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27.03.2016

08:58 Uhr

Nach den Anschlägen von Brüssel

Polizei verhaftet Terrorverdächtige in Italien

Bei der Jagd nach den Attentätern von Brüssel ist den Ermittlern einer der Hauptverdächtigen ins Netz gegangen. Die Behörden setzen auch die Suche nach möglichen Hintermännern fort – in Italien wurden Helfer gefasst.

Italienische Polizisten haben einen mutmaßlichen Terrorhelfer gefasst. dpa

Hohe Alarmbereitschaft in Italien

Italienische Polizisten haben einen mutmaßlichen Terrorhelfer gefasst.

BrüsselNach den Bombenanschlägen von Brüssel setzen Ermittler die Suche nach möglichen Hintermännern fort. Aus Italien meldete die Polizei am Sonntag die Festnahme eines algerischen Verdächtigen, der auch Verbindungen zu den Urhebern der Pariser Terrorserie unterhalten haben soll. Ihm werde im Zusammenhang mit den Attacken vorgeworfen, die illegale Einreise von Migranten ermöglicht zu haben. Laut Medienberichten sitzt in Belgien zudem ein Mann namens Faycal C. in Haft, der auf Überwachungskameras mit den beiden Flughafenattentätern zu sehen sein soll. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu nicht äußern.

Die belgische Bundesanwaltschaft erklärte, Faycal C. würden „Mitwirkung in einer Terrorgruppe, bei terroristischen Morden und versuchten terroristischen Morden“ vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien aber weder Waffen noch Sprengstoff gefunden worden. Belgische Medien hatten berichtet, C. sei vom Flughafen geflohen, nachdem zwei mutmaßliche Komplizen sich dort am Dienstag in die Luft gesprengt hätten. Bei der Terrorserie in der belgischen Hauptstadt hatten Attentäter auf dem Flughafen und ein weiterer in einer Metrostation mindestens 28 mit in den Tod gerissen. 270 weitere wurden verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich die Terrormilz Islamischer Staat.

Neben Faycal C. wurde zudem gegen zwei weitere Verdächtige – Rabah N. und Aboubakar A. – Haftbefehl wegen Beteiligung an den Aktivitäten einer Terrorgruppe erlassen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Einen vierten Mann habe die Polizei am Karfreitag an einer Straßenbahnhaltestelle angeschossen und festgenommen. Er solle noch mindestens weitere 24 Stunden im Gewahrsam bleiben.

Verdächtige der Anschläge von Brüssel und Paris (24.3.)

Khalid El Bakraoui

Der 27-jährige Belgier hat sich der Staatsanwaltschaft zufolge am Dienstag in einem Zug nahe der Brüsseler Metro-Haltestelle Maelbeek in die Luft gesprengt. Bereits 2011 war er wegen Autodiebstahls zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, hatte sich der Strafe aber entzogen. Er soll einen gefälschten Ausweis benutzt haben, um eine Wohnung in Brüssel anzumieten, in der sich weitere Mitglieder der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) versteckt haben sollen.

Ibrahim El Bakraoui

Der 29-jährige Bruder Khalids hat sich den Ermittlungen zufolge am Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt. Er war 2010 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er bei einem versuchten Raub auf Polizisten geschossen hatte. Seit seiner zwischenzeitlichen Haftentlassung im August 2015 war er untergetaucht. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwoch erklärt, dass der Belgier 2015 an der türkisch-syrischen Grenze festgenommen und auf eigenen Wunsch in die Niederlande ausgewiesen worden sei. Belgien habe die Warnung, dass es sich um einen Extremisten handle, ignoriert.

Najim Laachraoui

Najim Laachraoui soll Medienberichten zufolge der zweite Selbstmordattentäter am Flughafen von Brüssel gewesen sein. Die DNS des 25-jährigen Belgiers wurde nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auch in Wohnungen der Attentäter von Paris gefunden. Bereits im Februar 2013 war Laachraoui nach Syrien gereist, wo er wahrscheinlich von IS-Kämpfern ausgebildet wurde. Unter falschem Namen wurde er zusammen mit Salah Abdeslam im September 2015 auf dem Weg von Ungarn nach Österreich gesehen.

Salah Abdeslam

Der 26-jährige Franzose war vorige Woche als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris in Brüssel festgenommen worden. Nach eigenen Worten wollte er sich vor dem Fußballstadion in die Luft sprengen, in dem zu diesem Zeitpunkt ein Spiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand, machte aber im letzten Moment einen Rückzieher. Ob er auch in die Planungen der Brüssel Anschläge involviert war, ist noch unklar.

Brahim Abdeslam

Der ältere Bruder von Salah sprengte sich im November in einem Pariser Café in die Luft. Der 31-Jährige war zuvor von der Türkei in seine Heimat Belgien ausgewiesen worden, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in Syrien einer Extremistenmiliz anschließen. Nach seiner Rückkehr nach Belgien wurde er zwar verhört, aber nicht festgenommen.

Mohammed Abrini

Der 30-jährige Belgier gilt als Freund der Abdeslam-Brüder und wird von Europol gesucht. Medienberichten zufolge könnte er der dritte Mann sein, der am Brüsseler Flughafen einen Selbstmord geplant hatte, dann aber seine Bombe zurück ließ und flüchtete. Abrini soll in Syrien gekämpft haben. Er war kurz vor den Pariser Anschlägen mit Salah Abdeslam in der französischen Hauptstadt gefilmt worden.

Abdelhamid Abaaoud

Der 28-jährige Belgier ist bei einer Schießerei mit der französischen Polizei in einem Pariser Vorort im November 2015 getötet worden. Er hat vermutlich in Syrien gekämpft und wird verdächtigt, dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel 2014 und einen gescheiterten Anschlag auf einen Zug von Frankreich nach Belgien 2015 unterstützt zu haben.

Mehdi Nemmouche

Der Franzose soll 2013 in Syrien gekämpft haben, bevor er bei dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel im Jahr 2014 vier Menschen getötet hat. Er wurde wenig später festgenommen und sitzt derzeit in dem Gefängnis in Brüssel, in dem auch Salah Abdeslam festgehalten wird.

Mohammed Belkaid

Der 35-jährige Algerier wurde mehrfach mit Laachraoui und Abdeslam gesehen. Er wurde am Freitag bei der Fahndung nach Salah Abdeslam von einem Scharfschützen getötet.

Amine Choukri oder Monir Ahmed Alaaj

Ein Mann, der die falschen Identitäten Amine Choukri und Monir Ahmed Alaaj benutzt hat, wurde am Freitag mit Saleh Abdeslam festgenommen. Der Mann war im Oktober 2015 mit Abdeslam in der Nähe von Ulm gesehen worden und soll ebenfalls in die Anschläge von Paris involviert gewesen sein.

Schwerbewaffnete Polizisten hatten am Karfreitag bei Zugriffen in der belgischen Hauptstadt insgesamt drei Verdächtige festgenommen. Diese hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht nur mutmaßlich Verbindungen zu den Anschlägen am Dienstag, sondern hatten offenbar auch einen neuen Angriffsplan für Ziele in Frankreich. Die Behörden gehen davon aus, dass sowohl die Anschläge von Paris am 13. November mit 130 Toten als auch die von Brüssel in Belgien ausgeheckt wurden.

Von den 31 Toten in Brüssel wurden bis Samstag 24 identifiziert, wie Staatsanwältin Ine Van Wymersch der Nachrichtenagentur AP sagte. Unter ihnen seien Belgiens früherer Botschafter in den USA, André Adam, und elf Ausländer.

Ingenieure und Techniker nahmen zudem den Tatort am Flughafen in Augenschein, um die Statik und Informationssysteme zu prüfen. Bei der vorläufigen Untersuchung des Terminals seien keine Stabilitätsprobleme nach dem Bombenanschlag festgestellt worden, teilte der Airport Zaventem mit. Auch ein Verbindungsgebäude, indem Sicherheitskontrollen ausgeführt und Handgepäck geprüft werde, sei als sicher eingestuft worden. Der Flugbetrieb könne frühestens am kommenden Dienstag wieder aufgenommen werden.

Eine für Ostersonntag geplante Kundgebung für die Opfer der Brüsseler Anschläge wurde verschoben, wie die Organisatoren mitteilten. Zuvor hatte Innenminister Jan Jambon hat die Bürger gebeten, nicht an der Kundgebung teilzunehmen. Die Polizei sei noch auf der Suche nach Tätern und Hintergründen der Anschläge und werde daher an anderer Stelle gebraucht, sagte Jambon.

Von

ap

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