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11.04.2006

21:39 Uhr

Nach den Parlamentswahlen

Berlusconi will Niederlage nicht eingestehen

Auch nach der Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse der Parlamentswahl in Italien ist der Streit der beiden politischen Lager über Sieg oder Niederlage noch nicht beendet.

Silvio Berlusconi will den Sieg seines Kontrahenten Romano Prodi nicht akzeptieren. Stattdessen schlägt er eine große Koalition nach deutschem Vorbild vor. Foto: dpa

Silvio Berlusconi will den Sieg seines Kontrahenten Romano Prodi nicht akzeptieren. Stattdessen schlägt er eine große Koalition nach deutschem Vorbild vor. Foto: dpa

HB ROM. Nach Angaben des Innenministeriums hat die Mitte-Links-Union von Oppositionschef Romano Prodi in beiden Parlamentskammern eine Mehrheit. Dennoch wollte Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Niederlage nicht anerkennen. „Niemand kann behaupten, er habe gewonnen“, sagte Berlusconi am Dienstagabend in Rom.

Die vorliegenden Ergebnisse hätten „zu viele dunkle Seiten“ und müssten überprüft werden. Zugleich schloss Berlusconi eine Große Koalition nicht aus. Dagegen hatte Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi kurz zuvor den „geordneten und regulären Ablauf der Wahlen“ betont. Erste Reaktionen der Linken lehnten eine Große Koalition klar ab. „Unsere Koalition wird regieren“, bekräftigte Prodi.

Nach Angaben des Innenministeriums kommt Prodis Mitte-Links- Allianz auf 348 von 630 Sitzen im Abgeordnetenhaus, Berlusconis Mitte-Rechts-Lager auf 281 Mandate. Im Senat habe Prodi 158 Sitze gewonnen, Berlusconi 156. Zwar seien noch nicht alle Stimmen von Auslandsitalienern ausgezählt, an dem Ergebnis könnten die fehlenden Stimmen aber nichts mehr ändern, sagte ein Ministeriumssprecher.

Prodi zeigte sich zuversichtlich, eine vergleichsweise stabile Regierung bilden zu können. „Wir haben eine Mehrheit in der Abgeordnetenkammer und im Senat erzielt, die es uns erlaubt, mit unserer Koalition fünf Jahre lang zu regieren“, sagte er nach einer langen und chaotischen Stimmenauszählung rund 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale.

Berlusconi sprach von einer „Spaltung des Landes“. Beide Lager teilten sich jeweils etwa 50 Prozent der Stimmen. Es sei unverantwortlich, wenn Prodi jetzt Siegesfeiern veranstalte. „Wir sollten Deutschland als Beispiel nehmen, um die Kräfte zu vereinen“, sagte er mit Blick auf eine Große Koalition. Prodi meinte, die Sitzverteilung sei Folge der Rückkehr zum Verhältniswahlrecht. Diese habe aber gerade Berlusconi noch vor wenigen Monaten durchgesetzt. Experten in Rom halten eine Große Koalition in Rom für sehr unwahrscheinlich, vor allem wegen der tiefen politischen Differenzen zwischen beiden Lagern.

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