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12.03.2016

17:21 Uhr

Nach chaotischen Szenen in Chicago

Trump sagt auch Wahlkampfauftritt in Ohio ab

Der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat nach Chicago einem Medienbericht zufolge auch eine Wahlkampfveranstaltung in Ohio abgesagt. In Chicago kam es zu Rangeleien zwischen Anhängern und Gegnern von Trump.

In Chicago standen sich tausende Anhänger und Gegner von Trump in aufgeheizter Stimmung gegenüberstanden, es kam zu Rangeleien. AP

Chaotische Szenen in Chicago

In Chicago standen sich tausende Anhänger und Gegner von Trump in aufgeheizter Stimmung gegenüberstanden, es kam zu Rangeleien.

Der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat nach Chicago einem Medienbericht zufolge auch eine Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Ohio aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die Webseite Cincinnati.com zitierte einen lokalen Sprecher der Trump-Kampagne, wonach die Sicherheitsvorkehrungen in der vorgegebenen Zeit nicht mehr zu schaffen seien. Am Freitagabend hatte der in den Vorwahlen bei den Republikanern führende Trump eine Rede in Chicago abgesagt, nachdem sich Tausende Anhänger und Gegner in aufgeheizter Stimmung gegenüberstanden und es auch zu Rangeleien kam. In Ohio und vier anderen Bundesstaaten finden am Dienstag Vorwahlen statt.

Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber haben dem umstrittenen Immobilien-Milliardär eine Mitschuld für die Gewalt bei einem geplanten Wahlkampfauftritt in Chicago gegeben. Nach chaotischen Szenen wurde die Veranstaltung am Freitagabend abgesagt, noch bevor Trump auf die Bühne kommen sollte. Immer wieder werden seine Auftritte gestört, worauf der Quereinsteiger - bekannt für Beleidigungen von Frauen oder Muslimen - oft mit aggressiven Worten reagiert. Trump führt bei den Republikanern deutlich in den Vorwahlen und könnte am Dienstag seine Führung beim „Super Tuesday II“ noch ausbauen. Dann geht es unter anderem um die Schlüsselstaaten Florida und Ohio.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Die Trump-Rivalen Ted Cruz und Marco Rubio nannten den Vorfall in Chicago „traurig“. Kandidaten verdienten Respekt. Sie warfen ihm aber auch vor, die Stimmung stets aufzuheizen. Cruz, ein erzkonservativer Senator aus Texas, sagte, Trumps Kampagne fördere ein Umfeld, das zu einem solch „hässlichen Diskurs“ führe. Rubio, der Senator aus Florida, sparte allerdings auch nicht mit Kritik an den Demonstranten. „Fox News“ sagte er, einige würden womöglich sogar dafür bezahlt.

Bei der Veranstaltung in Chicago im Bundesstaat Illinois, wo am Dienstag ebenfalls Vorwahlen anstehen, gab es Rangeleien. Tausende Menschen - Gegner und Unterstützer Trumps - standen sich in aufgeheizter Stimmung gegenüber. In einer Mitteilung seines Wahlkampfteams hieß es, Trump habe sich nach seiner Ankunft in der Stadt mit Sicherheitskräften besprochen und entschieden, den Auftritt aus Sicherheitsgründen abzusagen. Er soll nun an einem anderen Tag stattfinden. Nach der Absage skandierten zahlreichen Menschen Parolen wie „Wir sind Trump losgeworden“ („We dumped Trump!“), andere wiederum riefen „Wir wollen Trump!“ („We want Trump!“).

Auf Fernsehbildern waren sich prügelnde Menschen zu sehen. Ein Mann drang bis zum Rednerpult vor und entzog sich mehrfach dem Zugriff von Sicherheitskräften, bevor er abgeführt wurde. Ein anderer versuchte, einer Person die amerikanische Flagge aus den Händen zu reißen. Nach der Absage des Auftritts war die Polizei damit beschäftigt, zahlreiche aufgebrachte Unterstützer beider Seiten auseinanderzuhalten. Zwei Polizisten wurden nach Angaben eines Sprechers verletzt.

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Trumps Auftritte rufen in der Regel einige Demonstranten auf den Plan, nicht aber so viele wie in Chicago, wo laut Polizei auch versucht wurde, eine Schnellstraße zu blockieren. Am Freitag war Trump zuvor schon in St. Louis, Missouri, mehrfach durch Zwischenrufe bei einer Rede gestört worden. Als einer der Demonstranten von Sicherheitskräften aus dem Saal geführt wurde, rief Trump: „Geh nach Hause zu deiner Mami.“

Der Präsidentschaftsbewerber punktet vor allem mit Kritik an der politischen Elite in Washington. Seine Wortwahl polarisiert aber immer wieder. Im Visier hat er vor allem Muslime und Einwanderer, aber auch die Europäische Zentralbank und Bundeskanzlerin Angela Merkel wurden bereits scharf angegriffen.

Von

rtr

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