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16.07.2016

20:46 Uhr

Nach Anschlag in Nizza

Französische Polizei meldet Festnahmen – IS bekennt sich

Der Anschlag von Nizza mit mindesten 84 Toten hält Frankreich in Atem. Die französische Polizei hat mehrere Personen festgenommen. Nun behauptet die Terrororganisation IS, für den Angriff verantwortlich zu sein.

In Nizza trauern Menschen um die Opfer des Anschlags. Derweil hat es im Zuge einer Polizeiaktion mehrere Festnahmen gegeben. dpa

Blumen, Fahnen und Bilder am Anschlagort

In Nizza trauern Menschen um die Opfer des Anschlags. Derweil hat es im Zuge einer Polizeiaktion mehrere Festnahmen gegeben.

Nizza/ParisNach dem Lkw-Anschlag von Nizza suchen die französischen Behörden fieberhaft nach möglichen Hintermännern der Bluttat mit mindestens 84 Toten und über 200 Verletzten. Vier Männer aus dem näheren Umfeld des Attentäters wurden zur Vernehmung festgenommen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete.

Unterdessen hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) laut der Gruppe nahestehenden Kreisen die Verantwortung für den Angriff übernommen. Der Attentäter sei einer der Soldaten des IS gewesen, teilte die der Terrormiliz nahestehende Nachrichtenagentur Amak am Samstag im Internet mit. Die Erklärung ließ sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Präsident François Hollande beriet am Morgen mit seinem Sicherheitskabinett. In ganz Frankreich begann am Samstag eine dreitägige Staatstrauer. Am Montagmittag sollte es eine Schweigeminute geben. Vier Tage nach dem Anschlag mit mindestens 84 Toten in Nizza soll der Küstenboulevard Promenade des Anglais am Montag wieder ganz geöffnet werden. Danach soll der etwa einen Kilometer lange, noch gesperrte Abschnitt des Küstenboulevards Promenade des Anglais wieder für den Verkehr freigegeben, teilte die Stadtverwaltung am Samstag mit, wie die Nachrichtenagentur AFP meldete. Für Fußgänger sei die gesamte Promenade schon wieder seit Samstagmittag frei.

Fahrzeuge als tödliche Waffe

Aufrufe des IS

Ein Fahrzeug als tödliche Waffe: Mindestens 80 Menschen hat ein Angreifer am französischen Nationalfeiertag in Nizza getötet, als er mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Zwar waren die Motive des Mannes zunächst unklar. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte ihre Anhänger aber bereits aufgerufen, auch Fahrzeuge als Waffen zu nutzen. Solche Attacken gab es in der Vergangenheit bereits in Kanada und Großbritannien.

London, Mai 2013

Im Mai 2013 fahren zwei Londoner nigerianischer Abstimmung in der britischen Hauptstadt den Soldaten Lee Rigby mit einem Auto an, bevor sie ihn erstechen. Einer der Angreifer ruft kurz danach, er wolle die „von britischen Soldaten getöteten Muslime“ rächen.

Montréal, Oktober 2014

Im Oktober 2014 rast ein 25-jähriger kanadischer Konvertit in einem Vorort von Montréal mit seinem Auto auf drei Soldaten. Er tötet einen der Männer und verletzt einen weiteren. Nach einer Verfolgungsjagd wird er schließlich erschossen. Der Angreifer wollte zum Dschihad nach Syrien reisen.

Audiobotschaft im September

Schon seit Jahren rufen das Terrornetzwerk Al-Kaida und der IS ihre Anhänger auf, im Westen „Ungläubige“ zu töten - egal mit welcher Waffe. IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani erklärte in einer im September 2014 verbreiteten Audiobotschaft, wenn jemand „keine Bombe zünden oder Kugel abfeuern“ könne, sei jedes andere Mittel recht. Konkret nannte al-Adnani unter anderem Messerattacken oder Angriffe mit einem Auto.

Unklar blieb zunächst die Motivation des Täters, der am französischen Nationalfeiertag in Nizza mit einem Mit-Lkw in eine Menschenmenge gefahren war. Premierminister Manuel Valls hatte sich am Freitag überzeugt gezeigt, dass der von der Polizei erschossene 31-jährige Tunesier ein organisierter Islamist gewesen war, auch wenn die Ermittlungen dies noch nicht bestätigt hätten. „Das ist ein Terrorist, der ohne Zweifel auf die eine oder andere Weise mit dem radikalen Islamismus verbunden war“, sagte Valls dem Sender France 2.

Innenminister Bernard Cazeneuve verneinte dagegen im Fernsehsender TF1 die Frage, ob man Mohamed Lahouaiej-Bouhlel Verbindungen zum radikalen Islam nachweisen könne. „Wir haben hier ein Individuum, das den Geheimdiensten nicht für Aktivitäten in Verbindung mit dem radikalen Islamismus bekannt war“, sagte Cazeneuve.

Der Täter war am 14. Juli mit einem Lastwagen auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais in eine Menschenmenge gerast und erst nach zwei Kilometern von der Polizei gestoppt und erschossen worden. Er lebte nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit vielen Jahren in Nizza. Bis Donnerstag war Lahouaiej-Bouhlel nur als Kleinkrimineller aufgefallen.

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