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15.03.2004

15:26 Uhr

Nach den Anschlägen in Madrid

Polen sehen sich im Terror-Visier

Immer lauter stellen polnische Medien die Frage: „Können auch wir ein Ziel terroristischer Angriffe sein?“ Die Teilnahme am Irak-Krieg stellen die Polen jedoch - im Gegensatz zu Spanien - nicht in Frage.

HB WARSCHAU. Polen gehört immerhin zu den treuesten Verbündeten der USA, steht im Irak an der Spitze einer multinationalen Truppe mit Kommando über eine eigene Besatzungszone. Der Irak-Einsatz sei jedoch auch nach den Anschlägen von Madrid nicht in Frage gestellt, betonte Ministerpräsident Leszek Miller. Polen werde seine Truppen schrittweise reduzieren, je mehr Kontrolle an die irakischen Behörden übergeben werde. Am Zeitplan selbst soll jedoch nicht gerüttelt werden.

Umfragen zufolge fürchteten schon vor den Terroranschlägen von Madrid 74 Prozent der Polen, auch ihr Land könne ins Visier islamischer Terroristen geraten. Noch während die spanische Regierung zunächst von einem ETA-Anschlag sprach, tagte in Warschau das Sicherheitskabinett. In einer Nachtsitzung wurde die verschärfte Kontrolle von Flughäfen, Häfen, Bahnhöfen und Grenzübergängen angeordnet. Wie bereits vor Weihnachten wurde die Bevölkerung zur Aufmerksamkeit aufgerufen. Verdächtig geparkte Fahrzeuge oder unbeaufsichtigt gelassene Gepäckstücke sollten gemeldet werden. Zugleich versuchte die Regierung zu vermitteln: „Kein Grund zur Panik.“

Viele Polen, die ohnehin mehrheitlich gegen das „irakische Abenteuer“ sind, sehen das anders. Zwar beruhigte Spionagechef Zbigniew Siemiatkowski, in Polen hätten islamische Terroristen kein Rückzugsgebiet und könnten im Gegensatz zu Spanien, Frankreich oder anderen Ländern mit einer großen Zahl arabische Immigranten nicht unauffällig untertauchen. Polnische Medien erinnerten dagegen daran, dass bereits vor Weihnachten mehrere Verdächtige an den Grenzen des Landes festgenommen worden sein, die aus „Hochrisikoländern“ stammten. Inzwischen bestätigte Miller, dass diese Festnahmen in Zusammenhang mit Terror-Warnungen standen. Auch ein für Ende April in Warschau geplantes Europäisches Wirtschaftsforum sorgt derzeit für zusätzliche Furcht vor Anschlägen.

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