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01.04.2015

15:59 Uhr

Nach der Wahl in Nigeria

Nichts für Nervenschwache

VonWolfgang Drechsler

Nigeria in einem Teufelskreis aus Korruption, Gewalt und Armut: Die Wahl von Ex-General Buhari ist ein kleiner Lichtblick. Doch allein die Öl-Mafia zu zerschlagen, ist eine Herkulesaufgabe. Und Boko Haram wütet weiter.

... schreibt Geschichte, titelt die nigerianische, englischsprachige Zeitung Leadership. Auf den neuen Präsidenten warten schwere Aufgaben. ap

Ex-General Muhammadu Buhari

... schreibt Geschichte, titelt die nigerianische, englischsprachige Zeitung Leadership. Auf den neuen Präsidenten warten schwere Aufgaben.

Johannesburg/LagosWahlen in Nigeria sind noch nie etwas für Nervenschwache gewesen: Bislang mündete fast jeder Urnengang in Aufruhr und Gewalt, weil die Wahlverlierer, oft aus gutem Grund, ihre zumeist durch eklatanten Betrug verursachte Niederlage nicht anerkennen wollten und sich mit allen Mitteln dagegen stemmten. Bei der letzten Wahl vor vier Jahren waren im Nachgang fast 1000 Menschen getötet worden.

Umso ermutigender ist es, dass es diesmal trotz einer von viel Misstrauen begleiteten, sechswöchigen Verlegung der Wahlen von Mitte Februar auf Ende März ganz anders kam: Erstmals seit der Unabhängigkeit des Landes vor 55 Jahren scheint es in dem westafrikanischen Ölstaat zu einem Machtwechsel von der Regierung zur Opposition zu kommen – noch dazu ohne größeres Blutvergießen.

Weit deutlicher als erwartet hat ein Bündnis um den 72 Jahre alten Ex-General Muhammadu Buhari die Wahl gegen den Amtsinhaber Goodluck Jonathan und dessen regierende People's Democratic Party (PDP) gewonnen. Dies ist schon deshalb eine tiefe Zäsur für das Land, weil die PDP zuvor alle Wahlen seit dem Ende der Militärherrschaft im Jahr 1999 für sich entschieden hatte und Nigeria entsprechend klar dominierte.

Blutiger Terror in Nigeria

Dezember 2010

Bei blutigen Angriffe auf Christen in Nigeria sterben an Heiligabend mindestens 80 Menschen. In und um die Stadt Jos im Zentrum des Landes explodieren mehrere Bomben. Dutzende Angreifer attackieren eine Kirche in Maiduguri. Am 26. Dezember gehen erneut mehrere Häuser in Flammen auf. In Jos kommt es nach den Explosionen zu Zusammenstößen.

Januar 2011

Bei Sprengstoffexplosionen werden in der Neujahrsnacht mindestens elf Menschen getötet. Für die Anschläge in einer Kirche und auf einem Kasernengelände stehen muslimische Extremisten im Verdacht.

Juni 2011

Bei mehreren Angriffen der radikalislamistischen Sekte Boko Haram innerhalb weniger Wochen sterben mehr als 30 Menschen. Ein Anschlag traf einen von Polizisten und Soldaten besetzten Biergarten. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil ab – auch das Trinken von Alkohol.

Dezember 2011

Auch im Folgejahr kommt es am 24. Dezember zu neuen Anschlägen. In der Folgezeit werden regelmäßig christliche Gebäude bombardiert. Boko Haram hat es maßgeblich auf Kirchen abgesehen. Christen werden gezielt angegriffen und getötet.

November 2012

Bei einem Gefecht in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri mit dem örtlichen Militär wird Ibn Saleh Ibrahim, der Anführer von Boko Haram, erschossen.

Februar 2013

Die Terrorgruppe hat es inzwischen auch gezielt auf Ausländer abgesehen. Zunächst werden sieben Mitarbeiter einer britischen Baufirma, wenige Tage später eine mehrköpfige Familie aus Frankreich entführt.

Mai 2013

Angesichts der blutigen Situation ruft Nigerias Präsident Goodluck Jonathan den Notstand aus. Experten zufolge hat die Terrorgruppe Boko Haram bis zu diesem Zeitpunkt über 4000 Menschen getötet.

Januar 2014

Fast jeden Tag gibt es Meldungen über neue Entführungen und Morde. Die Terrormiliz geht weiter ungeachtet mit größter Brutalität vor und warnt andere Staaten vor militärischer Intervention.

März 2015

Nach eigenen Angaben hat es die nigerianische Armee geschafft, das Hauptquartier von Boko Haram zu zerstören. Zahlreiche Mitglieder der Terrormiliz seien getötet worden. Erst wenige Tage zuvor hatte Boko Haram eine Gruppe von knapp 500 Frauen und Kindern entführt.

Die Gründe für den Machtwechsel sind vielschichtig: Zum einen ist da die tief im System verankerte Korruption. Für ihr enormes Ausmaß wird von vielen inzwischen die Regierungspartei um Jonathan verantwortlich gemacht. Zwar hat die PDP die Korruption gewiss nicht erfunden, aber jahrelang auch nichts getan, um diesem gesellschaftlichen Übel endlich entschlossen Einhalt zu gebieten. Als der Notenbankchef vor zwei Jahren 20 Milliarden Dollar für unauffindbar erklärte, wurde der mutige Mann kurzerhand geschasst.

Daneben hat Jonathan dem Treiben der islamistischen Terrorbande Boko Haram viel zu lange tatenlos zugeschaut. Monatelang konnten die Dschihadisten ungehindert im Nordosten des Landes wüten und dabei Tausende von Menschen massakrieren, ohne dass der Staat einen Finger gekrümmt hätte.

Machtwechsel: Buhari gewinnt die Wahl in Nigeria

Machtwechsel

Buhari gewinnt die Wahl in Nigeria

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen entscheidet Muhammadu Buhari die Präsidentenwahl in Nigeria für sich: Amtsinhaber Goodluck Jonathan gibt sich geschlagen. Beide Kandidaten haben einander Wahlbetrug vorgeworfen.

Symptomatisch für das Versagen des Staats ist aber auch, dass die vor einem Jahr entführten mehr als 200 Schülerinnen, deren Schicksal damals weltweit für Empörung sorgte, bis heute verschollen sind. Erst das Eingreifen der kampferprobten Armee aus dem benachbarten Tschad sowie die Rekrutierung südafrikanischer Söldner haben die Islamisten zuletzt in die Defensive getrieben – und gezeigt, was bei einem schnelleren Handeln der Regierung seit langem möglich gewesen wäre.

Vielleicht am wichtigsten für den überraschenden Ausgang der Wahl war jedoch die Einführung einer biometrischen Wählererkennung, die den bislang weit verbreiteten Wahlbetrug in Nigeria enorm erschwerte. Das Verdienst für diese entscheidende Reform gebührt ausgerechnet dem nun abgewählten Staatschef. Genau so hoch ist ihm anzurechnen, dass er sich an sein Versprechen hielt und die eigene Niederlage frühzeitig akzeptierte – ein in Afrika höchst seltener Vorgang, der die aufgeheizte politische Atmosphäre schon kurz nach der Wahl spürbar entspannte.

Kommentare (1)

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Herr Paul Kersey

01.04.2015, 16:11 Uhr

Cooles Bild: BVB around the world!

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