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18.07.2014

07:28 Uhr

Nach der Waffenruhe

Israel schickt Bodentruppen in den Gazastreifen

Fünf Stunden lang ruhten die Waffen im Gazastreifen. Nun ist der Kampf heftiger als zuvor entbrannt. Israel schickt Bodentruppen. Palästinensische Medien berichteten von heftigem Artilleriebeschuss im Gazastreifen.

Eskalationen am Gaza-Streifen

Netanjahu besteht auf Bodenoffensive gegen Hamas

Eskalationen am Gaza-Streifen: Netanjahu besteht auf Bodenoffensive gegen Hamas

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Jerusalem/Tel Aviv/Gaza/New YorkZehn Tage nach Beginn einer Offensive im Gazastreifen hat Israel auch Bodentruppen in das Palästinensergebiet geschickt. Es werde im Norden, Süden und Osten des Küstenstreifens operiert, sagte der israelische Militärsprecher Arye Shalicar in der Nacht zum Freitag. Die Armee mobilisierte für den Einsatz 18.000 weitere Reservisten – damit stehen knapp 70.000 Soldaten für die Offensive zur Verfügung.

Palästinensische Medien berichteten von heftigem Artilleriebeschuss von Zielen im Gazastreifen. Eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen in der Nacht zum Freitag hat bereits über 20 Todesopfer gefordert. Etwa 20 Palästinenser wurden nach Angaben der Rettungsbehörden in Gaza getötet. Erstmals seit Beginn der Offensive in dem Palästinensergebiet vor elf Tagen kam auch ein israelischer Soldat ums Leben. Die Armee teilte am Freitag mit, er sei bei Kämpfen im Norden des Gazastreifens getötet worden.

Die Zahl der Toten seit Beginn der Offensive vor elf Tagen stieg nach Angaben der Rettungsbehörden am Freitag auf 258. Insgesamt seien 1980 Menschen bei israelischen Bombardements verletzt worden. Nach dem Scheitern von Verhandlungen über eine Waffenruhe mit der radikal-islamischen Hamas hatte Israel in der Nacht zum Freitag Bodentruppen in da Palästinensergebiet geschickt. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurden zwei Soldaten bei Kämpfen im Gazastreifen verletzt.

Israelische Militäreinsätze im Gazastreifen

28. Juni 2006

Drei Tage nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit durch ein palästinensisches Kommando startet die israelische Armee die erfolglose Operation „Sommerregen“. Frei kommt Schalit erst im Oktober 2011 im Austausch für 1027 Gefangene.

Quelle: AFP

1. bis 7. November 2006

Beim Einsatz „Herbstwolken“ im Norden des Gazastreifens werden 56 Palästinenser getötet, die Hälfte Zivilisten. Am 26. November beendet die Armee eine fünfmonatige Offensive, bei der insgesamt mehr als 400 Palästinenser starben.

15. Juni 2007

Die radikalislamische Hamas übernimmt nach einwöchigen Kämpfen mit den Milizen der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Macht im Gazastreifen. Die Fatah kontrollierte seither nur noch das Westjordanland. Im September erklärt Israel den Gazastreifen zur „feindlichen Einheit“.

27. Februar bis 3. März 2008

Nach dem Tod eines Israeli bei einem palästinensischen Raketenangriff startet Israel den Militäreinsatz „Heißer Winter“, bei dem mehr als 120 Palästinenser getötet werden. Im Juni wird nach monatelanger Gewalt schließlich eine Waffenruhe vereinbart.

27. Dezember 2008

Wegen anhaltenden Raketenbeschusses startet Israel die Großoffensive „Gegossenes Blei“, bei der nach massiven Luftangriffen auch Bodentruppen im Gazastreifen zum Einsatz kommen. Bis zum Waffenstillstand am 18. Januar 2009 sterben 1400 Palästinenser und 13 Israelis.

31. Mai 2010

Die israelische Armee stürmt das Schiff „Mavi Marmara“, das trotz israelischer Warnungen mit anderen Booten Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen will. Zehn türkische Aktivisten sterben.

April 2011

Bei einem neuen Gewaltausbruch werden 150 Geschosse auf Südisrael gefeuert; 20 Palästinenser sterben bei nachfolgenden Luftangriffen.

August 2011

Anschläge nahe des südisraelischen Badeorts Eilat mit acht israelischen Todesopfern lösen im und um den Gazastreifen eine Welle der Gewalt aus, in der 26 Palästinenser und ein Israeli umkommen.

März 2012

Israelischen Luftangriffe töten 25 Palästinenser, darunter 14 bewaffnete Kämpfer. Aus dem Gazastreifen werden über 250 Geschosse auf Israel abgefeuert.

Juni 2012

Gezielt werden zwei Kämpfer des Islamischen Dschihad getötet; es folgen einwöchige Luftangriffe mit 15 toten Palästinensern, während 152 Raketen in Südisrael einschlagen und fünf Israelis verletzen.

Oktober 2012

Bei militärischen Reaktionen auf 120 Raketenangriffe sterben 15 Palästinenser.

14. bis 21. November 2012

Mit der gezielten Tötung des Hamas-Kommandeurs Ahmed Dschaabari in Gaza-Stadt beginnt die israelische Militäroperation „Säule der Verteidigung“. Während der achttägigen Operation sterben bei hunderten Luftangriffen und massivem Raketenbeschuss 177 Palästinenser und sechs Israelis, in der großen Mehrzahl Zivilisten. Ägypten vermittelt einen Waffenstillstand, der 2013 zu relativer Ruhe führt.

Anfang 2014

Im ersten Quartal nimmt der Raketenbeschuss durch Islamisten, die mit der Hamas rivalisieren, wieder zu. Bei Luftangriffen sterben vier Palästinenser.

Ab Mitte Juni nehmen nach der Entführung von drei israelischen Jugendlichen und nachfolgenden breiten Militäroperationen im Westjordanland gegen die Hamas auch in Gaza Raketenbeschuss und Luftangriffe massiv zu.

Ab 8. Juli 2014

Israel startet die Operation „Schutzrand“ mit dem Ziel, den Raketenbeschuss dauerhaft zu stoppen. 40.000 Reservisten werden mobilisiert, um je nach Entwicklung eine Bodenoffensive zu starten.

Innerhalb der ersten 40 Stunden wurden mehr als 430 Ziele von israelischer Luftwaffe und Marine angegriffen; 39 Palästinenser werden getötet und über 300 verletzt. Im gleichen Zeitraum feuern Islamisten 143 Raketen auf Israel ab, von denen 61 im Flug durch Abwehrgeschütze zerstört werden. Mehr als 50 Raketen zielen auf israelische Städte, darunter Jerusalem und Tel Aviv.

Die Bodenoffensive solle ein begrenzter Einsatz sein, betonte der israelische Armeesprecher. Ziel sei die Infrastruktur der radikal-islamischen Hamas. In den vergangenen zehn Tagen habe die Hamas jedes Mal, wenn Israel deeskalieren wollte, diese Zeit genutzt, um Raketen zu abschießen, sagte der Sprecher. „Wir wollen so schnell wie möglich Sicherheit und Stabilität für die Bürger Israels wiederherstellen.“

Mit der Entsendung von Bodentruppen habe eine „neue Phase“ in der vor zehn Tagen gestarteten Operationen gegen militante Palästinenser in der Mittelmeerenklave begonnen. Der Hamas-Infrastruktur solle ein „empfindlicher Schlag verpasst“ werden, sagte Armeesprecher Peter Lerner. Die Hamas bezeichnete die israelische Bodenoffensive als „gefährlichen Schritt“, den Israel „teuer bezahlen“ werde. Die palästinensischen Widerstandskomitees kündigten an, man werde Gaza in einem Friedhof für israelische Soldaten verwandeln.

Netanjahu: Bodenoffensive soll „Terrortunnel“ treffen

Der Befehl kam von Regierungschef Benjamin Netanjahu. „Der Premierminister und der Verteidigungsminister haben die Streitkräfte angewiesen, heute Nacht eine Bodenoffensive zu beginnen, um die Terrortunnel zu treffen, die vom Gazastreifen in israelisches Gebiet reichen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Büro des Premiers.

Zuvor hatten Israel und die militant-islamische Hamas über eine Waffenruhe im Gazakonflikt verhandelt. Eine erste Gesprächsrunde, die unter ägyptischer Vermittlung ablief, ging in der Nacht zum Donnerstag in Kairo zu Ende, berichteten israelische Medien. Ein israelischer Offizieller sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass noch nichts abschließend vereinbart worden sei und dass die Verhandlungen weitergingen. Das schürte die Hoffnung, eine Waffenruhe stünde bevor.

Nach 10 tägigen Angriffen

Israel und Hamas offenbar kurz vor Waffenruhe

Nach 10 tägigen Angriffen: Israel und Hamas offenbar kurz vor Waffenruhe

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Am Donnerstag herrschte tagsüber eine auf fünf Stunden befristete humanitäre Waffenruhe. Sie war vom UN-Flüchtlingskoordinator Robert Serry angeregt worden, um den Gazastreifen mit bitter benötigten Hilfslieferungen zu versorgen. Doch danach drehte sich die Spirale der Gewalt weiter. Unmittelbar vor und nach der fünfstündigen Waffenruhe wurde von beiden Seiten geschossen.

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