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20.02.2013

20:11 Uhr

Nach Atomtest

Nordkorea veröffentlicht neues Hass-Video gegen USA

Der Konflikt in Korea wird schärfer. Nach seinem Atomtest hat Nordkorea ein Propaganda-Video gegen die USA ins Internet gestellt. Präsident Obama verbrennt darin in den Flammen einer Atombombenexplosion.

Nach Ansicht von Beobachtern soll die Propaganda unter anderem die Stellung des jungen Machthabers Kim Jong Un stärken. dpa

Nach Ansicht von Beobachtern soll die Propaganda unter anderem die Stellung des jungen Machthabers Kim Jong Un stärken.

SeoulNordkorea schlachtet seinen jüngsten Atomtest nach Kräften propagandistisch aus. Ein bizarres Internet-Drohvideo gegen die USA zeigt US-Präsident Barack Obama und amerikanische Soldaten hinter lodernden Flammen, der kurze Film endet mit der Simulation einer unterirdischen Atombombenexplosion. Das Machwerk wurde am Sonntag von der nordkoreanischen Propaganda-Website Uriminzokkiri auf die Internet-Videoplattform YouTube hochgeladen. Die an dem weltweit kritisierten Atomtest beteiligten Fachkräfte und Funktionäre ließ die Führung in Pjöngjang am Mittwoch als Helden feiern.

Auf dem Weg in die Hauptstadt seien die Wissenschaftler, Techniker, Arbeiter, Soldaten-Bauarbeiter und Beamten enthusiastisch von den Bürgern begrüßt worden, berichteten die staatlichen Medien des kommunistischen Landes. Mit Blumen hätten die Menschen auf einer Strecke von mehreren Kilometern gestanden, „Willkommen“ und „Glückwunsch“ gerufen.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Nach Ansicht von Beobachtern soll die Propaganda unter anderem die Stellung des jungen Machthabers Kim Jong Un stärken. Der Test sei das Resultat von Kims „eisernem Glauben und Willen“, hieß es bei der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Es sei nicht falsch zu sagen, dass Nordkorea durch die feindselige Politik der USA „die stärkste Militärmacht geworden ist“, heißt es in einem Text, der das neue antiamerikanische Video begleitet. „Insofern kann gesagt werden, dank der USA haben wir den Atomtest unternommen.“

Erst vor kurzem war ein Video von Uriminzokkiri auf YouTube hochgeladen worden, das eine New York ähnelnde Stadt nach einem Raketenangriff in Flammen zeigt. In dem Film wurden Sequenzen aus einem US-Computerspiel benutzt. Weil damit gegen Urheberrechte verstoßen wurde, musste Uriminzokkiri das Video entfernen. In dem neuen Video ist die Themenmusik eines Online-Abenteuerrollenspiels aus den USA zu hören.

Nordkorea hatte am 12. Februar unter Verstoß gegen UN-Resolutionen seinen dritten unterirdischen Atomtest - nach 2006 und 2009 - unternommen. Im UN-Sicherheitsrat wird derzeit über neue Strafen für das kommunistische Land beraten.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Sumo

20.02.2013, 21:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

20.02.2013, 22:53 Uhr

Kann man das Video irgendwo sehen?

Account gelöscht!

20.02.2013, 22:59 Uhr

@Sumo

Sie kennen die Menschen in Nordkorea nicht. Sie haben nur Berichte von generell verlogenen Medien gesehen.Gaddafi war schliesslich auch 40 Jahre lang ein guter Geschaeftspartner. Schlechte Verhaeltnisse in seine Gefaengnissen waren da nie ein Problem.

Aber ganz ploetzlich finden Frankreich und die USA heraus das er ja ein Diktator ist, das hatte vorher ja keiner gewusst. Jetzt musste der aber sofort weg.. Keine Zeit fuer einen Prozess, gleich eine Kugel, dann kann man sicher sein er wird nichts unangenehmes vor Gericht sagen koennen.

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