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28.04.2012

04:17 Uhr

Nach Bombenanschlägen

Bosbach fordert Sicherheitsgarantie für EM

Am Freitag hat eine Anschlagserie die Ukraine erschüttert. Oppositionspolitiker beschuldigen die Regierung eines Komplotts. Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise - sechs Wochen vor der Fußball-EM.

Polizisten bei einem Anti-Terrortraining vor dem Stadion in Kiew. dapd

Polizisten bei einem Anti-Terrortraining vor dem Stadion in Kiew.

Kiew/BerlinNach der Serie von Bombenanschlägen in der Ukraine hat der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), das Land aufgefordert, die Sicherheit für Spieler und Fans bei der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft zu gewährleisten. „Die Anschläge sind aber kein Grund, an der Fußball-EM nicht teilzunehmen“, sagte Bosbach der Zeitung „Die Welt“.

Die Ukraine und Polen sind Gastgeberländer der Fußball-EM vom 8. Juni bis 1. Juli. Bombenanschläge im Osten der Ukraine haben sechs Wochen vor Beginn der Fußballveranstaltung Fragen aufkommen lassen, wie es um die Sicherheit in dem Land bestellt ist. Bei vier Explosionen in der Stadt Dnipropetrowsk, in der keine EM-Spiele ausgetragen werden, wurden am Freitag mindestens 27 Menschen verletzt, darunter neun Schulkinder.

Explosionen in der Ukraine

Video: Explosionen in der Ukraine

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Die erste Explosion ereignete sich ukrainischen Angaben zufolge an einer Straßenbahnhaltestelle, die zweite vor einem Kino. Der dritte Sprengsatz detonierte vor einem Bahnhof, eine vierte Explosion wurde ebenfalls im Stadtzentrum gehört. Dnipropetrowsk ist die Geburtsstadt der ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko.

Timoschenko verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Machtmissbrauchs. An diesem Samstag setzt die Justiz in der Stadt Charkow ungeachtet der massiven Proteste auch aus Deutschland einen zweiten Prozess gegen die 51-Jährige fort, allerdings in Abwesenheit der erkrankten Timoschenko. Der Oppositionsführerin drohen wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung weitere zwölf Jahre Haft. Im Westen wurde der Prozess gegen sie als politisch motiviert kritisiert. Sie befindet sich derzeit im Hungerstreik und ist offenbar ernstlich krank.

Mit Blick auf die politische Debatte um die Timoschenkos Behandlung sagte Bosbach: „Entscheidend ist, dass Europa dem Regime in der Ukraine jetzt entschlossen und geschlossen entgegentritt. Es muss klargemacht werden, dass die Zustände nicht nur für die eigene Bevölkerung unzumutbar sind, sondern für Europa als Staaten- und Wertegemeinschaft.“

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Angesichts der Explosionen in Dnipropetrowsk gingen die Behörden in Kiew von einem Terrorakt aus, ein Bekennerschreiben lag zunächst allerdings nicht vor. „Diese Terroristen wollen Chaos anrichten, aber wir werden sie schnell finden und ihrer gerechten Strafe zuführen“, kündigte Regierungschef Nikolai Asarow an.

Die Opposition erhob schwere Vorwürfe gegen Präsident Viktor Janukowitsch: Sie vermutet, die Anschläge könnten von der Regierung initiiert worden sein, um vom Fall Timoschenko abzulenken. Janukowitsch sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die besten Ermittler seien mit dem Fall befasst. Die Vorwürfe der Opposition kommentierte sein Büro nicht.

Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise für die Ukraine und rät Touristen, „besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen“. Eine Sprecherin sagte, die Bundesregierung sei betroffen, die Hintergründe müssten aufgeklärt werden. „Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Kiew beobachten die Lage und weitere Entwicklungen sehr aufmerksam.“

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

28.04.2012, 03:39 Uhr

Können nur hoffen, daß diesmal Moral und Mneschnerechte vor Geld gehen, d.h. daß die EM boykottiert wird durch viele Länder und deren Nationalmannschaften!
Weiß, daß das ein frommer Wunsch ist, denn die Völker wollen Brot und Spiele, egal in welchem Land unter welcher Diktatur und letztendlich geht's nur ums Geld!
Unrechtssysteme, wo Menschen unterdrückt werden wie in Nordkorea, Syrien, Israel etc. bieten sich doch geradezu an für neue Spiele, da der Sport ja angelich unpolitisch ist!
Es wäre die allergrößte Schande, wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Ukraine antreten würden, und würde nur noch getoppt werden, sollte Merkel oder ein anderer deutscher Politiker auch noch dorthin reisen!

Account gelöscht!

28.04.2012, 08:26 Uhr

Bosbach fordert Sicherheitsgarantie vor Terroranschlägen.Man was für ein Genie.
Aber warum denn nicht?Also ich fordere das Ende aller Ungerechtigkeiten auf dieser Welt und den Menschen ein Wohlgefallen.Na,wie wär´s.Alle Probleme gelöst,oder?

Harlemjump

28.04.2012, 08:35 Uhr


Der korrupte Fußballverband hätte die EM nie an die Ukraine vergeben dürfen.

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