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23.01.2013

11:28 Uhr

Nach dem Arabischen Frühling

Jordanien wählt neues Parlament

Drei Millionen Jordanier wählen seit dem Morgen ein neues Parlament. Die Wahlen sind ein wichtiger Bestandteil der Reformen nach dem Arabischen Frühling, die neuen Abgeordneten erhalten mehr Rechte als bisher.

Jordaniens Wähler klagen über die hohe Anzahl der Kandidaten – und deren dürres Wahlprogramm. dpa

Jordaniens Wähler klagen über die hohe Anzahl der Kandidaten – und deren dürres Wahlprogramm.

Istanbul/AmmanZum ersten Mal seit dem Arabischen Frühling wird in Jordanien ein neues Parlament gewählt. Trotz technischer Probleme hätten in den ersten zwei Stunden nach Öffnung der Wahllokale schon 125.000 Jordanier und damit knapp fünf Prozent der 2,3 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme abgegeben, sagte der Vorsitzende der Wahlkommission, Abdul Illah Chatib. 1.425 Kandidaten stehen zur Wahl. Die Abgeordneten sollen künftig das Recht haben, die Regierungsmitglieder auszuwählen. Das war bisher dem König vorbehalten.

Die Parlamentswahl ist ein wichtiger Bestandteil der Reformen, mit der Abdullah II. das Land aus der Krise führen und das Volk besänftigen will. Der oppositionellen Muslimbruderschaft reicht das nicht aus - sie hat zum Wahlboykott aufgerufen. Sie fordert unter anderem ein neues Wahlgesetz. 47.000 Sicherheitskräfte sollen für einen störungsfreien Verlauf der Wahl sorgen. Das vorige Parlament hat der König im vergangenen Oktober aufgelöst.

Jordaniens Wähler klagen vor jeder Wahl über die dürren Visionen der Kandidaten. Bei der Parlamentswahl an diesem Mittwoch hat einer der Kandidaten zumindest einen hohen Unterhaltungswert. Der 60 Jahre alte Ex-Bodybuilder Schibli Haddad bewirbt sich in der Provinzstadt Madaba um ein für Christen reserviertes Mandat.

In der Öffentlichkeit zeigt er sich stets mit Sonnenbrille und pechschwarzer Perücke. Sollte er ins Unterhaus einziehen, will sich Haddad für die Entdeckung der angeblich großen verborgenen Erdölvorkommen in dem Königreich einsetzen. Zusammen mit jordanischen Musikern hatte der Sohn eines Schmieds einen mit traditionellen Klängen unterlegten Popsong aufgenommen, in dem er die Leute auffordert, zu den Urnen zu gehen.

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