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03.01.2012

17:41 Uhr

Nach dem Tod von Kim Jong-il

Kondolenzkrieg zwischen Japan und Nordkorea

Der Tod von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il sorgt für einen bizarren Konflikt zwischen Japan und Nordkorea. Japan hatte nach dem Tod nicht offiziell Beileid bekundet und damit für Empörung gesorgt.

Ein Porträt des verstorbenen Kim Jong Il in Nordkoreas Hauptstadt Pyongyang. dapd

Ein Porträt des verstorbenen Kim Jong Il in Nordkoreas Hauptstadt Pyongyang.

TokyoDer Tod von Nordkoreas Führer Kim Jong-il verstärkt die diplomatische Krise zwischen Japan und Nordkorea. Nordkorea hat Japans Regierung am Dienstag schärfstens dafür kritisiert, nicht nur nicht offiziell Beileid bekundet zu haben, sondern sogar die Reise von Vertretern der Vereinigung der in Japan lebenden Nordkoreaner zu Kims Begräbnis verhindert zu haben.

“Das koreanische Volk lernte mehr über die japanischen politischen Pigmäen, während es trauerte“, schrieb die Zentrale Koreanische Nachrichtenagentur, (KCNA) das englischsprachige Sprachrohr des Regimes. „Es ist eine Tragödie für Japan selbst, dass solche Menschen, die so ignorant in elementarer Ethik und Moral und Etikette sind, die Staatsgeschäfte leiten.“ Die KCNA drohte an, dass sich dadurch die diplomatischen Beziehungen verschlechtern dürften.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Der Hintergrund ist der leidige Streit um von Nordkorea entführte Japaner, die in Japan noch immer als ungelöst angesehen wird. Aus der Regierung heißt es, dass Ministerpräsident Yoshihiko Noda aus Rücksicht auf die Gefühle der Entführten und ihrer Angehörigen entschieden hat, nicht offiziell zu kondolieren. Die Nordkoreaner werfen ihm vor, die Trauer des koreanischen Volks zu instrumentalisieren und durch eine harte Haltung innenpolitisch Pluspunkte sammeln zu wollen.

Auch in Japan wurde Nodas Entscheidung kritisiert. Einige bekannte Japaner kondolierten sogar im Tokioter Hauptquartier der koreanischen Vereinigung, darunter auch Japans ehemaliger Ministerpräsident Junichiro Koizumi, wie auch die KCNA deutlich herausstellte.

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Von

Martin Koelling

Kommentare (1)

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deltoid

03.01.2012, 22:06 Uhr

Zitat: "Der Hintergrund ist der leidige Streit um von Nordkorea entführte Japaner, die in Japan noch immer als ungelöst angesehen wird."

Dieser "leidige Streit" geht um Menschen, denen grausam das Leben zerstört wurde.

Dieser Satz ist eine bodenlose Frechheit.

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