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23.05.2013

15:06 Uhr

Nach der Mordattacke in London

Brutaler Terror am hellen Tage

VonMatthias Thibaut

London rätselt über den ersten Terrormord auf britischem Boden seit 2005. Premier Cameron ruft zur Besonnenheit auf und warnt davor, dem Islam die Schuld zuzuschieben. In der Nacht flogen die ersten Steine auf Moscheen.

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Möglicher London-Attentäter begründet die Tat

Amateurvideo: Möglicher London-Attentäter begründet die Tat

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LondonPolitiker und Kommunalführer riefen die Briten nach der brutalen Mordattacke auf einen britischen Soldaten am Mittwoch in Woolwich zur Besonnenheit und Ruhe auf. „Was passiert ist, hat uns allen Übelkeit verursacht. Wir haben auf unseren Fernsehern und in unseren Zeitungen Bilder gesehen, die zutiefst schockierend sind“, sagte Premier David Cameron nach einer Sitzung seines Krisenstabs vor der Downing Street. Dies sei nicht nur ein Anschlag auf Großbritannien und seine Lebensart gewesen. „Dies war auch ein Verrat am Islam und den islamischen Gemeinden“. Einer der besten Wege, den Terrorismus zu schlagen sei, „mit unserem normalen Alltag weiterzumachen. Das ist, was wir alle tun sollten“, schloss der Premier.

Am morgen hatte Londons Bürgermeister Boris Johnson die gleiche Linie vorgegeben. „Eines muss absolut klar sein. Es wäre falsch, die Religion des Islam für diesen Anschlag verantwortlich zu machen“, sagte Johnson Ebenso falsch wäre, irgend eine Beziehung zwischen diesem Mord und der Sicherheits- und Außenpolitik unseres Landes zu ziehen. „Schuld ist einzig und allein das verwirrte und geistesgestörte Denken der Männer, die diese Tat begangen haben“. Grund von Johnsons Intervention: Auf mehrere Moscheen in Südengland wurden in der Nacht Steine geworfen. Dutzende von Anhängern der rechtsnationalistischen „English Defence League“ waren am Mittwoch teilweise vermummt zum Tatort gezogen. Nach einer Konfrontation mit der Polizei zogen sie ins Pub und sangen nationalistische Lieder.

Glossar Konflikte

Terrorismus

Unter Terrorismus (vom lateinischen Wort terror „Furcht, Schrecken“) versteht man Gewalt und Gewaltaktionen die politisch, ideologisch oder religiös motiviert sind und die bestehende Ordnung verändern wollen. Er verfolgt längerfristige Ziele und operiert in der Illegalität. Trotz des primären Mittels der physischen Gewalt (Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge) will Terror eher Unsicherheit und Schrecken verbreiten und damit auf gesellschaftliche Verhältnisse aufmerksam machen und Veränderungen erzwingen. Bei Aktionen wird nicht nur der Feind attackiert, sondern auch der Tod Unbeteiligter geplant oder billigend in Kauf genommen. Terrorgruppen verfügen in der Regel über Logistik und Finanzierungsquellen und vertrauen auf eine Umfeld aus Unterstützern und oder Sympathisanten.

Ein allgemein akzeptierte wissenschaftliche Definition für Terrorismus gibt es jedoch nicht.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

"Die RAF und die Medien" von Andreas Elter. Erschienen in: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Hamburger Edition HIS Verlag, Hamburg 2007

Anschlag

bezeichnet laut Duden einen gewalttätigen, auf Vernichtung oder Zerstörung zielenden Angriff.

Dabei unterscheidet man zwischen:

Attentat

vom lateinischen Wort attentatum, was „Versuch an jemanden oder etwas“ heißt. Dabei will der Attentäter beispielsweise einen seiner Meinung nach wichtigen Entscheidungsträger schädigen oder töten. Um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen wird die Tat meist öffentlichkeitswirksam ausgeübt.

Bekannte Beispiele sind die Erschießung der US-Präsidenten Abraham Lincoln und John F. Kennedy oder das Attentat auf Papst Johannes Paul II.

Sabotage

Als Sabotage bezeichnet man die absichtliche Störung eines wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Ablaufs zur Erreichung eines bestimmten Zieles. Dabei können aktiver oder passiver Widerstand, Störung des Arbeitsablauf oder die Beschädigung und Zerstörung von Anlagen, Maschinen oder Ähnliches eine Rolle spielen.

Quelle: Duden

Krieg

Allgemein bezeichnet Krieg einen organisierten, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen mindestens zwei Parteien wie Staaten. Die Ursachen können religiöser, ideologischer oder wirtschaftlicher Natur sein. In der Vergangenheit gab es zudem auch Kolonial- und Unabhängigkeitskriege. Neben konventionellen, können atomare, bakteriologische oder chemische Waffen eingesetzt werden. Zudem werden Kriege an Land, zur See und in der Luft ausgetragen. Dabei wird räumlich unter anderem zwischen lokal begrenztem, regionalem oder einem Weltkrieg unterschieden.

Bei den Zielen eines Krieges wird zwischen Angriff-, Intervention-, Sanktion-, Verteidigungs- und Befreiungskriegen differenziert.

Auch die Formen unterscheiden sich:
Beim regulären Krieg kämpfen beispielsweise staatliche, stehenden Armeen gegeneinander. Ein Volkskrieg bezeichnet einen langwierigen Krieg mit großen Heeren. Stammen die Heere aus dem Wehrdienst des eigenen Volkes spricht man von einem Milizkrieg. Beim Partisanen- oder Guerillakrieg wird der Konflikt zwischen nichtregulären Streitkämpfen einer feindlichen Staatsarmee fortgeführt.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 5., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2011.

Bürgerkrieg

ist der organisierte, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates.

An der Sicherheits- und Alarmstufe für London und Großbritannien hat sich nichts geändert – sie liegt seit Monaten bei „Substanziell“ – der dritten Stufe von fünf - „hohe Möglichkeit“ eines Anschlags . Londoner wurden aber aufgefordert, wie gewohnt ihrem Leben nachzugehen – „alles andere wäre, genau das zu tun, was die Terroristen wollen“, so der frühere Innenminister Lord Reid. In Sky News sagte Graham Wilders, ein Mann, der Augenzeuge der Tat wurde und unmittelbar am Tatort wohnt: „Was bringt es, sich in seinem Haus zu verstecken. Besser, man macht wie gewohnt mit seinem normalen Leben weiter. Das ist, wie wir Briten sind“.

Das muss wohl auch für die Zehntausenden von deutschen Fußballfans gelten, die am Samstag zum Finale der Champions League in London erwartet werden. An der Sicherung der Spiele durch ein starkes Aufgebot Londoner und einreisende deutsche Polizisten und „Spotter“ arbeitet die Polizei seit Wochen. Nach dem Woolwich Anschlag wurden Vorsichtmaßnahmen lediglich im Umkreis von Kasernen verstärkt. Soldaten wurden aufgefordert, sich vorerst nicht in Uniform in der Öffentlichkeit zu zeigen. Was das Fußballstadion angeht, erinnert die Polizei daran, dass das Mitführen von Waffen und scharfen Gegenständen verboten ist und dieses Verbot mit verschärften Personenkontrollen und Durchsuchungen im Umkreis des Stadions durchgesetzt wird. Den Polizeimaßnahmen liegen die für die olympischen Spiele ausgearbeiteten Pläne zugrunde, bei denen bereits die Möglichkeit eines Anschlags von Einzeltätern ohne organisatorischen Hintergrund eine wichtige Rolle spielte. Fans müssen vor dem Spiel nun damit rechnen, dass die Kontrollen noch schärfer werden.

Kommentare (20)

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BenBecker

23.05.2013, 13:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

AxelSiegler

23.05.2013, 14:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

OlliDittrich

23.05.2013, 14:17 Uhr

Herr Cameron sollte nicht immer gleich selbst im Namen der Islamgläubigen sprechen. Lassen wir sie doch selber zu Wort kommen. Bislang haben wir noch von keinem der Verbände gehört und gelesen, dass sie sich von dem "Vorfall" distanzieren und den Tod des Opfers bedauern.

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