Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.12.2011

19:34 Uhr

Nach dem Tod Kim Jong Ils

Verbaler Warnschuss aus Washington

Die USA senden nach dem Tod des Diktators Kim Jong Il scharfe Warnsignale an die Führungsrige in Nordkorea. Einzelne Experten warnen vor einem Krieg im Zuge der neuen Machtverteilung in Pjöngjang.

Gilt als neuer starker Mann Nordkoreas: Kim Jong Un, Kim Jong Ils Sohn. dapd

Gilt als neuer starker Mann Nordkoreas: Kim Jong Un, Kim Jong Ils Sohn.

WashingtonDie Reaktion aus Washington war schmallippig, doch der drohende Unterton kaum zu überhören. Gleich zweimal im Abstand weniger Stunden unterstrich das Weiße Haus, wie sehr man sich nicht nur der „Stabilität der koreanischen Halbinsel“ verpflichtet fühle, sondern auch der Sicherheit seiner Verbündeten in der Region. Das war ein verbaler Warnschuss an den Atomstaat, nach dem Tod des Staatsführers Kim Jong Il keine gewaltsamen Abenteuer zu versuchen.

Doch die Frage ist, wie viel Gehör das mahnende Wort Präsident Barack Obamas überhaupt findet. Denn von Erfolg gekrönt ist seine Nordkorea-Politik nicht gerade. Bei seinem Amtsantritt vor knapp drei Jahren hatte es Obama noch mit demonstrativer Offenheit gegenüber dem Regime versucht. Kurz darauf unternahm Pjöngjang seinen zweiten Atomtest. Wenig später musste ein US-Diplomat im US-Magazin „Time“ einräumen, Nordkorea „hat uns in die ausgestreckte Hand gebissen“.

Seitdem war die US-Haltung klar: Hilfen für das bettelarme Land gibt es erst, wenn das Atomwaffenprogramm konkret zurückgefahren wird. Immerhin führten die USA und Südkorea seit vorigem Sommer getrennt mit Nordkorea Sondierungsgespräche über eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Beratungen - in die Pjöngjang allerdings soweit nur ohne Vorbedingungen einzuwilligen bereit ist.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Mit dem Tod Kim Jong Ils mischt sich nun erhebliche Unsicherheit in die zähen, frustrierenden Verhandlungen mit dem bizarren Regime. „Wir stehen am Beginn besonders gefährlicher Zeiten“, sagte Jim Walsh, Professor beim Programm für Sicherheitsstudien am Massachusetts Institute of Technology, der „New York Times“. Vor allem mit Blick auf den jüngsten Sohn, Kim Jong Un, der als Favorit für die Nachfolge gilt. „Da ist dieser junge Führer, dem das Militär möglicherweise misstraut“, meint Walsh, der in den vergangenen Monaten Delegationen aus Nordkorea getroffen hatte. „Und das könnte zu Fehlkalkulationen und versehentlich zu Krieg führen.“

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nostradamus

19.12.2011, 20:37 Uhr

Die USA wird in den nächsten Jahren mehrere Kriege in verschiedenen Ländern führen müssen. Der Grund sind die Waffenfirmen und die Aliens, die Mittlerweile die Kontrolle über USA haben. Glaubt ihr es nicht, dann seid ihr später klüger!

We-are-99-Prozent

19.12.2011, 21:24 Uhr

ääähm, neee die Alliens dürfen seit den 80zigern nicht mehr aktiv eingreifen.

Warum sonst wohl sind Atomwaffen geächtet und der Warschauer Pakt ist zusammen gebrochen, das Internet kam und die Welt wendet sich imemr mehr vom Staat Israel ab?

wassolls

20.12.2011, 07:45 Uhr

Lasst die armen Aliens aus dem Spiel....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×