn von Schwulenhass getrieben gewesen sein könnte. M. sei vor zwei Monaten wütend geworden, als er gesehen habe, dass sich zwei Männer küssten, sagte der Vater dem Sender MSNBC.

Was ist passiert

Der Angreifer Omar M. kam am Sonntag gegen zwei Uhr früh mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet in den gut besuchten Schwulenclub Pulse in Orlando und eröffnete das Feuer. Wenig später lieferte er sich laut der Polizei ein Feuergefecht mit einem Sicherheitsbeamten des Clubs. Daraufhin sei der Schütze in das Gebäude zurückgegangen und habe Geiseln genommen. Eine Spezialeinheit der Polizei stürmte Stunden später den Club und tötete Omar M.

Laut NBC hat Salman Ermittlern gegenüber erklärt, sie habe versucht, ihren Mann von dem Attentat abzuhalten. Zugleich habe sie aber eingeräumt, ihn im Vorfeld einmal zu dem Nachtclub gefahren zu haben. NBC und CNN zufolge war sie auch dabei, als Mateen auf der Suche nach Attentatszielen den Disney-Freizeitpark und ein Einkaufszentrum ausgespäht habe.

Ermittlerkreisen zufolge beraten derzeit Geschworene darüber, ob die Beweislage für eine Anklage gegen Salman ausreicht. US-Senator Angus King, Mitglied des Geheimdienstausschusses des Senats, sagte CNN, Mateens Witwe scheine kooperationsbereit zu sein und könne offenbar wichtige Informationen liefern. Salman war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Das Massaker gilt als der schwerste Angriff innerhalb der USA seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Berichte über die Rolle der Täter-Witwe wecken zudem Erinnerungen an den Angriff von San Bernardino in Kalifornien, wo ein mit der Extremistenmiliz Islamischen Staat (IS) sympathisierendes Ehepaar im Dezember 14 Menschen getötet hatte.

Der Attentäter von Orlando gelobte nach Polizeiangaben noch während des dreistündigen Massakers in mehreren Anrufen bei der Polizei und bei Medien dem IS Gefolgschaft. Den Ermittlern zufolge gibt es jedoch bislang keine Beweise dafür, dass der Mann mit afghanischen Wurzeln von Gruppen wie dem IS Instruktionen erhalten habe. Allerdings hatte sich die Extremistenmiliz anschließend hinter seine Tat gestellt. Dennoch gehen die Behörden eher davon aus, dass sich der 29-Jährige selbst radikalisiert hat. Die Ermittler gehen Insidern zufolge auch Berichten nach, wonach Mateen selbst homosexuell gewesen sein soll und aus Selbsthass gehandelt haben könnte.

Von

rtr

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