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12.03.2011

22:24 Uhr

Nach Atom-Unfall

Merkel will deutsche Reaktoren prüfen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält eine neue Atomdiskussion in Deutschland für unangebracht. Allerdings kündigte die Kanzlerin an, die deutsche Kraftwerke überprüfen zu lassen. Der Opposition reicht das nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ein Einschnitt für die Welt." Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ein Einschnitt für die Welt."

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angesichts des Atomunfalls in Japan die Überprüfung der Sicherheitsstandards bei den deutschen Atomkraftwerke angekündigt. Dies werde gemeinsam mit den zuständigen Länderministern geschehen. Zwar betonte Merkel, sie halte die friedliche Nutzung der Atomkraft weiter für vertretbar. „Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt“, sagte Merkel am Samstagabend in Berlin. Wenn in einem solch hoch entwickelten Land wie Japan mit höchsten Sicherheitsstandards ein solcher Unfall passiere, könne „auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“. Der Sicherheit der Bevölkerung müsse sich alles andere unterordnen.

Merkel traf sich im Kanzleramt mit ihren wichtigsten Ministern - Außenminister Guido Westerwelle, Innenminister Hans-Peter Friedrich und Umweltminister Norbert Röttgen - zum Krisengipfel. „Ich finde, an einem solchen Tag darf man nicht einfach sagen, unsere Kernkraftwerke sind sicher. Sie sind sicher, und trotzdem muss man nachfragen, was ist zu lernen aus einem solchen Ereignis“, sagte Merkel. Auch auf EU-Ebene solle das Thema erörtert werde.

Es sei aber nicht der Tag, um über eine mögliche Änderung der Atompolitik von Union und FDP zu sprechen. Sicherheit sei für sie stets das oberste Gebot. Schwarz-Gelb hatte im Herbst beschlossen, die Akw-Laufzeiten um durchschnittlich 12 Jahre zu verlängern.

Merkel-Rede im Wortlaut: „Nicht vorstellbar, dass Deutschland betroffen ist“

Merkel-Rede im Wortlaut

„Nicht vorstellbar, dass Deutschland betroffen ist“

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm am Samstag nach einer Lagebesprechung mit dem Außenminister, dem Umweltminister, dem Innenminister und dem Chef des Bundeskanzleramtes in Berlin zum Atomunglück in Japan Stellung. Die Rede in Auszügen:

Umweltminister Röttgen (CDU) sagte nach dem Treffen in einem Interview mit der ARD-Sendung „Tagesthemen“: „Wir betrachten sie (die Kernenergie) als Brücke, das heißt, sie ist ein Auslaufmodell.“ Die Ereignisse dieser Tage hätten bewusst gemacht, „dass wir eine andere Energieversorgung brauchen.“ Die japanischen Kernkraftwerke seien mit Blick auf die Erdbebengefährdung besonders sicher ausgelegt worden, sagte der auch für die Reaktorsicherheit zuständige Minister. „Und
trotzdem ist es passiert.“ Für eine präzise Beurteilung der Lage reichten die vorhandenen Informationen noch nicht aus, sagte Röttgen. „Wir können keine Konsequenzen ausschließen, auch nicht den äußersten Fall einer Kernschmelze.“

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte, man könnte angesichts der Berichte über ausgefallene Kühlsysteme auch der Frage nachgehen, „ob auch unsere Kühlsysteme solche Anfälligkeiten haben“.
Merkel sprach von einer „außergewöhnlich ernsten Situation.“ Sie betonte, ein klares Bild der Lage ergebe sich noch nicht. Es sei nach menschlichem Ermessen aber ausgeschlossen, dass Deutschland von den Auswirkungen des Unglücks in Japan betroffen sein könnte. „Wir sehen mit Schrecken, wie ein Erdbeben, ein Tsunami - zwei Urgewalten der Natur - eines der hochentwickelsten Länder der Welt in die Katastrophe führt“, sagte Merkel. Die Schäden seien schwer fassbar. „Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt.

Westerwelle riet den Deutschen im japanischen Krisengebiet zur Ausreise, zumal auch das Auswärtige Amt nur widersprüchliche Meldungen erhalte. Nach seinen Worten leben etwa 5.000 Deutsche in Japan und rund 100 in dem von der Katastrophe am stärksten betroffenen Gebiet. Es gab aber zunächst keine Hinweise dafür, dass Deutsche zu Schaden gekommen seien. Das Auswärtige Amt geht allerdings Hinweisen nach, wonach sich ein deutscher Kernenergietechniker im Katastrophengebiet rund um das japanische Atomkraftwerk Fukushima aufhalten könnte.

Man stehe mit dessen Angehörigen in engem Kontakt, sagte eine Sprecherin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte sich eine Frau bei der dpa gemeldet, deren Mann für den französischen Atomkonzern Areva in dem Unglücksreaktor Fukushima gearbeitet haben soll.

Kommentare (26)

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x650

12.03.2011, 12:12 Uhr

Umweltminister Röttgen ist bitteschön der Erste, der im Ernstfall gemeinsam mit Angela Merkel sein Zelt vor einem in Deutschland "gegauten" Atomkraftwerk aufschlagen darf, um uns auch dann im Strahlenregen von dort aus noch zu versichern, es sei alles in Ordnung, beherrschbar und "Ihr könnt wieder beruhigt nach Hause gehen". Wann hört diese unerträgliche und unverschämt offen verbreitete "Verballhornung" der Bevölkerung endlich auf. Alle Atomkraftwerke gehören weltweit unverzüglich abgeschaltet. Wir werden noch genug mit der ungelösten und nicht weniger dramatische Entsorgungfrage zu tun haben. Auch dem Ungläubigsten empfehle ich jeden abend dafür zu beten, dass es bis dahin nicht zu weiteren Katastrophen dieser Art auf der Erde und vielleicht das nächste Mal wieder in Europa kommt.

karlosdallos

12.03.2011, 12:14 Uhr

Die Überschrift hat recht!

Roettgen nicht allein,
die ganze Regierung ist eine Gefahr für Deutschland.

Account gelöscht!

12.03.2011, 12:59 Uhr

Völlig klar! Dieser Regierung fällt nicht einmal der Groschen wenn man sie mit der Nase drauf stukt.

http://www.bps-niedenstein.de/

Die Zeit der Nettigkeiten ist vorbei.

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