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26.07.2013

19:39 Uhr

Nach Attentat

Großdemonstrationen in Tunis

Tausende Oppositionelle sind in Tunis auf die Straße gegangen, nachdem schon der zweite Politiker aus ihren Reihen innerhalb von sechs Monaten Opfer eines Attentats wurde. Die USA sehen die Demokratie im Land gefährdet.

Beide Oppositionelle wurden anscheinend mit der selben Waffe ermordet. ap

Beide Oppositionelle wurden anscheinend mit der selben Waffe ermordet.

TunisNach der Ermordung eines zweiten Oppositionspolitikers binnen sechs Monaten wachsen in Tunesien die Spannungen zwischen den Anhängern der moderat-islamischen Regierung und der westlich orientierten Opposition. Tausende Oppositionelle gingen am Freitag in Tunis auf die Straße und forderten die Absetzung der Regierung. "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbruderschaft", skandierten sie. Auch Anhänger der regierenden Ennahda-Partei, die sich an den Muslimbrüdern orientiert, formierten sich zu Tausenden. Der am Donnerstag vor seinem Haus erschossene Mohamed Brahmi wurden nach Regierungsangaben mit derselben 9mm-Waffe getötet wie im Februar der Oppositionspolitiker Chokri Belaid. Innenminister Lotfi Ben Jeddou machte eine radikale Salafistengruppe für die Attentate verantwortlich.

„Das Volk will Ennahda weiter“ - „Kein Putsch gegen die Demokratie“, skandierten die Regierungstreuen in Anspielung auf Ägypten, wo das Militär den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt hat. Ennahda-Chef Rached Ghannouch sagte Reuters, Partei und Regierung würden durchhalten. „Tunesien wird nicht dem ägyptischen Muster folgen“, sagte er.

Nach Mord an Oppositionsführer: Tausende Menschen in Tunesien demonstrieren

Nach Mord an Oppositionsführer

Tausende Menschen in Tunesien demonstrieren

In Tunesien wurde zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Oppositionspolitiker erschossen. Im Geburtsland des Arabischen Frühlings flammen daher die Proteste wieder auf. Tausende Menschen fordern den Rücktritt der Regierung.

Die weltlich ausgerichtete Opposition verlangt den Rücktritt der Regierung und die Bildung einer Regierung der nationalen Rettung. Ministerpräsident Ali Larayedh hat dies zurückgewiesen. Seit dem Sturz des Machthabers Zine al-Abidine Ben Ali im Januar 2011, der den sogenannten Arabischen Frühling einleitete, haben die Spannungen zwischen Islamisten und der weltlich orientierten Opposition stetig zugenommen.

Schon am Donnerstagabend waren Regierungsgegner vor das Innenministerium in Tunis gezogen, wo sie von Bereitschaftspolizei mit Tränengas auseinandergetrieben wurden. Ähnliche Demonstrationen wurden aus den Städten Sfax, Kef und aus der Stadt Sidi Bouzid gemeldet, wo die tunesische Revolution ihren Ursprung hatte. Dort zündeten Demonstranten zwei Büros der Ennahda-Partei an.

Innenminister benennt Hauptverdächtigen

Innenminister Jeddou nannte den Salafisten Boubacar Hakim als Hauptverdächtigen in den Mordfällen Brahmi und Belaid. Hinweise auf eine Verwicklung politischer Parteien in die Mordfälle gebe es nicht, sagte der Minister. Brahmi soll am Samstag direkt neben dem Grab Belaids beigesetzt werden. Präsident Moncef Marzouki wies die Armee an, ein Staatsbegräbnis zu organisieren.

Deutschland und die USA riefen die tunesische Regierung dazu auf, die junge Demokratie im Land zu verteidigen. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte das Attentat auf Brahmi scharf und erklärte, Regierung, Opposition und Gesellschaft des nordafrikanischen Landes müssten am demokratischen Wandel festzuhalten. Die US-Regierung forderte die tunesische Regierung auf, umfassende Ermittlungen in die Wege zu leiten, damit die Täter zügig zur Rechenschaft gezogen werden könne.

Von

rtr

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