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29.03.2006

19:04 Uhr

Nach Asylangebot Berlusconis

Afghanischer Konvertit Rahman in Italien eingetroffen

Der wegen seines Übertritts zum Christentum zwischenzeitlich von der Todesstrafe bedrohte Afghane Abdul Rahman hat in Italien Asyl erhalten.

Offenbar der Todesstrafe entkommen: Abdul Rahman Foto: dpa

Offenbar der Todesstrafe entkommen: Abdul Rahman Foto: dpa

HB ROM/KABUL/BERLIN. Der 41-Jährige traf nach Angaben von Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Mittwoch in Italien ein. Er befinde sich in der Obhut des italienischen Innenministeriums. „Ich glaube, er kam über Nacht an“, sagte der Regierungschef. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Rahman war am Montagabend in Afghanistan aus dem Gefängnis entlassen worden. Berlusconi bot ihm daraufhin Asyl an. Das Kabinett billigte diesen Schritt nach Angaben von Sozialminister Roberto Maroni. Das afghanische Parlament hatte die Regierung in Kabul noch am Mittwoch aufgefordert, Rahman nicht außer Landes zu lassen.

Rahman drohte wegen seiner Glaubensentscheidung in Afghanistan die Todesstrafe. Mehrere westliche Staaten, darunter Deutschland hatten das Verfahren scharf kritisiert und ihre Bedenken übermittelt. Das Verfahren wurde schließlich aus Mangel an Beweisen und mit Verweis auf mutmaßliche geistige Verwirrtheit des Angeklagten eingestellt. Rahman kam am Montagabend aus dem Gefängnis frei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm die Freilassung des 41-Jährigen nach eigenen Worten „mit großer Erleichterung“ auf. Sie dankte am Mittwoch im Bundestag allen, die die Bemühung um die Freilassung unterstützten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: „Die afghanische Regierung hat in einer schwierigen Situation Mut bewiesen und gezeigt, dass sie für ein neues Afghanistan steht.“

Rahman lebte viele Jahre in Deutschland. Zum Christentum trat er über, als er sich in Pakistan mit einer christlichen Hilfsorganisation um afghanische Flüchtlinge kümmerte. Mehrere westliche Staaten, darunter Deutschland, hatten das Verfahren gegen Rahman heftig kritisiert. Auch Papst Benedikt XVI. setzte sich beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai für ihn ein.

Italien hat enge Beziehungen zu Afghanistan. Der frühere König Mohammed Saher Schah lebte mit seiner Familie 30 Jahre lang in Rom im Exil.

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