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13.01.2015

13:28 Uhr

Nach den Pariser Attentaten

Menschen nehmen Abschied von den Opfern

In Paris und Jerusalem haben Tausende von Trauernden Abschied von den Opfern der islamistischen Attentate in Paris genommen. Frankreich verleiht den getöteten Polizisten posthum die Medaille der Ehrenlegion.

Auch in Jerusalem haben die Menschen Abschied genommen: Auf einem Friedhof in Jerusalem wurden Dienstagmittag die Leichen von Joav Hattab, Johan Cohen, Philippe Braham und François-Michel Saada aufgebahrt. AFP

Auch in Jerusalem haben die Menschen Abschied genommen: Auf einem Friedhof in Jerusalem wurden Dienstagmittag die Leichen von Joav Hattab, Johan Cohen, Philippe Braham und François-Michel Saada aufgebahrt.

Paris/JerusalemMit einer bewegenden Trauerfeier hat Frankreich am Dienstag der bei den Terroranschlägen getöteten Polizisten gedacht. „Clarissa (Jean-Philippe), Franck (Brinsolaro), Ahmed (Merabet) sind dafür gestorben, dass wir frei leben können“, sagte Präsident François Hollande vor den in französische Nationalflaggen gehüllten Särgen.

Ihnen gebühre größte Dankbarkeit. Während der Zeremonie im Innenhof der Polizeipräfektur in Paris wurden die drei Beamten posthum mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet.

An der Trauerfeier nahmen auch Hinterbliebene der Opfer bei – darunter die Mutter der Polizistin Jean-Philippe, die vor Hollande in Tränen ausbrach. In seiner Rede fragte der Präsident: „Wie kann man es rechtfertigen, feige eine junge Frau von 26 Jahren zu töten?“ Zu den Hinterbliebenen sagte Hollande: „Ganz Frankreich teilt Ihren Schmerz und Ihr Leid.“

Beim Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ waren ein Polizist und ein als Leibwache abgestellter Beamter getötet worden. Die Polizistin war im Süden der Stadt bei einer Schießerei ums Leben gekommen. Für die insgesamt 17 Opfer der Anschläge und Geiselnahmen ist eine weitere zentrale Trauerfeier im Invalidendom von Paris vorgesehen.

Die offenen Fragen zu den Paris-Anschlägen

Gehen noch mehr Anschläge auf das Konto der Islamisten?

Amédy Coulibaly (der Supermarkt-Geiselnehmer) verübte womöglich noch zwei weitere Anschläge: Am vergangenen Mittwochabend wurde in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris ein Jogger durch Schüsse verletzt. Die Ermittler bringen eine im von ihm überfallenen jüdischen Supermarkt gefundene Pistole der Marke Tokarew mit den Schüssen auf den Jogger in Verbindung.

Am Donnerstag detonierte zudem in Villejuif bei Paris eine Autobombe, ohne dass es Verletzte gab. In einem mutmaßlichen Bekennervideo Coulibalys ist unter anderem von einem „Sprengsatz“ an einem Auto die Rede, laut Ermittlern gibt es bei der Tat noch mehr Hinweise für eine Verbindung zu dem Islamisten.

Hatten die Attentäter Komplizen?

Premierminister Manuel Valls sprach am Montag von vermutlich mindestens einem Komplizen. Coulibaly habe "wahrscheinlich einen Komplizen" gehabt, sagte der Regierungschef. Darauf deutet auch das Bekennervideo des Islamisten hin: Dort ist von der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt die Rede, bei der Coulibaly am Freitagnachmittag von Elite-Einheiten erschossen wurde. Das Video wurde also von einem Dritten angefertigt. Möglich ist auch, dass ein Komplize mit der später bei Coulibaly gefundenen Tokarew-Pistole auf den Jogger in Fontenay-aux-Roses schoss.

Auch bei den Kouachi-Brüdern war immer wieder die Rede von einem möglichen dritten Beteiligten beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“. Ein junger Mann, der zwischenzeitlich als Fahrer verdächtigt wurde, wurde aber entlastet.

Woher hatten die Attentäter Geld und Waffen?

Die Islamisten hatten ein wahres Arsenal an Waffen und Sprengstoff bei sich. Ein Experte schätzt den Schwarzmarkt-Preis der bei den Kouachi-Brüdern gefundenen Waffen auf 7000 Euro, bei Coulibaly auf 6000 Euro. Unklar ist, woher das Geld kam und wie die Attentäter sich die Waffen besorgten. Zumindest Coulibaly war als Wiederholungstäter bei Straftaten wie Diebstahl, Raub und Drogenhandel bekannt.

Bildeten die Attentäter eine Terrorzelle?

Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Islamisten eine durchorganisierte Terrorzelle bildeten - und ob sie womöglich sogenannte Schläfer waren, die von Al-Kaida aktiviert wurden. Chérif Kouachi gab an, von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) beauftragt worden zu sein. Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied des IS. Weder Al-Kaida noch der Islamische Staat haben sich aber zu der Anschlagsserie von Paris bekannt. Die Ermittler untersuchen auch die Verbindungen, die die Kouachi-Brüder und Coulibaly mit anderen Islamisten in Frankreich hatten.

Wie oft reisten die Attentäter ins Ausland?

Chérif und Said Kouachi reisten 2011 beide in den Jemen, zumindest Said wurde dort offenbar von Al-Kaida im Umgang mit Waffen ausgebildet. Said soll auch 2009 und 2013 in dem Land gewesen sein, das als Hochburg von Islamisten bekannt ist. Bestätigt ist dies aber nicht. Bei Coulibaly sind dagegen keine Auslandsreisen in gefährliche Gebiete bekannt, wie Premier Valls sagte.

Auch in Jerusalem haben die Menschen Abschied genommen: Tausende haben an einer emotionalen Trauerfeier für die jüdischen Opfer des islamistischen Terrors in Paris teilgenommen. Auf einem Friedhof in Jerusalem wurden Dienstagmittag die Leichen von Joav Hattab, Johan Cohen, Philippe Braham und François-Michel Saada aufgebahrt.

Neben Staatspräsident Reuven Rivlin und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie religiösen Repräsentanten nahm auch die französische Umweltministerin Ségolène Royal an der Trauerveranstaltung teil.

Die Familien der Opfer gedachten weinend ihrer Angehörigen und entzündeten Fackeln. Staatspräsident Rivlin sagte, Europa müsse härter im Kampf gegen Terror vorgehen, damit jüdische Bürger sich wieder sicher fühlen könnten.

Der Terror könne zwar jeden treffen. „Aber er verfolgt vor allem das jüdische Volk“, sagte Rivlin. „Es kann nicht sein, dass Juden im Jahre 2015 Angst haben, mit einer Kippa auf die Straße zu gehen.“

Der islamistische Terror bedrohe die ganze Welt, sagte Netanjahu. „Sie sind nicht nur die Feinde der Juden“. Juden hätten natürlich das Recht, überall auf der Welt zu leben. Gleichzeitig nannte er Israel „die eine historische Heimat, die sie immer aufnehmen wird“.

Frankreichs Umweltministerin Royal verlieh den Opfern posthum die höchste Auszeichnung Frankreichs, die Medaille der Ehrenlegion. „Frankreich ohne Juden wäre nicht mehr Frankreich“, sagte sie mit Blick auf den Aufruf Netanjahus, die französischen Juden sollten nach Israel emigrieren.

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Von

dpa

Kommentare (1)

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Frau Handelsblatt Redaktion

13.01.2015, 15:11 Uhr

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