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11.01.2011

20:03 Uhr

Nach Attentat auf US-Politikerin

Assange wähnt sich in Todesgefahr

VonMatthias Thibaut

Das Attentat auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords liefert Wikileaks-Gründer Julian Assange neue Argumente gegen seine drohende Auslieferung. Die Anwälte des Wikileaks-Gründers nutzen den Anschlag und rücken Todesdrohungen aus den USA gegen ihren Mandanten nun in den Mittelpunkt ihrer Verteidigung.

Julian Assange: Die Anwälte des Wiki-Leaks-Gründers mutmaßen, dass Schweden ihren Mandanten an die USA ausliefern wird. DAPD

Julian Assange: Die Anwälte des Wiki-Leaks-Gründers mutmaßen, dass Schweden ihren Mandanten an die USA ausliefern wird.

LONDON. Dies wurde am Dienstag bei einer Anhörung vor einem Londoner Gericht deutlich. Das eigentliche Auslieferungsverfahren soll am 7. Februar beginnen.

Schweden fordert von Großbritannien, Assange auszuliefern, weil zwei Schwedinnen ihm sexuelle Nötigung vorwerfen. Assanges Verteidiger sehen in dem Antrag aber den Versuch, eine Auslieferung in die USA vorzubereiten. Die Internetplattform Wikileaks hatte Washington zuvor mit der Veröffentlichung von geheimer Diplomatenkorrespondenz und Dokumenten über die Kriege im Irak und in Afghanistan in Erklärungsnöte gebracht. US-Generalstaatsanwalt Eric Holder bestätigte, dass gegen Assange ermittelt wird. Das Netzwerk Twitter wurde gerichtlich aufgefordert, Personaldaten von Wikileaks-Mitarbeitern herauszugeben.

In der zehnminütigen Anhörung vor Gericht betonte Assange am Dienstag, er sei bereit, den Kampf gegen seine Auslieferung nach Schweden aufzunehmen. Bis zum Prozess muss der Australier unter strengen Kautionsauflagen im Landschloss eines Freundes in Norfolk leben.

Assanges Anwälte mutmaßen, dass Schweden ihren Mandanten an die USA ausliefern wird. Die erforderliche Vernehmung wegen der Vorwürfe der sexuellen Nötigung könne ebenso gut in Großbritannien stattfinden. Sollte Assange in die USA ausgeliefert werden, schwebe er in Todesgefahr, sagte Staranwalt Geoffrey Robertson. So wird in dem Papier der Verteidigung etwa die Forderung der ultrakonservativen US-Politikerin Sarah Palin zitiert, Assange "wie El-Kaida - und Taliban-Führer zu jagen". Auf amerikanischen Internetseiten wird zudem offen Assanges Ermordung gefordert, was nach dem Attentat von Arizona zusätzliche Brisanz gewinnt.

Nach seiner Anhörung betonte Assange vor Journalisten, dass seine Enthüllungsplattform auch künftig Geheimdokumente veröffentlichen werde. "Unsere Arbeit mit Wikileaks geht unvermindert weiter." Das Tempo der Veröffentlichung von brisanten Materialien werde noch beschleunigt. Allerdings musste Assange in den vergangenen Tagen in Interviews zugeben, dass seinem Internetdienst langsam das Geld ausgeht. "Wir verlieren jede Woche bis zu 500 000 Euro", sagte er dem französischen Radiosender Europa 1. "Vielleicht müssen wir schließen."

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