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16.06.2016

21:36 Uhr

Nach Attentat

Obama besucht Überlebende von Terrorattacke

Wieder ist Präsident Barack Obama an den Ort einer schrecklichen Bluttat gereist; wieder wird in den USA über schärfere Waffengesetze diskutiert. Die Demokraten bekommen dabei ungewöhnliche Unterstützung.

Am Flughafen überreicht Orlandos Bürgermeister, Buddy Dyer, dem US-Präsidenten Barack Obama ein T-Shirt, auf dem ein Herz in Regenbogenfarben und die Aufschrift „#OrlandoUnited“ abgebildet sind. AP

Barack Obama / Buddy Dyer

Am Flughafen überreicht Orlandos Bürgermeister, Buddy Dyer, dem US-Präsidenten Barack Obama ein T-Shirt, auf dem ein Herz in Regenbogenfarben und die Aufschrift „#OrlandoUnited“ abgebildet sind.

OrlandoUS-Präsident Barack Obama hat Orlando besucht, um sich mit Überlebenden und Hinterbliebenen der Terrorattacke vom Wochenende zu treffen. Obama wolle mit dem Besuch zeigen, dass die Amerikaner Seite an Seite mit den Menschen in Florida stünden, sagte sein stellvertretender Sprecher Eric Schultz. Eine große Rede war nicht geplant. Begleitet wurde Obama am Donnerstag von Vize-Präsident Joe Biden.

Der 29-jährige Omar Mateen, ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte in Orlando in der Nacht zum Sonntag in einem Club für Schwule und Lesben 49 Menschen getötet und 53 verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Der Bürgermeister der Stadt, Buddy Dyer, begrüßte Obama am Flughafen mit einem T-Shirt, auf dem ein Herz in Regenbogenfarben und die Aufschrift „#OrlandoUnited“ abgebildet waren.

Obama hatte sich unmittelbar nach der Tat sichtlich erschüttert gezeigt und vom schlimmsten Verbrechen eines einzelnen Schützen gesprochen. Es mache einmal mehr klar, wie leicht man in den USA an verheerende Waffen komme. Er forderte, das Verbot von „kriegsähnlichen“ Waffen wie dem in Orlando verwendeten Gewehr zu erneuern.

Was über das schlimmste US-Massaker bekannt ist

Opfer

Mindestens 50 Menschen sind tot. 53 wurden verletzt, die meisten von ihnen befanden sich am Sonntag noch in kritischem Zustand. Die Opferzahl dürfte laut den behandelnden Ärzten noch steigen.

Der Schütze

Der 29-jährige Omar M. ist US-Bürger, wurde in New York geboren und hat afghanische Wurzeln. Er lebte in Fort Pierce fast 200 Kilometer südlich von Orlando und arbeitete seit 2007 für den privaten Sicherheitsdienst G4S. Deshalb hatte er auch eine Schusswaffenlizenz. Zweimal, 2013 und 2014, nahm das FBI Ermittlungen gegen ihn auf, stellte sie aber wieder ein. Im ersten Fall ging es um aufhetzerische Aussagen gegenüber Arbeitskollegen, im zweiten um seine möglichen Verbindungen zu einem amerikanischen Selbstmordattentäter.

Motiv

Ermittlern zufolge rief er vor der Tat beim Polizei-Notruf an und bekannte sich zur Terrormiliz Islamischer Staat. Der Vater des Angreifers schloss einen religiösen Hintergrund aus, deutete aber an, dass sein Sohn von Schwulenhass getrieben gewesen sein könnte. M. sei vor zwei Monaten wütend geworden, als er gesehen habe, dass sich zwei Männer küssten, sagte der Vater dem Sender MSNBC.

Was ist passiert

Der Angreifer Omar M. kam am Sonntag gegen zwei Uhr früh mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet in den gut besuchten Schwulenclub Pulse in Orlando und eröffnete das Feuer. Wenig später lieferte er sich laut der Polizei ein Feuergefecht mit einem Sicherheitsbeamten des Clubs. Daraufhin sei der Schütze in das Gebäude zurückgegangen und habe Geiseln genommen. Eine Spezialeinheit der Polizei stürmte Stunden später den Club und tötete Omar M.

Obama tritt seit längerem für schärfere Waffengesetze ein; scheitert dabei aber regelmäßig am Kongress, in dem die Republikaner die Mehrheit haben. Mateen verübte die Tat mit einem Gewehr und einer Pistole, die er kurz zuvor legal erwarb. Vor einigen Jahren war er mehrfach vom FBI überprüft worden. Deshalb flammte die Diskussion über das Waffenrecht neu auf.

Der demokratische Senator Chris Murphy warb in der Nacht zu Donnerstag mit einem emotionalen Redemarathon für eine Gesetzesinitiative. Damit soll verhindert werden, dass Menschen, die auf einer Terror- oder Flugverbotsliste geführt werden, Waffen kaufen können.

Unterstützung bekommen die Demokraten dabei ausgerechnet von dem wahrscheinlichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Er will sich mit der mächtigen Waffenlobby NRA treffen, um über das Thema „No Fly, No Buy“ zu reden.

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14 Stunden lang redete Chris Murphy vor dem US-Kongress, bis die Republikaner einknickten: Die Demokraten erreichten mit der Marathonsitzung, dass das Waffenrechts verschärft wird – wenn auch nur für Terrorverdächtige.

Die Ermittler waren unterdessen weiter damit beschäftigt, das Bewegungsbild des Täters nachzuzeichnen. Sicherheitsbehörden und Facebook prüfen Bekenner-Nachrichten, die er vor und während seines Angriffs in dem Nachtclub in dem Netzwerk veröffentlicht haben soll. Der Vorsitzende des Heimatschutzkomitees im US-Senat, Ron Johnson, bat Facebook in einem Brief um die Einordnung von Postings, die vom Accounts des Täters stammen sollen.

Demnach hat Mateen auf Facebook dem Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, seine Gefolgschaft geschworen und weitere IS-Anschläge in den USA angekündigt. „Die wahren Muslime werden die dreckigen Weisen des Westens niemals akzeptieren“, soll ein Facebook-Eintrag dem Brief zufolge lauten.

CIA-Direktor John Brennan sagte am Donnerstagmorgen in Washington, man habe keine Verbindungen zwischen dem Attentäter und einer ausländischen terroristischen Organisation gefunden. „Wie wir in Orlando, San Bernardino und anderswo sehen, versucht ISIL, Sympathisanten zu Attacken zu inspirieren, die keine direkte Verbindung zu der Gruppe haben.“ ISIL ist eine andere Bezeichnung für den Islamischen Staat.

Von

dpa

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