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13.03.2012

21:57 Uhr

Nach dem Amoklauf

Obama betont Erfolge in Afghanistan

Die USA wollen trotz des Amoklaufs eines US-Soldaten an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten, sagt Verteidigungsminister Panetta. US-Präsident Barack Obama will wegen des Übergriffs des Soldaten durchgreifen.

US-Präsident Barack Obama dapd

US-Präsident Barack Obama

Washington / KabulUS-Präsident Barack Obama hat nach dem von einem US-Soldaten verübten Massaker an afghanischen Zivilisten eine harte Bestrafung des mutmaßlichen Täters zugesichert. Die USA würden „alle Kraft“ des Gesetzes anwenden, um den Amokläufer zur Verantwortung zu ziehen, sagte Obama am Dienstag in Washington. Am Tatort wurde beim Angriff auf eine Untersuchungkommission ein afghanischer Soldat getötet.

Obama sagte zu dem Amoklauf, der in Afghanistan einen Sturm der Entrüstung auslöste: „Die USA nehmen das ebenso ernst, wie wenn unsere Bürger und unsere Kinder getötet worden wären.“ Er erklärte aber nichtsdestoweniger, er sei trotz des verheerenden Vorfalls zuversichtlich, dass Washington den Einsatz in Afghanistan erfolgreich weiterführen und beenden werde.

Der britische Premier Cameron mit US-Präsident Obama AFP

Der britische Premier Cameron mit US-Präsident Obama

Gemeinsam mit dem britischen Premierminister David Cameron, der am Mittwoch mit Obama zusammentrifft, äußerte sich der US-Präsident zudem in einem Zeitungsbeitrag zu internationalen Fragen. In dem in der „Washington Post“ veröffentlichten Leitartikel bekräftigten die beiden Politiker, sie seien „stolz auf die erreichten Fortschritte“ in Afghanistan. Das betreffe vor allem die „Zerschlagung von Al-Kaida, die Eindämmung der Kraft der Taliban und die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte“.

Am Sonntag hatte ein Soldat in der südafghanischen Provinz Kandahar, einer Hochburg der radikalislamischen Taliban, ein Massaker an Dorfbewohnern verübt. Im Morgengrauen brach er in dem Ort Nadschiban in ihre Häuser ein und tötete 16 Menschen, darunter drei Frauen und neun Kinder. Bei den Ermittlungen gegen den beschuldigten US-Soldaten ist nach Angaben aus Militärkreisen ein hinreichender Tatverdacht festgestellt worden. Eine entsprechende 48-stündige Prüfung sei abgeschlossen worden, teilte US-Militärsprecher Gary Kolb am Dienstag in Kabul mit.

Bei einer Trauerfeier für die Opfer hätten Unbekannte das Feuer eröffnet, sagte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums. An der Zeremonie nahmen auch Mitglieder der Regierungdelegation teil, die den Vorfall untersuchen sollen. Ein Soldat wurde getötet, ein Polizist verletzt. In der ostafghanischen Stadt Dschalalabad demonstrierten am Dienstag etwa 400 Studenten gegen die USA. Sie riefen US-feindliche Parolen wie „Tod für Amerika - Tod für (Präsident Barack) Obama“, wie Zeugen berichteten. Der „Heilige Krieg“ sei der „einzige Weg“, die US-Truppen zu vertreiben, verkündeten sie demnach bei dem ersten Protestzug seit dem Amoklauf.

Die USA wollen trotz des Amoklaufs an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten. Der Vorfall dürfe die Mission nicht „untergraben“, sagte Verteidigungsminister Leon Panetta. Der Soldat werde vor ein Militärtribunal gestellt und müsse mit der Todesstrafe rechnen. Nach Angaben des Pentagons leidet der Mann unter einem Schädel-Hirn-Trauma.

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