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25.03.2016

16:50 Uhr

Nach den Anschlägen in Brüssel

Fast ein Dutzend Festnahmen in drei Ländern

Nach den Selbstmordanschlägen von Brüssel macht die Polizei in mehreren Ländern Jagd auf Komplizen. In Belgien, Frankreich und Deutschland wurden innerhalb weniger Tage fast ein Dutzend Terrorverdächtige festgenommen.

Ein Sprengstoffexperte der belgischen Polizei musste hinzugezogen werden und kontrollierte Sprengungen durchführen. dpa

Polizei-Einsatz in Brüssel

Ein Sprengstoffexperte der belgischen Polizei musste hinzugezogen werden und kontrollierte Sprengungen durchführen.

Brüssel/Den HaagNach den Selbstmordanschlägen von Brüssel macht die Polizei in mehreren Ländern Jagd auf Komplizen. In Belgien, Frankreich und Deutschland wurden fast ein Dutzend Terrorverdächtige festgenommen. Allein in Belgien gab es bis Freitagnachmittag acht Festnahmen. In Paris wurde ein Mann gefasst und damit nach Regierungsangaben ein Anschlagsplan vereitelt. In Deutschland nahm die Polizei zwei Männer fest, die zum Umfeld der Brüssel-Attentäter gehören könnten. Offiziell bestätigten die Behörden am Freitag zwei Festnahmen in Gießen und im Raum Düsseldorf, wollten sich aber nicht zu Details äußern.

Bei einem Anti-Terror-Einsatz in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek wurde am Freitag ein Verdächtiger verletzt und festgenommen. Der Mann stehe im Zusammenhang mit den Attentaten in Brüssel, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Bernard Clerfayt, dem öffentlichen Sender RTBF. Nach Informationen des Senders hatte der Verdächtige einen Rucksack oder einen Koffer mit Sprengstoff dabei. Laut RTBF gab es bei der Razzia drei Explosionen.

In der Nacht zu Freitag hatte es Razzien unter anderem in Schaerbeek gegeben, bei denen laut Staatsanwaltschaft sechs Verdächtige festgenommen wurden. In der Gemeinde Forest hatten die Ermittler RTBF zufolge am Freitagmorgen einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Die Einsätze sollen in Verbindung mit den Anschlägen am Brüsseler Flughafen sowie in einer Metro gestanden haben, bei denen am Dienstag insgesamt 31 Menschen ums Leben gekommen und rund 300 weitere verletzt wurden. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Aachen, wie die Polizei am Freitag bestätigte.

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass der 24-jährige Najim Laachraoui einer der beiden Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen ist. Laachraoui war auf Bildern einer Überwachungskamera links zu sehen. Der andere Flughafen-Attentäter war bereits als Ibrahim El Bakraoui identifiziert worden. Nach einem dritten Mann wird noch gesucht.

Verdächtige der Anschläge von Brüssel und Paris (24.3.)

Khalid El Bakraoui

Der 27-jährige Belgier hat sich der Staatsanwaltschaft zufolge am Dienstag in einem Zug nahe der Brüsseler Metro-Haltestelle Maelbeek in die Luft gesprengt. Bereits 2011 war er wegen Autodiebstahls zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, hatte sich der Strafe aber entzogen. Er soll einen gefälschten Ausweis benutzt haben, um eine Wohnung in Brüssel anzumieten, in der sich weitere Mitglieder der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) versteckt haben sollen.

Ibrahim El Bakraoui

Der 29-jährige Bruder Khalids hat sich den Ermittlungen zufolge am Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt. Er war 2010 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er bei einem versuchten Raub auf Polizisten geschossen hatte. Seit seiner zwischenzeitlichen Haftentlassung im August 2015 war er untergetaucht. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwoch erklärt, dass der Belgier 2015 an der türkisch-syrischen Grenze festgenommen und auf eigenen Wunsch in die Niederlande ausgewiesen worden sei. Belgien habe die Warnung, dass es sich um einen Extremisten handle, ignoriert.

Najim Laachraoui

Najim Laachraoui soll Medienberichten zufolge der zweite Selbstmordattentäter am Flughafen von Brüssel gewesen sein. Die DNS des 25-jährigen Belgiers wurde nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auch in Wohnungen der Attentäter von Paris gefunden. Bereits im Februar 2013 war Laachraoui nach Syrien gereist, wo er wahrscheinlich von IS-Kämpfern ausgebildet wurde. Unter falschem Namen wurde er zusammen mit Salah Abdeslam im September 2015 auf dem Weg von Ungarn nach Österreich gesehen.

Salah Abdeslam

Der 26-jährige Franzose war vorige Woche als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris in Brüssel festgenommen worden. Nach eigenen Worten wollte er sich vor dem Fußballstadion in die Luft sprengen, in dem zu diesem Zeitpunkt ein Spiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand, machte aber im letzten Moment einen Rückzieher. Ob er auch in die Planungen der Brüssel Anschläge involviert war, ist noch unklar.

Brahim Abdeslam

Der ältere Bruder von Salah sprengte sich im November in einem Pariser Café in die Luft. Der 31-Jährige war zuvor von der Türkei in seine Heimat Belgien ausgewiesen worden, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in Syrien einer Extremistenmiliz anschließen. Nach seiner Rückkehr nach Belgien wurde er zwar verhört, aber nicht festgenommen.

Mohammed Abrini

Der 30-jährige Belgier gilt als Freund der Abdeslam-Brüder und wird von Europol gesucht. Medienberichten zufolge könnte er der dritte Mann sein, der am Brüsseler Flughafen einen Selbstmord geplant hatte, dann aber seine Bombe zurück ließ und flüchtete. Abrini soll in Syrien gekämpft haben. Er war kurz vor den Pariser Anschlägen mit Salah Abdeslam in der französischen Hauptstadt gefilmt worden.

Abdelhamid Abaaoud

Der 28-jährige Belgier ist bei einer Schießerei mit der französischen Polizei in einem Pariser Vorort im November 2015 getötet worden. Er hat vermutlich in Syrien gekämpft und wird verdächtigt, dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel 2014 und einen gescheiterten Anschlag auf einen Zug von Frankreich nach Belgien 2015 unterstützt zu haben.

Mehdi Nemmouche

Der Franzose soll 2013 in Syrien gekämpft haben, bevor er bei dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel im Jahr 2014 vier Menschen getötet hat. Er wurde wenig später festgenommen und sitzt derzeit in dem Gefängnis in Brüssel, in dem auch Salah Abdeslam festgehalten wird.

Mohammed Belkaid

Der 35-jährige Algerier wurde mehrfach mit Laachraoui und Abdeslam gesehen. Er wurde am Freitag bei der Fahndung nach Salah Abdeslam von einem Scharfschützen getötet.

Amine Choukri oder Monir Ahmed Alaaj

Ein Mann, der die falschen Identitäten Amine Choukri und Monir Ahmed Alaaj benutzt hat, wurde am Freitag mit Saleh Abdeslam festgenommen. Der Mann war im Oktober 2015 mit Abdeslam in der Nähe von Ulm gesehen worden und soll ebenfalls in die Anschläge von Paris involviert gewesen sein.

Die Brüsseler Attentäter sollen Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris und Saint-Denis gehabt haben, bei denen am 13. November 130 Menschen ermordet wurden.

Das französische Innenministerium teilte mit, einen Anschlagsplan im „fortgeschrittenen Stadium“ vereitelt zu haben. In einem Pariser Vorort wurde ein Terrorverdächtiger festgenommen, der nach Medienberichten Verbindungen zum mutmaßlichen Planer der Pariser Anschläge vom November gehabt haben soll. Zusammen mit dem als Kopf dieser Anschläge geltenden Islamisten Abdelhamid Abaaoud soll er 2015 in Brüssel verurteilt worden sein.

In Argenteuil nordwestlich von Paris wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung laut Medien geringe Mengen Sprengstoff gefunden. Nach dem Bericht des Senders RTBF stand die Razzia in Schaerbeck vom Freitag in mit der Polizeiaktion in Argenteuil in Zusammenhang.

In Gießen wurde am Mittwochabend ein 28 Jahre alter Marokkaner festgenommen. Nach der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen bestätigten ARD-Informationen fiel er bei einer Routinekontrolle auf dem dortigen Bahnhof einer Streife der Bundespolizei auf. Als sich die Polizei intensiver mit dem Mann beschäftigt habe, hätten sich Papiere über einen Krankenhausaufenthalt wegen einer Verletzung am 18. März gefunden. An diesem Tag wurde der Terrorverdächtige Salah Abdeslam in der belgischen Hauptstadt festgenommen.

Dem „Spiegel“ zufolge enthält eine Kurznachricht, die im Mobiltelefon des Mannes gefunden wurde, den Namen des U-Bahn-Attentäters von Brüssel, Khalid El Bakraoui.

Gegen den am Donnerstag im Düsseldorfer Stadtteil Bilk festgenommenen Salafisten wird unter anderem „wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ ermittelt. Bei dem Mann soll es nach „Spiegel“-Informationen um den Salafisten Samir E. gehen. Er sei ebenso wie der Brüsseler Flughafen-Attentäter Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 von den türkischen Behörden im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien aufgegriffen und nach Amsterdam abgeschoben worden.

Der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, warnte erneut vor weiteren Terroranschlägen in Europa. Der sogenannte Islamische Staat sei in Syrien und im Irak geschwächt. „Damit steht die Terrorgruppe unter Druck und braucht spektakuläre Aktionen, um Aufmerksamkeit zu erregen und Macht zu demonstrieren“, sagte Münch der „Bild“-Zeitung (Samstag). Angesichts der Terrorgefahr wollen die Innenminister der Länder im Juni über Einsätze der Bundeswehr im Inneren beraten, wie der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU), dem „Focus“ sagte.

Von

dpa

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