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12.10.2015

17:19 Uhr

Nach dem Anschlag

Die Türkei wird zum Schlachtfeld

VonGerd Höhler

Mit dem Bombenanschlag in der Türkei wird das Land zum Kriegsschauplatz. Der Anschlag spielt Staatspräsident Erdogan in die Hände. Dabei scheint er gar nicht zu begreifen, was sich da in seinem Land anbahnt.

Nach den Bombenexplosionen in Ankara am Samstag sichern die türkischen Ermittler die Spurten. dpa

Suche nach den Tätern

Nach den Bombenexplosionen in Ankara am Samstag sichern die türkischen Ermittler die Spurten.

AthenDie Hinweise, dass die Terrormiliz des Islamischen Staats (IS) hinter dem Blutbad von Ankara steckt, verdichten sich. Der von türkischen Kurdenpolitikern geäußerte Verdacht, die islamisch-konservative Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan habe von den Anschlagsplänen gewusst und das Attentat nicht verhindert, ist so ungeheuerlich, dass man ihn kaum auszusprechen wagt. Dass solche Spekulationen nun ins Kraut schießen, ist allerdings nicht ganz unbegründet.

Man erinnere sich daran, dass die Regierung den IS im türkisch-syrischen Grenzgebiet lange ungestört gewähren ließ. Verwundete IS-Kämpfer wurden in staatlichen türkischen Hospitälern kostenlos verarztet. Die Dschihadisten konnten die Grenze ungehindert überqueren und die Südosttürkei als Transitkorridor für im Westen rekrutierte Kämpfer nutzen. Türkische Oppositionspolitiker glauben sogar Beweise dafür zu haben, dass der türkische Geheimdienst ganze Lkw-Konvois mit Waffen für den IS aus der Türkei über die syrische Grenze lotste. Die von Selahattin Demirtas, dem Vorsitzenden der pro-kurdischen Partei HDP, jetzt in den Raum gestellte Frage, ob der omnipräsente türkische Geheimdienst MIT von den Anschlagsplänen wirklich nichts mitbekommen hat, ist daher berechtigt.

Auch wenn man das als eine Verschwörungstheorie abtut, so ist doch offensichtlich: Der Anschlag spielt Erdogan in die Hände. Wenn die Regierung nun – wie es Erdogan, Premierminister Ahmet Davutoglu und Umweltminister Veysel Eroglu bereits wenige Stunden nach den Explosionen taten – die kurdische PKK als wahrscheinliche Hintermänner an den Pranger stellt, dann schürt sie damit jene innenpolitische Polarisierung, von der Erdogan und seine islamisch-konservative AKP bei der Parlamentswahl am 1. November zu profitieren hoffen. So stigmatisiert man die pro-kurdische Partei HDP, die als politischer Arm der PKK gilt, als terroristische Vereinigung, die nicht einmal davor zurückschreckt, ihre eigenen Leute abzuschlachten, um aus der Opferrolle politisches Kapital zu schlagen.

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Die HDP ist Erdogans Hauptgegner in diesem Wahlkampf. Ihr Einzug ins Parlament bei der vorangegangenen Wahl im Juni kostete die AKP die absolute Mehrheit und vereitelte den Plan des Präsidenten, sich mit einer Verfassungsreform zum allmächtigen Staatschef aufzuschwingen. Bei der Wahl in zweieinhalb Wochen hofft die AKP, die absolute Mehrheit zurückzuerobern. Funktionieren wird das aber nur, wenn man die HDP schwächt oder am besten gleich ganz aus dem Parlament vertreibt. Erdogan versucht das mit Strafverfahren gegen führende HDP-Politiker – und indem er militante Kurden als Anstifter des Anschlags von Ankara hinstellt.

Kommentare (32)

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Herr Paul Oberste

12.10.2015, 17:24 Uhr

Erdogan macht fast alles richtig. Das ist alles heisse Luft von miserabel bezahlten Journalisten. Es heisst nicht umsonst ... Lügenpresse!

Frau Monika Forro

12.10.2015, 17:33 Uhr

@Herr Oberste

Wenn Sie davon überzeugt sind, dass Erdogan fast alles richtig macht, was hält sie dann noch in Deutschland.

Seien Sie sich aber sicher, dass Sie in der Türkei nach dem Muster von Pegida nicht auf die Strasse gehen könnten und ganz schnell selbst zu einem Asylsuchenden in Europa würden. In der Türkischen Gefängnissen gehört Folter etc. noch durchaus zur Tagesordnung. Mit solchen verharmlosenden Äußerungen, wie Sie sie tätigen, sollte man sehr vorsichtig sein.

Frau Monika Forro

12.10.2015, 17:38 Uhr

Und wenn Sie meinen, dass Korruption, wie sie sich bei Erdogan als Roter Faden durch seine gesamte Politik zieht, richtig sei, dann sollten Sie sich möglicherweise etwas besser informieren! Das ist die sogenannte "Lügenpresse" eine hilfreiche authentische Quelle und nix "Lügenpresse". Ansonsten machen Sie mal Urlaub in der Türkei, aber nicht zum "Bräunen", sondern da wo Sie die Türkei und ihre Probleme kennenlernen können!

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