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02.04.2012

12:56 Uhr

Nach den Teilwahlen

Myanmar hat das Zeug zum neuen Tigerstaat

VonUrs Wälterlin

Die Teilwahlen in Myanmar sind ein weiterer Schritt nach vorne für das asiatische Land. Das Ergebnis könnte bald auch für die Wirtschaft des Landes positive Konsequenzen haben.

Genauso wie dieser junge Bengaltiger könnte auch Myanmar bald Asien die wirtschaftlichen Krallen zeigen - das Land könnte ein neuer Tigerstaat werden. dpa

Genauso wie dieser junge Bengaltiger könnte auch Myanmar bald Asien die wirtschaftlichen Krallen zeigen - das Land könnte ein neuer Tigerstaat werden.

Nach fast 50 Jahren wirtschaftlicher und politischer Isolation steht Myanmar am Scheideweg. Wenn westliche Länder den Ablauf und den Ausgang der Teilwahlen vom Sonntag als fair und unbehindert beurteilen – und alles deutet darauf hin - ist der Fall weiterer Sanktionen praktisch garantiert. Die Europäische Union will am 12. Januar über weitere Lockerungen ihrer Handelsbeschränkungen mit dem einstigen Schurkenstaat beraten. Bereits im Januar hatten die Vereinigten Staaten begonnen, wie der volle diplomatische Beziehungen mit der Regierung von Präsident Thein Sein aufzubauen. Er gilt als entscheidend für die Transformation des einst von einer Militärjunta geführten Landes zur Demokratie. Unter der Führung des ehemaligen Generals hat sich Myanmar in den letzten Monaten deutlich geöffnet. Mit der Entlassung politischer Häftlinge, dem Abbau der Medienzensur und der Zulassung der Oppositionspartei LND von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zu den Teilwahlen hat Myanmar ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen. Obwohl die Ergebnisse der Wahlen noch nicht offiziell bestätigt sind, steht fest, dass Suu Kyi einen Platz im Parlament gewonnen hat.

Starkes Wachstum

Die Nation stehe nun vor einem wirtschaftlichen Boom, sagen Experten. „Myanmar könnte der nächste Tigerstaat werden“, so Rajiv Biswas, Chefökonom Asien-Pazifik von IHS Global Insight, gegenüber Handelsblatt. Mit einer Bevölkerung von bis zu 60 Millionen Menschen ist das ehemalige Birma schon heute die viertgrößte der zehn Nationen in Asean, der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten. „ Die wirtschaftliche Entwicklung könnte den Handel und den Fluss von Investitionen innerhalb Aseans deutlich antreiben“, so Biswas. Der Analyst rechnet bis 2020 mit einem jährlichen Wachstum von 6 % und einer Verdoppelung des BIP auf 124 Mrd. US $. Auch das jährlich Pro-Kopf-Einkommen von heute 1292 US $ werde sich verdoppeln.

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Binnenmarkt profitiert

Mit dem Fall von Sanktionen – allen voran den von den Vereinigten Staaten verhängten Beschränkungen von Finanztransaktionen – und einer weiteren Liberalisierung der Wirtschaft dürfte allem voran der Binnenmarkt profitieren, meint Biswas. Der verstärkte Konsum hätte positive Konsequenzen für die Exporteure in anderen Asean-Staaten. Als einen von wenigen Negativpunkten definiert der Analyst die Gefahr steigender Inflation. „Rasches Wachstum und Investitionen führen zu Versorgungsengpässen und Gehaltsforderungen“. Biswas rechnet für das kommende Jahr mit einer Teuerungsrate von etwa 10 % (2011: 9%). Die bisher niedrigen Durchschnittsgehälter machten das Land aber auch sehr interessant für Hersteller von Gütern, sowohl für den Binnen- als auch für den Exportmarkt.

Die Mitgliedschaft in Asean ist entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung Myanmars, und für den Demokratisierungsprozess. Nicht nur wird das Land 2014 den Vorsitz des Verbundes übernehmen, Myanmar hat sich auch verpflichtet, sich an den Fahrplan für den Abbau von Handelsschranken zu halten. Asean will bis 2015 die Asean Economic Community (AEC) schaffen, eine Freihandelszone mit 600 Millionen Menschen.

Kommentare (1)

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hanji

02.04.2012, 14:44 Uhr

Myanmar - ein Tigetrstaat? Mit solch euphorischen Prognosen sollte man vorsichtig sein, wenn man die Ausgangslage bei der begrifflichen Geburt der asiatischen Tigerstaaten und deren heutiges Niveau betrachtet. Es waren in den 80ern allesamt bereits kapitalistische, konfuzianistisch geprägte Law- und Order-Staaten, in denen Export, Bildung und Technologie bereits auf hohem Niveau blühten. Heute sind sie allesamt sozioökonomisch höher entwickelt als Westeuropa, und im Falle der Stadtstaaten Singapur und Hongkong auch wesentlich wohlhabender. Da ist es schon gewagt, eines der unterentwickeltsten Länder der Welt in die Nähe von Ländern wie z.B. Südkorea aufrücken zu sehen, das in wesentlichen Entwicklungsindikatoren (Bildung, Patente, Infrastruktur, öffentliche Finanzen, ...) sich schon meilenweit von Deutschland abgesetzt hat.

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