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02.10.2017

12:35 Uhr

Nach dem Referendum

Katalonien bereitet die Unabhängigkeitserklärung vor

Mehr als 2,2 Millionen Katalanen wollen einen eigenen Staat: Nach dem illegalen Referendum über die Trennung von Spanien bereitet Katalonien seine Unabhängigkeitserklärung vor. Auf die EU kommt eine wichtige Aufgabe zu.

Absage an Madrid

Jubel in Katalonien – Wie geht der Kampf um die Unabhängigkeit weiter?

Absage an Madrid: Jubel in Katalonien – Wie geht der Kampf um die Unabhängigkeit weiter?

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BarcelonaNach einem von Polizeigewalt überschatteten und umstrittenen Referendum über die Abspaltung von Spanien ist in Katalonien die Ausrufung eines unabhängigen Staates deutlich näher gerückt. „Wir haben das Recht gewonnen, einen unabhängigen Staat zu haben“, sagte Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont. Für Montagvormittag hat Puigdemont eine Sondersitzung der Regierung einberufen. Das Treffen solle um 10.30 Uhr hinter verschlossenen Türen stattfinden, berichteten spanische Medien.

Für die Unabhängigkeit hätten sich gut 90 Prozent der Wähler ausgesprochen, teilte der Sprecher der separatistischen Regionalregierung, Jordi Turull, in der Nacht zum Montag mit. An der Befragung hätten gut 2,26 Millionen der insgesamt 5,3 Millionen Wahlberechtigten teilgenommen, sagte er. Beim gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegen Wähler wurden am Sonntag fast 900 Menschen verletzt.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach dem vom Verfassungsgericht in Madrid untersagten Referendum am Sonntagabend jede Gültigkeit ab. Er nannte die Abstimmung eine Inszenierung. „Es hat in Katalonien kein Referendum gegeben“, so der konservative Politiker.

Nach dem vom Regionalparlament in Barcelona verabschiedeten „Abspaltungsgesetz“ könnte die Regionalregierung derweil schon innerhalb der nächsten 48 Stunden die Unabhängigkeit ausrufen. Vor Bekanntgabe der offiziellen Resultate hatte der regionale Regierungschef Puigdemont erklärt, er werde die Ergebnisse des Referendums dem katalanischen Parlament zuleiten.

Referendum in Katalonien: 90 Prozent stimmen für Loslösung von Spanien

Referendum in Katalonien

90 Prozent stimmen für Loslösung von Spanien

Kataloniens Separatisten verkünden nach dem umstrittenen Unabhängigkeits-Referendum ihren Sieg. 90 Prozent der Wähler sollen für die Loslösung gestimmt haben. Der Tag war überschattet von massiver Polizeigewalt.

„Wir haben das Recht gewonnen, einen unabhängigen Staat zu haben“, sagte er. Auf dem Platz Placa de Catalunya im Zentrum Barcelonas brachen Zehntausende von Menschen bei diesen Worten in Jubel aus. Sie sangen auch die katalanische Nationalhymne „Els Segadors“.

Das Verfassungsgericht hatte die Abstimmung für illegal erklärt, da das spanische Grundgesetz keine solche Unabhängigkeits-Referenden vorsieht. Barcelona setzte sich jedoch über das Urteil hinweg und rief die Bürger auch gegen den Willen der Zentralregierung zum Votum auf. Madrid entsandte daraufhin tausende Polizisten, um die Abstimmung zu verhindern. Rund 850 Bürger wurden verletzt, nachdem Polizisten Schlagstöcke und Gummigeschosse eingesetzt hatten. Auch 33 Beamte trugen Verletzungen davon.

Die Frage auf den Stimmzetteln lautete: „Wollen Sie, dass Katalonien zu einem unabhängigen Staat in Form einer Republik wird?“ Da die Gegner einer Abspaltung überwiegend nicht zur Wahl gehen wollten, war eine klare Mehrheit für die Loslösung erwartet worden. Bei einer Abspaltung der von ausländischen Touristen meistbesuchten Region des Landes würde das EU-Land auf einen Schlag knapp 20 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verlieren.

Kommentare (63)

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Herr Leo Löwenstein

02.10.2017, 08:40 Uhr

Das wird jetzt interessant.

Da der Westen ja die Freiheit und Selbstbestimmung zum Credo hat, kann man diese Abstimmung nicht einfach ignorieren und für ungültig erklären.

Es ist eine Abstimmung einer ganzen Region, nicht eines Dorfes oder einer Stadt.
Auch wird man nicht behaupten können, dass die Abstimmung erzwungen und Manipuliert ist wie auf der Krim.
Als die UDSR zerbrach, jubilierten die westlichen Politiker.
Nun müssen sie zusehen, wie es in einer westlichen Demokratie zu einer Abspaltung kommt.
Katalonien, das jahrhundertelang unterdrückt wurde hat nun eine Möglichkeit geschaffen, endlich frei zu sein, das Korsett abzustreifen.
Der EU dürfte das nicht gefallen, denn eigentlich wollen sie ja den anderen Weg gehen. Doch können sie nicht wirklich dagegen etwas sagen, denn wer Freiheit predigt muss auch Freiheit zulassen.
Viva Catalunya!

Herr Lung Wong

02.10.2017, 08:55 Uhr

Soweit die abstimmende Bevölkerung objektiv über die politische Gemengelage unterrichtet ist, wovon nicht auszugehen ist, sollte doch zumindest eine Willensäußerung der Katalanen akzeptiert werden.

Herr Peter Spiegel

02.10.2017, 09:08 Uhr

Wieder 2Millionen Integrationsunwillige, wo bleibt das Militär der Wertegemeinschaft, man muß doch das Haus Europa bauen oder verzichtet man auf die Europäer und nimmt lieber Araber, wie in Deutschland ?

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