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04.07.2016

20:23 Uhr

Nach dem Brexit

Calais macht Druck auf London

Ein Abkommen zwischen Frankreich und Großbritannien hindert tausende Flüchtlinge an der Weiterreise von Calais auf die Insel. Die Stadt leidet. Lokale Politiker wollen nach dem Brexit-Votum den Vertrag aufkündigen.

Nahe der französischen Grenze harren tausende Flüchtlinge in wilden Camps aus. Sie alle wollen nach Großbritannien. AFP; Files; Francois Guillot

Nächster Halt soll London sein

Nahe der französischen Grenze harren tausende Flüchtlinge in wilden Camps aus. Sie alle wollen nach Großbritannien.

ParisDas Thema Zuwanderung und der Wunsch nach strengeren Grenzkontrollen haben beim Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU eine wichtige Rolle gespielt. Die Bürgermeisterin der nordfranzösischen Stadt Calais hofft, dass die Entscheidung für den Brexit auch umgekehrt Wirkung hat und dabei helfen könnte, ein Abkommen zu kündigen, das Migranten zu Tausenden auf der französischen Seite des Ärmelkanals stranden lässt. Dabei geht es um den französisch-britischen Touquet-Vertrag von 2003.

Er soll Migranten daran hindern, den Kanal zu überqueren. De facto wurde damit die britische Südgrenze nach Nordfrankreich verlagert. Britische Polizisten, Zollbeamte und ihre Spürhunde dürfen seither im Raum Calais arbeiten. Rechtlich werden bilaterale Verträge von einem britischen Austritt aus der EU zwar nicht tangiert. Und bislang haben französische Politiker auch keine Absicht erkennen lassen, den Vertrag aufzulösen. Doch Bürgermeisterin Natacha Bouchart will das Referendum vom 23. Juni als Anlass nehmen, an dem Abkommen zu kratzen und den angeschlagenen Briten Konzessionen abzutrotzen.

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Wegen des Vertrags hätten die Wirtschaft und das Image von Calais gelitten, sagt Bouchart. Ein festungsartiges Abwehrsystem wurde gegen die Tausenden Migranten errichtet, die unter erbärmlichen Bedingungen in einem Elendslager in Calais und nahegelegenen Orten leben. Dort warten sie auf eine Chance, auf Lastwagen durch den Ärmelkanaltunnel oder den Fährhafen nach Großbritannien zu gelangen. Hohe Stacheldrahtzäune durchziehen die Landschaft, Bäume und Büsche wurden gestutzt, um Versteckmöglichkeiten zu reduzieren, Blaulicht der Polizei erleuchtet den nächtlichen Himmel.

„Wir halten es nicht mehr aus. Wir wollen es nicht mehr. Wir haben es satt“, erklärte Bouchart bei einem Treffen mit Innenminister Bernard Cazeneuve nach dem Referendum. Der Minister verwies darauf, dass der Vertrag eine zweijährige Kündigungsfrist habe und ein solcher Schritt die humanitäre Lage in Calais noch verschlimmern würde. Er würde Schleuser ermutigen, das Risiko von Todesfällen unter Migranten würde steigen und die französische Polizei in Calais noch stärker belastet, sagte Cazeneuve.

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