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24.03.2013

10:07 Uhr

Nach Atomtests

Angst vor Nuklearmaterial aus Nordkorea

Der Westen sorgt sich weniger vor einem direkten Angriff aus Nordkorea als vor Atomwaffen, die auf dunklen Kanälen ins Land gelangen. Die Sorge: Pjöngjang könnte verstärkt atomares Wissen und Technologie exportieren.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un droht den USA mit einem Atomangriff. Reuters

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un droht den USA mit einem Atomangriff.

SeoulNordkoreas Atomtest im Februar war nicht nur Ausdruck des Widerstands gegen internationale Sanktionen. Es war auch Werbung in eigener Sache. Zielgruppe sind dabei aus Sicht von Beobachtern weltweit alle, die Interesse am Kauf von Nuklearmaterial haben.

Zwar hat Pjöngjang mit Atomangriffen auf die USA gedroht, unmittelbar gefährlicher könnte aber die Bereitschaft Nordkoreas sein, die Technologie an Staaten zu verkaufen, die Washington als Sponsoren des Terrorismus' betrachtet. Die bedrohliche Botschaft lautet nach Ansicht von Graham Allison, Nuklearexperte an der Kennedy School der Universität Harvard: „Atomwaffen stehen zum Verkauf.“

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Beim Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete im Dezember handelte es sich nach Überzeugung der Uno um einen verbotenen Test ballistischer Raketentechnologie. Am 12. Februar führte Pjöngjang zum dritten Mal einen unterirdischen Atomversuch durch und wurde dafür mit neuen Uno-Sanktionen belegt. Experten vermuten, dass Nordkorea ausreichend Nuklearmaterial für mehrere einfache Atombomben hat. Beweise, dass Pjöngjang einen für eine Rakete geeigneten Sprengkopf bauen kann, fehlen noch. Doch kann das Land möglicherweise anderen Staaten beim Aufbau atomarer Fachkenntnisse helfen, wie es in der Vergangenheit mutmaßlich bereits geschah.

Nordkoreas Säbelrasseln in den vergangenen Jahrzehnten

Januar 1951:

Auftakt eines verbalen Feldzuges: Ein halbes Jahr nach Nordkoreas Invasion des Südens bezeichnet Staatsgründer Kim Il Sung die südkoreanischen Soldaten und die US-Truppen als Invasoren. Er schwört, die Feinde des Nordens zu vernichten.

Januar 1952:

Kim Il Sung bezeichnet die US-Truppen als Nazis und verspricht, der Krieg werde sie in ein Massengrab bringen.

Mai 1972:

In einem Interview mit der „New York Times“ sagt Kim Il Sung, sein Land bereite sich fortwährend auf einen Krieg vor. „Diese Angelegenheit verschleiern wir nicht“, sagt er.

März 1993:

Aus Protest gegen ein gemeinsames Manöver der USA und Südkoreas erklärt Nordkorea einen „halben Kriegszustand“. Der Streit über sein Atomprogramm steckt in einer Sackgasse und die Regierung in Pjöngjang droht mit einem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.

1994:

Ein nordkoreanischer Unterhändler droht, Seoul in ein „Meer aus Feuer“ zu tauchen. Aus Angst vor einem Krieg stürmen die Südkoreaner die Supermärkte und decken sich in Hamsterkäufen mit Fertignudeln, Wasser- und Gasvorräten ein.

September 1996:

Nordkoreanische Agenten dringen mit einem U-Boot in südkoreanische Gewässer ein und werden gefangen oder getötet. Der Norden kündigt „hundertfache und tausendfache Vergeltung“ an.

Januar 2002:

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea zusammen mit dem Iran und dem Irak zur „Achse des Bösen“. Pjöngjang reagiert, die Äußerungen seien „kurz vor einer Kriegserklärung“. Das Außenministerium zeigt Zähne und verspricht, niemals die „rücksichtslosen Versuche“ zu tolerieren, Nordkorea „mit Waffengewalt zu ersticken“.

Januar 2010:

Auf einen mutmaßlichen Katastrophenplan der südkoreanischen Regierung gegen mögliche Unruhen im Norden reagiert Nordkorea mit der Drohung eines „Heiligen Kriegs der Vergeltung“.

Mai 2010:

Die Fronten verhärten sich. Südkorea wirft dem Norden vor, mit einem Torpedo ein Kriegsschiff des Südens versenkt zu haben. 46 Seeleute sterben. Nordkorea reagiert gereizt und warnt vor einem „umgehenden Schlag“. Im November greifen nordkoreanische Truppen eine Insel an und töten vier Südkoreaner.

November 2011:

Nordkorea will ein Manöver des Südens nicht hinnehmen und nimmt den Präsidentenpalast in Seoul verbal ins Visier. Er soll erneut in ein „Meer aus Feuer“ getaucht werden.

April 2012:

Südkoreas konservativer Präsident Lee Myung Bak wird als „Ratte“ bezeichnet, die von einem „Blitz der Vergeltung“ erschlagen werden sollte.

Juni 2012:

Nordkoreas Artillerie zielt angeblich auf südkoreanische Medien und will damit kritische Berichterstattung aus dem Süden eindämmen. Ein „gnadenloser Heiliger Krieg“ steht im Raum.

Oktober 2012:

Die Angst vor einer Invasion aus dem Süden geht angesichts eines Raketenabkommens zwischen Washington und Seoul um. Die USA befänden sich in der Reichweite nordkoreanischer Raketen, warnt ein nicht identifizierter Sprecher des Nordens.

Pjöngjang braucht nach eigenen Angaben Atomwaffen wegen der als feindlich betrachteten Haltung der USA, die das Ziel habe, in Nordkorea einzumarschieren. Nach Ansicht der USA, Südkoreas und anderer Staaten verfolgt das Land damit das Ziel, Unterstützung und andere Zugeständnisse zu erhalten. Sogar China, der wichtigste Verbündete des Landes, wendet sich gegen dessen atomare Ambitionen. Der Verkauf von Nuklearmaterial bringt Nordkorea Geld ein, das wiederum in die weitere Entwicklung von Waffen gesteckt werden kann, wie der Experte Shin Beomchul vom Koreanischen Institut für Verteidigungsanalysen in Seoul sagt. Seine wachsenden Fähigkeiten könnten Nordkorea für Käufer attraktiver machen, besonders dann, wenn sich herausstellen sollte, dass beim Test im Februar hoch angereichertes Uran verwendet wurde.

Kommentare (6)

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armedjihad@dispostable.com

24.03.2013, 11:49 Uhr

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red-crusader@hqdainet.army.mil

24.03.2013, 12:21 Uhr

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Michel

24.03.2013, 13:33 Uhr

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